Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Die Syrien-Krise >

Syrien: Verletzte Journalisten in Sicherheit

Verletzte Journalisten entkommen aus Homs

02.03.2012, 09:13 Uhr | AFP, dpa, dapd

Syrien: Verletzte Journalisten in Sicherheit. Die verletzt Journalistin Edith Bouvier konnte aus Syrien entkommen  (Quelle: dpa)

Die verletzt Journalistin Edith Bouvier konnte aus Syrien entkommen (Quelle: dpa)

Die in Homs verletzte französische Journalistin Edith Bouvier und ihr Kollege William Daniels haben nach Angaben des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy Syrien verlassen. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel erklärte Sarkozy, die beiden Journalisten seien in den Libanon gebracht worden. "Ich hatte sie am Telefon. Sie ist mit ihrem Kollegen zusammen, außerhalb Syriens", sagte Sarkozy. "Sie hat viel gelitten, aber die Einzelheiten wird sie selbst erzählen. Ihr linkes Bein ist verletzt."

Zu den Umständen, wie die "Figaro"-Reporterin und der Fotograf Daniels aus Homs entkamen, sagte Sarkozy lediglich, "tüchtige Menschen" hätten das bewerkstelligt. Nun verlangsame lediglich Schnee im Libanon die Reise nach Beirut. Außenminister Alain Juppé teilte nach Sarkozys Erklärung mit, die französische Botschaft in Beirut werde sich darum kümmern, dass beide medizinisch versorgt und so schnell wie möglich in ihr Heimatland gebracht werden.

Der Redaktionsdirektor des "Figaro", Etienne Mougeotte, machte beim Sender LCI mehr Angaben über die Flucht der beiden Journalisten. Es habe zwei Möglichkeiten gegeben, Bouvier in Sicherheit zu bringen, so Mougeotte: mit Hilfe des Roten Kreuzes oder mit Hilfe der aus Deserteuren gebildeten Freien Syrischen Armee (FSA). Schließlich seien es die Soldaten der FSA gewesen, die Bouvier über die Grenze gebracht hätten. Zwei weitere Journalisten, die in Homs nach dem Angriff vom 22. Februar eingeschlossen waren, der Brite Paul Conroy und der Spanier Javier Espinosa, waren in den vergangenen Tagen in den Libanon geflohen.

Raketenangriff auf Pressezentrum

Bouvier war in der vergangenen Woche bei einem Raketenangriff auf ein improvisiertes Pressezentrum in dem umkämpften Stadtviertel Baba Amr in Homs verletzt worden. Der dabei ebenfalls verletzte britische Journalist Paul Conroy war bereits vor ihnen von Aktivisten aus der belagerten Stadt in den Libanon gebracht worden. Die für die Londoner "Sunday Times" tätige US-Journalistin Marie Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik überlebten den Angriff jedoch nicht.

Colvin und Ochlik wurden von syrischen Aktivisten im Internet veröffentlichten Videos zufolge auf einem Friedhof in Homs beigesetzt. Die Aktivisten stellten zwei Videos online, auf denen ein Mann erklärt, sie zeigten das jeweilige Begräbnis der Journalisten. Der Mann erklärt darin, die Aktivisten hätten am 27. Februar beschlossen, die beiden Ausländer zu begraben, da ihre Leichen ohne Strom zur Kühlung bereits zu verwesen begonnen hätten.

Der Mann, der sich als Dr. Mohammed Ahmed al-Mohammed bezeichnete, lobte die Arbeit der Journalisten, die illegal nach Syrien eingereist waren, um über den Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu berichten. Eine unabhängige Überprüfung der Informationen war nicht möglich.

Syrische Truppen nehmen Rebellenviertel ein

Die syrischen Truppen, die Homs seit Wochen unter Beschuss genommen hatten, erklärten am Donnerstag, sie hätten das umkämpfte Viertel Baba Amro vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Am Mittwoch hatten sie dort eine Bodenoffensive gestartet. Die Oppositionskräfte zogen sich zurück, weil ihnen Waffen und Munition fehlten, meldete der Sender Al-Arabija. Bei den Kämpfen sollen mindestens 23 Zivilisten und 12 Soldaten getötet worden sein.

Baba Amro stand seit fast einem Monat unter Dauerbeschuss. Das Viertel zählte zu den wichtigsten Zentren des Widerstands. Syrische Aktivisten berichteten von verlustreichen Gefechten zwischen den angreifenden Truppen und Deserteuren der Freien Syrischen Armee.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, 90 Prozent des Rebellenviertels seien in der Hand der Streitkräfte. Die Armee durchsuche das Viertel nach Kämpfern, die noch Widerstand leisten könnten. Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erlaubte das Regime in Damaskus, in Baba Amro Hilfe zu leisten, sobald das Viertel unter völliger Kontrolle der Streitkräfte sei.

Weitere Nachrichten und Links

Opposition gründet Militärrat

Die syrische Opposition, die anfangs als gewaltfreie Bewegung protestiert hatte, setzt im Widerstand gegen das Regime immer stärker auf militärische Gewalt. Der Vorsitzende des Syrischen Nationalrates (SNC), Burhan Ghaliun, sagte vor der Presse in Paris, der SNC habe einen Militärrat gegründet. Sein Ziel sei es jedoch nicht, einen Bürgerkrieg zu führen. Vielmehr wolle man Chaos verhindern.

In Genf verurteilte der UN-Menschenrechtsrat die Angriffe syrischer Regierungstruppen auf Zivilisten scharf und drohte den Befehlshabern mit strafrechtlichen Konsequenzen. Dem Assad-Regime werden unter anderem willkürliche Hinrichtungen, die Tötung von Demonstranten, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten, Folter vorgeworfen. Auch sexuelle Gewalt, die Misshandlung von Kindern sowie die Behinderung medizinischer Hilfe wurden angeprangert.

Der EU-Gipfel in Brüssel zeigte sich "zutiefst besorgt" über der Lage. Im Entwurf der Abschlusserklärung wurden die syrischen Behörden aufgefordert, "sofort die massive Gewalt und die Menschenrechtsverletzungen gegenüber der Zivilbevölkerung zu beenden". Zudem wurde erneut der Rücktritt Assads gefordert.

Der neue Syrien-Sondergesandte von Vereinten Nationen und Arabischer Liga, Kofi Annan, kündigte an, so rasch wie möglich nach Damaskus zu reisen. Ein Termin stand noch nicht fest. Annan sagte in New York, er wisse nicht, ob er den Präsidenten treffen werde. Er wolle versuchen, Assad in eine Lösung des Konflikts einzubinden.

Putin verteidigt russische Haltung zur Lage in Syrien

Unterdessen hat der russische Ministerpräsident Wladimir Putin die Haltung seines Landes zur Lage in Syrien verteidigt und den Westen aufgerufen, die syrische Opposition nicht länger in ihrem Kampf gegen die Regierung in Damaskus zu unterstützen. Sowohl die syrischen Streitkräfte als auch die Kämpfer der Opposition müssten sich aus den Städten zurückziehen, um das Blutvergießen zu beenden, forderte Putin.

Dass der Westen das nicht von der Opposition fordere, habe zur Eskalation beigetragen. Beide Seiten müssten einen Dialog beginnen, forderte Putin. Das werde aber solange nicht der Fall sein, wie der Westen sich auf die Seite der Opposition stelle.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal