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Ägypten: Gegner und Anhänger von Mohammed Mursi bekämpfen sich weiter

"Sie schießen auf uns, die Hundesöhne"

06.07.2013, 18:37 Uhr | dpa, AFP

Ägypten: Gegner und Anhänger von Mohammed Mursi bekämpfen sich weiter. Kairo: Blutige Straßenkämpfe auf des "Brücke des 6. Oktober" nahe des Tahrir-Platzes. (Quelle: AP/dpa)

Kairo: Blutige Straßenkämpfe auf des "Brücke des 6. Oktober" nahe des Tahrir-Platzes. (Quelle: AP/dpa)

Offener Machtkampf am Nil: Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi liefern sich Anhänger und Gegner des Islamisten blutige Straßenschlachten mit vielen Toten und Verletzten. Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes mindestens 36 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden verletzt.

Der vom Militär ernannte vorläufige Nachfolger Mursis, Adli Mansur, zog derweil in den Präsidentenpalast im Kairoer Außenbezirk Heliopolis ein. Mursis Anhänger wollen nach eigenem Bekunden so lange mobil machen, bis ihr gestürzter Präsident wieder im Amt ist. Die USA verurteilten die Gewalt, während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor "Vergeltungstaten" auf beiden Seiten warnte.

Allein in der nördlichen Stadt Alexandria wurden laut Staatsmedien mindestens zwölf Menschen getötet. Rund 460 weitere seien bei Straßenschlachten verletzt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Mena in der Nacht.

Armee drängt Moslembrüder zurück

In der Hauptstadt Kairo stießen Anhänger beider Lager auf einer Brücke in der Nähe des Tahrir-Platzes zusammen. Beide Seiten bewarfen sich mit Feuerwerkskörpern und Pflastersteinen. Einige Männer trugen Helme und behelfsmäßige Schilde. Am Rande des Tahrir-Platzes waren Schüsse zu hören. Auf der Brücke brannte ein Auto. Krankenwagen brachten Verletzte ins Krankenhaus.

"Sie schießen auf uns, die Hundesöhne, wo ist die Armee?", schrie einer der Mursi-Gegner, während ein anderer von Ärzten versorgt wurde; die Jeans des Mannes war blutgetränkt.

Die Lage beruhigte sich vorerst, als die Armee beide Seiten mit gepanzerten Fahrzeugen trennte. CNN berichtete allerdings, auf den Panzerwagen seien auch Mursi-Gegner gesessen. Die Mursi-Anhänger hätten sich daraufhin zurückgezogen

Vier Mursi-Anhänger wurden nach offiziellen Angaben vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garde getötet, als Demonstranten versuchten, Porträts des islamistischen Ex-Präsidenten dort aufzuhängen. Auch Mursi soll dort im Offiziersclub inhaftiert sein.

Zuvor hatte der Chef der Moslembrüder, Mohammed Badie, bei einer Massenkundgebung in einer Brandrede zum Protest aufgerufen.

Islamisten stürmen Gouverneurs-Palast auf dem Sinai

Badies Stellvertreter Chairat al-Schater wurde im Osten Kairos festgenommen, wie ein Vertreter des Innenministeriums sagte. Gegen Al-Schater und Badie lag ein Haftbefehl vor. Sie sollen die tödlichen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern Mursis am Sonntag vor dem Hauptsitz der Moslembrüder in Kairo provoziert haben.

Auf der Sinai-Halbinsel verübten Islamisten mehrere Angriffe auf die regulären Streitkräfte. Vor einem Regierungsgebäude in Al-Arisch wurden fünf Polizisten erschossen. Bei Attacken auf Sicherheitskräfte und die Polizei wurde ein Soldat getötet. Als Reaktion schloss die Armee den Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen.

Auch im Norden des Sinai entglitt den Behörden die Kontrolle. Hunderte Islamisten stürmten in der Nacht zum Samstag den Sitz des Gouverneurs in Al-Arisch. Dutzende von ihnen hielten das Gebäude auch am Tag danach noch besetzt. Bewaffnete Extremisten erschossen in der Stadt einen koptisch-orthodoxen Priester. In der Nähe der oberägyptischen Stadt Luxor starben bei religiös motivierten Zusammenstößen vier Christen und ein Muslim. 

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