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Gewalt holt ägyptisches Urlaubsparadies ein

Ein Toter in Hurghada  

Gewalt holt ägyptisches Urlaubsparadies ein

15.08.2013, 14:12 Uhr | rtr, dpa, AFP, AP

Gewalt holt ägyptisches Urlaubsparadies ein. Viele Deutsche entspannen gerne am Roten Meer, doch mit der Ruhe dort könnte es nun vorbei sein (Quelle: imago)

Viele Deutsche entspannen gerne am Roten Meer, doch mit der Ruhe dort könnte es nun vorbei sein (Quelle: imago)

Die Gewalt in Ägypten holt nun auch das Touristenparadies an der Küste des Roten Meeres ein, das bislang von den blutigen Unruhen verschont blieb. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei im Badeort Hurghada kam in der Nacht zum Donnerstag ein Moslembruder ums Leben. Das verlautete aus Sicherheitskreisen.

Unabhängig davon hat das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise erneut verschärft. "Für Kairo steht zu befürchten, dass sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert", erklärte das Außenministerium. Im ganzen Land sei weiter mit Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des am 3. Juli gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi und Einsätzen der Sicherheitskräfte zu rechnen. Die könnten immer wieder in Gewaltausbrüchen enden.

Von Reisen ins Land wird abgeraten

Nachdem am Mittwoch mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte die Übergangsregierung den Notstand verhängt. Die nächtliche Ausgangssperre gelte in etlichen Ballungsräumen, bisher aber nicht am Roten Meer und auf den Urlaubszentren auf dem Sinai.

Reisenden werde dringend empfohlen, sich über Einzelheiten zu informieren, oder besser noch, von einem Besuch des Landes ganz abzusehen.

Westerwelle bestellt Botschafter ein

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) berief den Krisenstab des Auswärtigen Amts ein und forderte bei einem Besuch in Tunesien: "Das Blutvergießen muss beendet werden, und zwar durch Gespräche und Verhandlungen." Westerwelle ließ auch den ägyptischen Botschafter einbestellen.

Die Moslembrüder haben indes angekündigt, am Freitag erneut zu protestieren. Auch nachdem ihre Lager gewaltsam geräumt wurden, ist mit Widerstand zu rechnen, der inzwischen weit über Kairo hinausreicht. Das ägyptische Nachrichtenportal youm7 berichtete, Sicherheitskräfte befürchteten eine neue Welle der Gewalt.

Kein Bekenntnis zu Attacken auf Kirchen

Für die Attacken gegen Kirchen und Polizeistationen durch Sympathisanten übernahmen die Moslembrüder keine Verantwortung. Ihr Sprecher Gehad al-Haddad erklärte über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Wir werden immer gewaltfrei und friedlich sein. Wir werden so lange Druck machen, bis wir diesen Militärputsch zu Fall bringen."

Nach Angaben staatlicher Medien war nach Mitternacht in den meisten Landesteilen langsam Ruhe eingekehrt. Das Fernsehen berichtete allerdings von zwei Polizisten, die vor einer Polizeiwache in Al-Arisch auf dem Sinai getötet worden seien. In Alexandria blockierten Mursi-Anhänger mehrere Straßen und zündeten Straßenbahnwaggons an, wie es hieß.

Mindestens 522 Todesopfer

Wie viele Menschen tatsächlich bei den Kämpfen um die Räumung islamistischer Protestlager getötet worden waren, ist noch unklar. Nach offiziellen Angaben starben landesweit 522 Menschen, die Muslimbrüder gehen von deutlich mehr Todesopfern aus. Ihr Sprecher Ahmed Aref schätzte die Zahl der Toten auf 2600.

Unter den Todesopfern waren auch vier Journalisten und 43 Sicherheitskräfte. Mehr als 3000 Menschen seien verletzt worden, berichteten arabische Medien.

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