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Hochwasser Fischbeck: Menschen werden vor Flut in Sicherheit gebracht

Rettung von Fischbeck "nicht mehr möglich"

12.06.2013, 11:18 Uhr | dpa

Hochwasser Fischbeck: Menschen werden vor Flut in Sicherheit gebracht. Hochwasser in Fischbeck und Schönhausen in Sachsen-Anhalt (Quelle: dpa)

Fischbeck und Schönhausen in Sachsen-Anhalt sind überflutet (Quelle: dpa)

Das Hochwasser wälzt sich weiter durch Ost- und Norddeutschland. Mancherorts sind Zeichen der Entspannung in Sicht, in Sachsen-Anhalt wurden jedoch erneut Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht. In Schleswig-Holstein blicken die Menschen gebannt auf die Elbe.

Im von den Fluten bedrohten Ort Lauenburg sowie in Hitzacker in Niedersachsen will sich im Laufe des Tages Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Lage informieren.

Ort wird aufgegeben

Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden am späten Dienstagabend rund 150 Menschen in Sicherheit gebracht. Grund war der bereits gebrochene Deich bei Fischbeck, teilte der Krisenstab der Landesregierung mit. "Nach längeren Versuchen, den Ort zur retten, war dies nicht mehr möglich", sagte eine Sprecherin. Helfer wären sonst selbst in Gefahr geraten.

An der Bruchstelle des Deichs sei die Situation jedoch weitgehend stabilisiert. Die Bundeswehr hatte aus der Luft große Sandsäcke abgeworfen; es fließe mittlerweile weniger Wasser durch die Bruchstelle. Nach wie vor verteilen sich jedoch gigantische Wassermassen im Hinterland.

Weitere Orte bei Fischbeck werden evakuiert

Offenbar müssen nun noch weitere überflutete Orte evakuiert werden. Wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte, ist die Lage in der Region in einigen Orten dramatisch.

Schon in der Nacht wurden die Bewohner von Wust bei Fischbeck aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Wegen des Hochwassers war die Lebens-Rettungs-Gesellschaft mit Booten vor Ort, um die Einwohner zu retten.

Am Morgen wurden auch die Menschen in Klietz und Kamern aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es bestehe Lebensgefahr. Nach einer Schätzung könnten sich jedoch noch rund 200 Menschen in den drei Orten befinden.

In Magdeburg entspannte sich die Lage, die Pegelstände sanken weiter.

Mann stirbt an Stromschlag in überschwemmtem Keller

Derweil kam ebenfalls in Sachsen-Anhalt ein Mann ums Leben: Beim Auspumpen eines überschwemmten Kellers in Aken wurde ein 61-jähriger in der Nacht zum Mittwoch durch einen Stromschlag getötet, wie die Polizei in Halle mitteilte.

Der Mann wollte seinen Keller auspumpen, der bei der Flut vollgelaufen war. Den Stromschlag habe er bei Arbeiten an einer elektrischen Anlage bekommen.

Seine Ehefrau erlitt einen Schock und kam ins Krankenhaus. In den vergangenen Tagen hatte es im Zusammenhang mit dem Hochwasser in Deutschland bereits mehrere Tote gegeben, drei davon in Sachsen-Anhalt.

Angespannte Lage in Lauenburg

In Lauenburg in Schleswig-Holstein war die Lage nach wie vor angespannt. Teilweise stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch in den Straßen. Man hoffe, dass der Scheitelpunkt des Hochwasser demnächst erreicht sei, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Im Laufe des Tages soll laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Pegel Hohnstorf ein Höchststand von 9,55 Metern erreicht werden.

Auch Niedersachsen kämpft weiter gegen die Elbeflut. Die Einsatzkräfte müssen die Deiche gegen die Wassermassen verteidigen. Tausende von Helfern sind im Einsatz. Das Wasser soll nach Einschätzung der Katastrophenstäbe aber nicht mehr weiter steigen. Doch schwimmende Bäume und Äste bedrohen die Deiche, in Hitzacker auch die dünne Spundwand, die die Altstadt sichern soll. Rund 50 Tonnen Treibgut holten die Einsatzkräfte nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg in den vergangenen Tagen aus der Elbe. Zudem steigt die Gefahr, dass die Deiche durchweichen.

Wasser sickert durch die Deiche

In Mecklenburg-Vorpommern sind mehr als 3000 Einsatzkräfte und Helfer in der Region um Dömitz und Boizenburg im Einsatz. Die Pegelstände blieben in der Nacht zum Mittwoch weitgehend stabil bei etwa 7,18 Metern in Dömitz und 7,32 in Boizenburg. Normal sind rund zwei Meter. An vielen Stellen sickert bereits Wasser durch die Deiche. Wie der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Rolf Christiansen (SPD), mitteilte, sind die Stellen aber noch unproblematisch.

Brandenburg scheint beim Hochwasser glimpflich davonzukommen. Wegen des gebrochenen Deichs bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt war im Havelland ein rund 3,5 Kilometer Notdeich errichtet worden. "Die Lage sieht stabil aus", sagte ein Sprecher der Koordinierungsstelle Katastrophenmanagement. Der Notdeich werde wohl nicht unter Druck geraten. Im Süden des Landes haben unterdessen die Aufräumarbeiten begonnen.

Kauder schlägt Spenden-Sendung vor

Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte ARD und ZDF auf, im Rahmen einer Spendengala Geld für die Flutopfer in Deutschland zu sammeln. Der "Bild"-Zeitung sagte Kauder: "ARD und ZDF sollten sich überlegen, ob sie nicht zur Linderung der Schäden durch die Flut eine extra Spenden-Gala veranstalten." Die Sendung könnte gut auf die Möglichkeiten zum Spenden hinweisen. Kauder erinnerte an die Erfahrungen mit der Flut von 2002. Damals sei eine solche Sendung ein voller Erfolg gewesen.

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