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NSU-Prozess: Was weiß Zschäpes Brieffreund?

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Was weiß Zschäpes Brieffreund?

15.06.2013, 16:40 Uhr | dpa, t-online.de

NSU-Prozess: Was weiß Zschäpes Brieffreund?. Im NSU-Prozess verweigert Beate Zschäpe jede Aussage, ein persönlicher Brief könnte Licht ins Dunkel bringen (Quelle: dpa)

Im NSU-Prozess verweigert Beate Zschäpe jede Aussage, ein persönlicher Brief könnte Licht ins Dunkel bringen (Quelle: dpa)

Vor Gericht schweigt Beate Zschäpe beharrlich, hinter Gittern ist die Hauptangeklagte des NSU-Prozesses mitteilungsfreudiger. Einem rechtsextremen Brieffreund schrieb sie möglicherweise geheime Nazi-Botschaften. Die Nebenkläger verlangen, einen Dutzende Seiten langen Brief in das Verfahren einzuführen.

Rechtsanwalt Sebastian Scharmer äußerte die Vermutung, dass Zschäpe politische Codes verborgen haben könnte. "Plötzlich schreibt sie darüber, dass man bei 18 Grad nicht frieren wolle. Das ergibt an dieser Stelle keinen Sinn." Die Zahl 18 wird in der Szene oft als Synonym für Adolf Hitler verwandt, weil A der erste und H der achte Buchstabe im Alphabet ist.

Nächster Fauxpas des Gerichts

Scharmers Kollege Jens Rabe betonte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "So ein Brief kann die Persönlichkeit der Angeklagten aufhellen." Der handschriftliche Brief war bei der Kontrolle von Zschäpes Post nicht beanstandet worden. Und das die Verhandlung führende Oberlandesgericht München erlaubte sich nach scharf kritisierter Vorbereitung den nächsten Fauxpas, indem es die teilweise sehr persönlichen Zeilen offenbar für irrelevant hielt.

Tatsächlich beschäftigte sich die 38-Jährige wohl nur am Rande mit ihrer Rolle als Angeklagte. Nach Informationen von "Spiegel Online" äußert Zschäpe Kritik an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Er habe sie während eines Fernsehauftritts "vom Mitglied zur Mitbegründerin einer terroristischen Vereinigung hochgestuft".

Beschlagnahmt wurde das Schreiben erst in der Gefängniszelle des Dortmunder Neonazis, mit dem sich Zschäpe austauscht. In Bielefeld verbüßt der Mann zurzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung. Laut SWR gehörte er der verbotenen "Hilfsorganisation Nationaler Gefangener" an.

Grandioser Ausblick

Im fraglichen Brief schildert Zschäpe, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet wird, auch ihre Vorführung beim Haftrichter des Bundesgerichtshofes. Wie die "Süddeutsche" schreibt, schwärmte die mutmaßliche Rechtsterroristin davon, wie sie mit dem Hubschrauber von Zwickau nach Karlsruhe zum Ermittlungsrichter geflogen wurde. Der Ausblick sei grandios gewesen, sie habe die weihnachtliche Stimmung genossen.

Der Beweis, dass die 38-Jährige das Geschehen um sie herum auf eigene Weise reflektiert, während sie jede Aussage verweigert: ob nun aus taktischen oder ideologischen Gründen. Die Münchner Anwältin Angelika Lex regte an, Zschäpes Brieffreund als Zeugen zu laden.

Bislang hat vor allem der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte Carsten S. Licht ins Dunkel gebracht und Zschäpe ein Stück weit entlastet. So berichtete er von einem Gespräch zwischen den mutmaßlichen Nazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, bei dem es möglicherweise um einen geplanten Anschlag in Nürnberg ging. Zschäpe sollte davon aber nichts mitbekommen.

Aufgrund der Anklage gilt sie als Mittäterin bei den Morden an neun Kleinunternehmern, einer Polizistin und dem Nagelbombenanschlag von Köln (2004), bei dem 22 Passanten teils lebensgefährlich verletzt wurden.


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