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Stiller Protest in Istanbul: Türkei geht Tränengas aus

Türkei geht Tränengas aus

19.06.2013, 17:58 Uhr | dpa

Stiller Protest in Istanbul: Türkei geht Tränengas aus . Türkei, Demonstrationen, Tränengas (Quelle: Reuters)

Polizisten haben während der Demonstrationen gegen die Erdogan-Regierung in der Türkei Unmengen an Tränengas verschossen (Quelle: Reuters)

Schwaden von Tränengas waberten tagelang über den Istanbuler Taksim-Platz und durch den angrenzenden Gezi-Park. Die Polizei ging mit außergewöhnlicher Härte gegen die regierungskritischen Demonstranten vor. Jetzt geht der Türkei das Tränengas aus.

Bei den Demonstrationen der vergangenen drei Wochen hat die Polizei 130.000 Patronen mit Reizgas verschossen, wie die türkische Zeitung "Milliyet" berichtet. Es sei nun geplant, kurzfristig 100.000 Patronen Tränengas und Pfefferspray zu beschaffen, um die Bestände aufzufüllen. Zudem wolle die Regierung 60 zusätzliche Wasserwerfer besorgen.

Der massive Einsatz von Tränengas gegen Demonstranten ist international als unverhältnismäßig kritisiert worden. Zudem wird verurteilt, die Polizei habe gezielt und auf kurze Distanz direkt auf Demonstranten geschossen und Tränengasgewehre damit praktisch wie scharfe Waffen eingesetzt.

Tränengaseinsatz in Westanatolien

In der westanatolischen Stadt Eskisehir ging die Polizei am frühen Mittwoch mit Wasserwerfern und Tränengas gegen weitere Proteste vor, berichteten Aktivisten.

Die Polizei habe von Demonstranten errichtete Barrikaden geräumt und ihre Wasserwerfer auch auf Wohnungen gerichtet, in die sich Demonstranten geflüchtet hätten. In der etwa 600.000 Einwohner zählenden Stadt gab es in den vergangenen Wochen mehrfach Demonstrationen gegen die Regierung.

Immer mehr Menschen protestieren still

Unterdessen greift in Istanbul der stille Protest gegen die Regierung des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan um sich. Inzwischen nutzen immer mehr Menschen die neue Form des Protests: Sie stehen stundenlang einfach nur still.

Auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul waren bis in die Nacht mehrere hundert schweigende Menschen versammelt, wie Augenzeugen sagten. Sie protestierten gegen die aus ihrer Sicht autoritäre Regierung und die Polizeigewalt der vergangenen Tage.

"Stehender Mann" initiiert neue Protestform

Am Mittwoch standen weiter einige Menschen aus Protest still. Ein türkischer Choreograph hatte in der Nacht zum Dienstag als "Stehender Mann" stundenlang auf dem Taksim-Platz verharrt und damit die neue Protestform initiiert.

Die landesweite Protestwelle hatte sich an der brutalen Räumung eines Camps von Demonstranten im Gezi-Park in unmittelbarer Nachbarschaft des Taksim-Platzes entzündet, das am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal geräumt wurde. Die Regierung plant dort den Nachbau einer osmanischen Kaserne mit Wohnungen, Geschäften oder einem Museum.

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