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Zweiter türkischer Jet von Syrien angegriffen

Zweiter türkischer Jet von Syrien angegriffen

26.06.2012, 07:33 Uhr | AFP, dpa

Zweiter türkischer Jet von Syrien angegriffen. Eine Phantom F-4  (Quelle: dapd)

Eine Phantom F-4 (Quelle: dapd)

Die Türkei berichtet, dass Syrien einen weiteren ihrer Jets angegriffen hat. "Das Flugzeug wurde zu Beginn unserer Rettungsaktion für die nach dem Beschuss abgestürzten Piloten (der ersten Maschine) attackiert", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Nun hat Ankara seine Kritik an Damaskus verschärft und droht damit, Syrien den Strom zu kappen.

Der Vorfall sei eine "ernste Bedrohung" für Frieden und Sicherheit in der Region, hieß es in einem Schreiben an die UNO. Nun plant die Türkei, die Attacke als Angriff auf die Nato zu werten. Dann müssten Mitgliedstaaten militärischen Beistand leisten.

Türkei droht mit Strom-Embargo

Vizeregierungschef Bülent Arinç drohte zudem mit einem Strom-Embargo. Ankara werde in den kommenden Tagen entscheiden, ob es Syrien die Stromlieferungen kappe. Nur aus Rücksicht auf die Bevölkerung sei es bislang noch nicht soweit.

Auf Antrag der Türkei kommt die NATO heute zu einer Krisensitzung zusammen. Damaskus warnte die Militärallianz vor einer "Aggression". Ein militärisches Eingreifen in Syrien stehe allerdings nicht zur Debatte, verlautete von NATO- und EU-Diplomaten.

Syrische Streitkräfte hatten am Freitag eine türkische F4-Phantom-Maschine vor der syrischen Küste abgeschossen. Die Außenminister der 27 EU-Staaten verurteilten das Vorgehen Syriens scharf.

Man habe die syrischen Stellen sofort darüber informiert, dass es sich um Rettungsflüge handelte, berichtete das türkische Außenministerium. Die Syrer hätten ihre Angriffe daraufhin eingestellt.

Der türkische Vize-Regierungschef Bulent Arinc betonte am Montag in einem Fernsehauftritt, sein Land habe keine kriegerischen Absichten gegenüber dem Nachbarland. "Wir werden weiterhin mit kühlem Kopf agieren", sagte auch der Ministeriumssprecher. Die Suche nach den vermissten Crewmitgliedern der am Freitag abgeschossenen Maschine gehe weiter.

Westerwelle will Flächenbrand vermeiden

Der Abschuss sei "inakzeptabel", heißt es in einer Erklärung der EU-Minister. Damaskus wurde aufgefordert, bei der Aufklärung des Zwischenfalls umfassend mit der Türkei zusammenzuarbeiten.

"Selbst wenn es eine vorübergehende Verletzung des Luftraums Syriens gegeben haben sollte, so rechtfertigt das einen solchen Abschuss nicht. Das ist unverhältnismäßig", sagte Außenminister Guido Westerwelle. Deutschland beteilige sich nicht an Spekulationen über eine militärische Intervention in Syrien: "Deeskalation ist jetzt das Gebot der Stunde." Es gehe darum, "einen Flächenbrand, einen Stellvertreterkrieg in der Region" zu vermeiden.

Hunderte von Zivilisten eingeschlossen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief den Sicherheitsrat zu Einigkeit und Entschlossenheit im Umgang mit Syrien auf. Dabei erinnerte er an Beispiele mit Kampfeinsätzen. "In Libyen haben internationale Streitkräfte eingegriffen, um eine klare Bedrohung für Zivilisten abzuwenden", sagte Ban vor dem Sicherheitsrat in New York.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte erneut ungehinderten Zugang zu Notleidenden in der umkämpften syrischen Stadt Homs. Die seit Monaten dort eingeschlossenen Zivilisten bräuchten mehr denn je Hilfe, erklärte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger in Genf. In der vergangenen Woche hatten Rotkreuz-Helfer mehrfach vergeblich versucht, in Stadtgebiete von Homs zu gelangen, in denen Hunderte Zivilisten eingeschlossen sind, unter ihnen viele Verwundete und Kranke.

General setzt sich in Türkei ab

Indes setzten sich ein General und zwei Oberste der syrischen Armee in die Türkei ab. Die drei Offiziere waren in einer Gruppe von 33 Deserteuren, die mit ihren Familien die Türkei erreichen konnten, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Ihnen wurden Plätze in einem Flüchtlingslager in der südlichen türkischen Provinz Hatay zugewiesen.

Bei Gewalthandlungen wurden am Montag in Syrien binnen weniger Stunden wieder mindestens 20 Menschen getötet, wie Aktivisten berichteten. Am Sonntag kamen nach diesen Angaben 64 Menschen ums Leben. Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad beschossen am Montag die Damaskus-Vorstadt Duma, Homs und Wohngebiete in der nordöstlichen Provinz Deir as-Saur. Aus Duma setzte nach Oppositionsangaben eine Fluchtwelle von Zivilisten ein.

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