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"Edward Snowden sieht aus wie ein Schulkind": Aktivistin trifft Snowden

Aktivistin: "Snowden sieht aus wie ein Schulkind"

13.07.2013, 17:29 Uhr | Spiegel Online

"Edward Snowden sieht aus wie ein Schulkind": Aktivistin trifft Snowden. Edward Snowden bei der Pressekonferenz im Moskauer Flughafen. (Quelle: Reuters)

Edward Snowden bei der Pressekonferenz im Moskauer Flughafen. (Quelle: Reuters)

Die Menschenrechtsaktivistin Tatjana Lokschina traf Edward Snowden am Moskauer Flughafen. In einem Bericht, den sie anschließend schrieb, schildert sie das Gespräch mit dem Flüchtling - und ihre ganz persönlichen Eindrücke des "meistgesuchten Mannes der Welt".

Schon bei der Einladung habe sie "den Hauch eines Agententhrillers aus der Zeit des Kalten Krieges" gespürt, berichtet Tatjana Lokschina. Die Russin ist Funktionärin bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und gehörte zu den wenigen Auserwählten, die am Moskauer Flughafen den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden treffen durften. In der Nacht nach dem Treffen fasste sie auf der Internetseite der Organisation ihre ganz persönlichen Eindrücke zusammen.

"Der meistgesuchte Mann der Welt will mich treffen"

Lokschina beschreibt Snowden mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Verwunderung: "Das Erste, was ich dachte, war, wie jung er aussieht - wie ein Schulkind."

Snowden hatte ein riesiges Spähprogramm des US-Geheimdienstes NSA öffentlich gemacht und ist seither auf der Flucht vor der US-Justiz. Seit etwa drei Wochen hält er sich offenbar im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf.

Zuerst habe sie die E-Mail mit der Einladung für einen Scherz gehalten, berichtet Lokschina. Selbst als die Medien bei ihr anriefen, sei sie noch skeptisch gewesen. Erst als sich die Sicherheitsfirma des Flughafens meldete und nach ihrer Ausweisnummer fragte, sei ihr bewusst geworden: "Der meistgesuchte Mann der Welt will mich treffen."

Russland nur eine vorübergehende Station

Noch auf dem Weg zum Flughafen habe sie einen Anruf der amerikanischen Botschaft bekommen. "Ob ich die Position der USA verstanden hätte, dass Snowden kein Verteidiger der Menschenrechte sei, sondern ein Gesetzesbrecher der zur Verantwortung gezogen werden müsse." Sie solle Snowden die US-Position überbringen - und habe dies auch getan. "Ich war nur fair, ihn über den Anruf zu informieren."

Bei dem einstündigen Treffen habe Snowden zuerst eine Stellungnahme verlesen, dann hätten die Gäste Fragen stellen können. "Er sagte, wir sollten die USA und europäische Staaten ersuchen, seine Schritte nicht zu behindern", schreibt Lokschina. Unter den gegebenen Umständen habe er keine andere Wahl, als einen Asylantrag in Russland zu stellen. Seine Lebensbedingungen seien in Ordnung und er sei bei guter Gesundheit - aber er könne nicht ewig auf dem Flughafen bleiben. Wiederholt habe er deshalb gesagt, dass er eigentlich nach Südamerika ausreisen wolle. "Russland sei nur eine vorübergehende Station", berichtet Lokschina.

"Ich habe immer noch nichts gefrühstückt"

Das dürfte auch dem russischen Präsidenten am liebsten sein. Wladimir Putin hat Snowden zwar Asyl angeboten, käme aber in die Bredouille, wenn Snowden tatsächlich offiziell anerkannt würde. Die USA machen mächtig Druck - am Freitagabend schaltete sich sogar Präsident Barack Obama persönlich in den Streit ein und legte Putin telefonisch seine Argumente dar.

Selbst wenn Snowden bald aus Moskau verschwinden sollte, Aktivistin Lokschina dürfte die Begegnung mit ihm nie vergessen. "Es ist jetzt Mitternacht in Moskau", schrieb sie am Ende ihres Berichts, "und ich habe immer noch nichts gefrühstückt."

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