Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Die Syrien-Krise >

Syrien-Konflikt: Wieder schwere Explosionen in Homs

"Erschreckende, entsetzliche" Explosionen erschüttern Homs

23.02.2012, 14:27 Uhr | dapd, AFP, dpa

Syrien-Konflikt: Wieder schwere Explosionen in Homs. Die Stadt Homs liegt weiterhin unter Dauerbeschuss (Quelle: AP/dpa)

Die Stadt Homs liegt weiterhin unter Dauerbeschuss (Quelle: AP/dpa)

Die syrische Protesthochburg Homs ist laut Aktivisten von schweren Explosionen erschüttert worden. Insbesondere das Viertel Baba Amr und Teile von Inschaat würden heftig bombardiert, sagte der Chef der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Der Stadtteil Chaldije liege zudem unter Mörserbeschuss. Über Homs seien Aufklärungsflugzeuge am Himmel zu sehen, sagte Abdel Rahman.

Ein Aktivist der sogenannten Generalkommission der syrischen Revolution sprach von "erschreckenden, entsetzlichen" Detonationen in den betroffenen Vierteln. Die Kommunikation mit rund einem Dutzend Aktivisten in der Stadt liege völlig brach, weder über Internettelefonie noch über Satellitentelefon seien sie zu erreichen. Die Informationen über den Beschuss kämen daher von außerhalb.

Eine größere Zahl von Deserteuren soll sich in der Stadt Daraa von den Regierungstruppen abgesetzt haben. Die fahnenflüchtigen Soldaten hätten sich heftige Gefechte mit ihren ehemaligen Kameraden geliefert, hieß es.

Am Vortag sollen in Syrien nach Informationen der Opposition 97 Menschen getötet worden sein. 60 von ihnen seien in Homs gestorben. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist wegen der Behinderung der Arbeit von Journalisten durch die Regierung nicht möglich.

Zwei Journalisten in Homs getötet

Am Mittwoch waren zwei westliche Journalisten bei einem Angriff in Homs ums Leben gekommen - die US-Reporterin Marie y Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlink. Der syrische Informationsminister, Adnan Mahmud, sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, er habe von der Anwesenheit der beiden Journalisten in Syrien nichts gewusst. Jeder Journalist, der illegal eingereist sei, solle sich bei den Behörden melden.

Weitere Nachrichten und Links

Homs wird seit nunmehr 20 Tagen von der syrischen Armee bombardiert. In den vergangenen drei Wochen sind Berichten zufolge hunderte Menschen der Offensive in Homs um Opfer gefallen. Ein in der Stadt ansässiger Aktivist sagte, in Baba Amr seien Lebensmittel- und Arzneivorräte knapp.

Hilferuf der syrischen Regimegegner

In ihrer Verzweiflung hat die Protestbewegung der Stadt Homs um Hilfe gerufen. Um den Dauerbeschuss von Homs zu beenden, sollten die Regimegegner an anderen Orten demonstrieren, hieß es in einer Botschaft. Diese richtete sich an "alle Revolutionäre, die Freie Syrische Armee und jeden ehrenhaften Syrer".

Die Deserteure sollten sich nicht nur auf defensive Operationen beschränken, sondern aktiv "alle Zentren des Mordens und der Verbrechen" angreifen. Zivilisten sollten Straßen blockieren, insbesondere in der Provinz Hama und im Umland von Damaskus.

Der Hilferuf der Leitung der sogenannten Revolutionskomitees endete mit den Worten: "Nehmt Kontakt zu Euren Söhnen in der Armee auf und ruft sie zur Fahnenflucht auf, Wenn Ihr es heute nicht tut, wann denn?"

UN-Liste zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Unterdessen haben UN-Experten eine Liste ranghoher syrischer Regierungsvertreter zusammengestellt, denen eine Untersuchung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit drohen könnte. Hinweisen zufolge reicht die Liste bis hin zu Präsident Baschar al-Assad.

Die UN-Experten sagen, sie hätten sichere Erkenntnisse, dass Offiziere der syrischen Streitkräfte und "Vertreter auf den höchsten Ebenen der Regierung" verantwortlich seien für "Verbrechen gegen die Menschlichkeit und andere schwere Menschenrechtsverstöße". Das von dem Brasilianer Paulo Sergio Pinheiro geleitete Gremium teilte mit, dem Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen in Genf einen Umschlag mit den Namen der Personen und Armeeeinheiten übergeben zu haben, die untersucht werden könnten.

EU beschließt neue Sanktionen

Zudem protestiert die Europäische Union mit einem Bündel neuer Sanktionen gegen die Verfolgung der syrischen Opposition durch das Regime von Staatspräsident Baschar al-Assad. Die Außenminister der 27 EU-Staaten werden am Montag unter anderem Einreiseverbote gegen sieben führende Minister verhängen. EU-Diplomaten sagten in Brüssel, auch die Vermögenswerte der syrischen Nationalbank in Europa würden eingefroren. Der Handel mit Gold, Edelmetallen und Edelsteinen wird verboten. Frachtflüge zwischen Syrien und der EU werden untersagt, Passagierflüge bleiben aber erlaubt.

Über die Sanktionen besteht bereits Einigkeit zwischen den EU-Regierungen, hieß es. Den Diplomaten zufolge wird auch geprüft, wie humanitäre Hilfe nach Syrien geschafft werden kann. Bei Gesprächen unter Einschluss der Arabischen Liga und großer Hilfsorganisationen habe nur wenig Hoffnung auf die Schaffung eines "humanitären Korridors" zur Versorgung der Zivilbevölkerung in den von Regierungssoldaten beschossenen und bombardierten Städten bestanden.

Hilfsorganisationen hofften jetzt vor allem darauf, dass es gelinge, eine Waffenruhe für mehrere Stunden täglich zu vereinbaren. In dieser Zeit sollten überlebenswichtige Güter transportiert und medizinische Hilfe geleistet werden.

"Dramatische Lage" in Syrien

EU-Diplomaten sprachen von einer "dramatischen Lage" in Syrien. Die Situation spitze sich stetig zu. Es werde immer deutlicher, dass die Zustände in Syrien nicht länger hingenommen werden könnten.

Bisher sind bereits 108 führende Personen des Assad-Regimes von Einreiseverboten in die EU betroffen. Diese gehen einher mit einem Einfrieren der in der EU befindlichen Vermögenswerte. 38 Unternehmen und Organisationen sind Geschäfte mit EU-Firmen untersagt. Den Angaben der Diplomaten zufolge konnten sich die EU-Staaten nicht auf ein Einfuhrverbot für Phosphate aus Syrien einigen.

Güter können nach wie vor mit Flugzeugen, die sowohl Passagiere als auch Fracht transportieren können, nach Syrien gebracht werden. Diplomaten sagten, die EU wolle den Flugverkehr nicht einstellen, weil EU-Bürger auf diesem Weg das Land verlassen könnten.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal