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UN: Hinweise auf Massenexekutionen in Homs

Hinweise auf Massenexekutionen in Homs

02.03.2012, 16:05 Uhr | AFP, dpa, dapd

UN: Hinweise auf Massenexekutionen in Homs. Syrien: Ein Mann hilft einem Verletzten in Homs (Quelle: AP/dpa)

Ein Mann hilft einem Verletzten in Homs (Quelle: AP/dpa)

In der syrischen Protesthochburg Homs ist es möglicherweise zu "schrecklichen Massenexekutionen" gekommen. Die Vereinten Nationen hätten Hinweise darauf erhalten. Bislang sind die Berichte unbestätigt. Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad hatten die Stadt wochenlang belagert und am Donnerstag gestürmt. Die Aufständischen zogen sich zunächst zurück.

"Wir sind durch solche Angaben sehr beunruhigt, auch wenn wir sie im Moment nicht verifizieren können", sagte ein Sprecher des UN-Menschenrechtskommissariats. In den Berichten war von Exekutionen unter anderem von 17 Menschen im Stadtteil Baba Amr die Rede. "Es darf Racheakte wie Exekutionen, Folter oder willkürliche Verhaftungen nicht geben", appellierte der Sprecher an das syrische Regime.

Laut UN sind bereits mehr als 7500 Menschen im Syrien-Konflikt getötet worden (Quelle: dpa)Laut UN sind bereits mehr als 7500 Menschen im Syrien-Konflikt getötet worden (Quelle: dpa) Bevor die Armee in den Stadtteil eindrang, konnten sich alle Anführer des Aufstandes nach Angaben der Opposition in Sicherheit bringen. In den Foren der Oppositionellen hieß es am Freitag, Bürgerjournalisten, das medizinische Personal der Behelfsklinik des Viertels und die Deserteure hätten rechtzeitig fliehen können. Unter ihnen sei auch Oberstleutnant Abdul Rasak Tlass, der Kommandeur einer Brigade von Deserteuren.

Zivilisten festgenommen

Eine große Anzahl Zivilisten sei dagegen vom syrischen Geheimdienst festgenommen worden, meldete der Nachrichtensender al-Arabija unter Berufung auf Aktivisten. Den Angaben zufolge kamen die Angehörigen der "Sicherheitsbehörde" zusammen mit Soldaten der regulären Armee in das Viertel Baba Amro, das die Deserteure am Vortag aufgegeben hatten.

Die Aktivisten veröffentlichten zudem zwei Videos, in denen angeblich gezeigt wird, wie die bei einem Angriff auf Baba Amr getötete US-Reporterin Marie Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik am vergangenen Montag nachts in einem Garten beerdigt wurden. Ein Arzt der Behelfsklinik des Viertels, der auch in einem Video mit der verletzten französischen Journalistin Edith Bouvier aufgetaucht war, hält eine Art Grabrede auf die beiden.

Entführung von Rebellenführer verhindert

Derweil hat der türkische Geheimdienst einem Zeitungsbericht zufolge die geplante Entführung ranghoher Militärvertreter der syrischen Opposition verhindert. Eine Frau und ein Mann aus Syrien seien in der Grenzprovinz Hatay als Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes festgenommen worden, berichtete die türkische Zeitung "Sabah".

Ihnen werde vorgeworfen, die Verschleppung von Oberst Riad al-Asaad, dem Kommandeur der Freien Syrischen Armee, sowie weiterer desertierter Offiziere aus dem Flüchtlingslager Apaydin vorbereitet zu haben. Bei den Festgenommenen seien Unterlagen und amtliche Dokumente gefunden worden. Sie sollen demnach wegen Spionage angeklagt werden. Das türkische Außenministerium wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.

Rotes Kreuz schickt Lebensmittel

Inzwischen erreichte ein Hilfskonvoi des Roten Kreuzes mit sieben Lastwagen Homs. Freiwillige Helfer stünden bereit, um notleidende Menschen in dem vorher tagelang umkämpften Viertel Baba Amr zu versorgen, berichtete die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Carla Mardini. Wann die Behörden den Helfern den Zugang zu dem Viertel ermöglichen werden, ist noch unklar.

Ein Sprecher des Roten Kreuzes in Damaskus sagte, die Krankenhäuser in Homs seien gut ausgestattet. Lediglich in den Behelfskliniken, die in Privathäusern eingerichtet wurden, herrsche Mangel. "Wir sind jetzt mit Einwilligung beider Seiten dort", erklärte er. Anhänger der Protestbewegung suchen die staatlichen Krankenhäuser oft nicht auf, weil sie Angst haben, dort getötet oder festgenommen zu werden.

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Französische Botschaft in Syrien geschlossen

Frankreich schließt seine Botschaft in Syrien, teilte Präsident Nicolas Sarkozy mit. Was dort geschehe, sei ein Skandal, sagte er unter Bezug auf das Vorgehen von Sicherheitskräften der Regierung von Präsident Baschar Assad gegen Regimekritiker. Deshalb habe er gemeinsam mit Außenminister Alain Juppé beschlossen, die Botschaft in Damaskus zu schließen, erklärte Sarkozy bei einer Pressekonferenz am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Den Botschafter hatte Frankreich bereits Anfang Februar aus Syrien zurückgezogen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, die Gewalt des Regimes gegen die Zivilbevölkerung sei "völlig inakzeptabel". Die EU werde alles tun, damit diejenigen, "die heute Menschenrechte aufs Schärfste verletzen, in Zukunft auch zur Verantwortung gezogen werden", sagte Merkel nach dem EU-Gipfel in Brüssel.

Die Protestbewegung hatte für diesen Freitag zu Demonstrationen unter dem Slogan "Freitag der Bewaffnung der Freien Syrischen Armee" aufgerufen. Aktivisten veröffentlichten ein Video, das ihren Angaben zufolge zeigt, wie die erste von mehreren Granaten die Teilnehmer einer Anti-Regime-Kundgebung in der Ortschaft Al-Rastan trifft. 16 Menschen seien bei der Kundgebung getötet worden, hieß es. Landesweit zählten die Aktivisten bis zum Nachmittag 37 Todesopfer.

Nach UN-Schätzungen wurden in den vergangenen elf Monaten bereits mehr als 7600 Menschen getötet.

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