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Türkei droht Syrien nach Abschuss eines Kampfjets

Syrien nennt Abschuss eines Kampfjets Versehen

23.06.2012, 19:28 Uhr | dapd

Türkei droht Syrien nach Abschuss eines Kampfjets. Diese Route soll der Kampfjet laut amtlicher syrischer Nachrichtenagentur SANA genommen haben (Quelle: dpa)

Diese Route soll der Kampfjet laut amtlicher syrischer Nachrichtenagentur SANA genommen haben. (Quelle: dpa)

Im Nahen Osten droht nach dem Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch syrische Truppen ein internationaler Konflikt: Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül kündigte an, "notwendige" Schritte gegen Syrien einzuleiten. Syrien bemühte sich bereits, die Wogen zu glätten: Der Abschuss sei ein Versehen gewesen.

Es sei kein feindlicher Akt gegen das Nachbarland gewesen, sagte der syrische Außenministeriumssprecher Dschihad Makdisi dem türkischen Nachrichtensender "A Haber". Syrien habe seine Souveränitätsrechte gegen ein unbekanntes Flugzeug verteidigt, das in seinen Luftraum eingedrungen sei.

Makdisi wurde mit den Worten zitiert, es gebe keine Feindseligkeit gegenüber der Türkei, Syrien habe nicht erkannt, dass das Flugzeug türkisch gewesen sei.

Die Türkei hatte zuvor erklärt, Vergeltungsmaßnahmen gegen Syrien zu erwägen. Arbeitsminister Faruk Celik sagte, die Türkei werde "entweder auf dem diplomatischen Feld reagieren oder andere Arten einer Antwort geben". Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc betonte, die F-4 sei nur auf einem Aufklärungsflug gewesen. Gleichzeitig mahnte er seine Landsleute zu Besonnenheit.

F-4 stürzte ins Meer

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA hatte in der Nacht zum Samstag gemeldet, die Truppen hätten ein unidentifizierbares Objekt in syrischem Luftraum geortet, das in geringer Höhe und mit großer Geschwindigkeit geflogen sei. Nach Abschuss des Objekts habe sich herausgestellt, dass es sich um ein türkisches Militärflugzeug gehandelt habe. Es sei einen Kilometer weit in syrischen Luftraum eingedrungen gewesen. Nach türkischen Angaben wurde die F-4 13 Kilometer vor der syrischen Küstenstadt Latakia abgeschossen und stürzte ins Mittelmeer.

Gül kündigte an: "Es gibt keine Zweifel daran, dass die notwendigen Schritte unternommen werden." Worum es sich dabei handeln könnte, sagte er nicht. "Unsere Ermittlungen werden sich darauf konzentrieren, ob das Flugzeug innerhalb unserer Grenzen abgeschossen wurde oder nicht", sagte der türkische Staatschef. "Weil das ernste Konsequenzen haben könnte, wird es von uns keine Stellungnahme geben, bevor die Details untersucht worden sind."

Bei Hochgeschwindigkeitsflügen sei es allerdings Routine, dass der Luftraum von Nachbarstaaten für kurze Zeit verletzt werden könne, sagte Gül. "Diese Zwischenfälle geschehen nicht in böser Absicht, sie passieren wegen der Geschwindigkeit."

Syrer suchen mit nach vermissten Piloten

Türkische Zeitungen reagierten mit drohenden Schlagzeilen. Syrien spiele mit dem Feuer, titelte "Hürriyet". Bei "Vatan" hieß es, Damaskus werde den Preis für den Abschuss bezahlen.

Arbeitsminister Celik sagte, der Zwischenfall sei inakzeptabel und die Türkei könne ihn nicht schweigend hinnehmen. Vize-Ministerpräsident Arinc mahnte dagegen: "Wir dürfen uns nicht zu provokativen Reden und Taten hinreißen lassen."

Nach den beiden Piloten des Flugzeugs wird noch gesucht. Arinc wies darauf hin, dass die syrische Küstenwache sich an der Suche nach den Piloten und dem Wrack beteilige. Gül sagte, einige Wrackteile seien bereits gefunden worden.

Verbündete mittlerweile heillos zerstritten

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich "in großer Sorge" und forderte genaueste Aufklärung.

Vor Beginn des Aufstands in Syrien im März 2011 galten Ankara und Damaskus als Verbündete, seitdem wurde die Türkei zu einem der schärfsten Kritiker des Regimes von Baschar al-Assad. Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien hat auch die Türkei den Rücktritt Assads gefordert.

In Syrien stößt außerdem die Errichtung von Flüchtlingslagern auf türkischer Seite der Grenze auf Missfallen. Die Regierung in Damaskus wirft der Türkei vor, die syrische Opposition zu unterstützen und Aufständische von ihrem Gebiet aus aktiv werden zu lassen. Die Türkei hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Assad bricht Versprechen bei Regierungsbildung

Assad bildete am Samstag seine Regierung um. Ministerpräsident werde der frühere Landwirtschaftsminister Riad Farid Hidschab, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA. Nach der Parlamentswahl am 7. Mai hatte Assad zugesagt, mehr Politiker anderer Parteien in die Regierung aufzunehmen. Die Nominierung von Hidschab aus Assads Baath-Partei ließ jedoch Zweifel an dem Versprechen aufkommen. Die Leiter der Schlüsselressorts wie das Außen-, Verteidigungs- und Innenministerium wurden bei der Kabinettsumbildung nicht ausgetauscht.

Annan fordert mehr Druck auf Syrien

Der UN-Sondergesandte Kofi Annan forderte angesichts der eskalierenden Gewalt in Syrien erhöhten Druck auf die Konfliktparteien. Er strebe für den 30. Juni in Genf ein Treffen einer sogenannten Kontaktgruppe über die Lage in Syrien an, sagte Annan am Freitag.

"Je länger wir warten, desto düsterer wird Syriens Zukunft sein", erklärte Annan. Einflussreiche Länder müssten daher den Druck verstärken. Vorschläge zur Änderung seines Sechs-Punkte-Plans für Frieden in dem Land legte er jedoch nicht vor.

In einer wichtigen Rolle in den Bemühungen um eine Lösung der Syrien-Krise sieht Annan indes Teheran. Allerdings haben sich die USA bislang vehement gegen eine von Russland geforderte Einbindung Teherans gestemmt.

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