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Islamisten setzen Gouverneurssitz bei Kairo in Brand

Spirale der Gewalt in Ägypten  

Islamisten rufen zum "Freitag der Wut" auf

15.08.2013, 21:39 Uhr | AFP , rtr , dpa

Islamisten setzen Gouverneurssitz bei Kairo in Brand. Machtkampf und Gewalt in Ägypten

Nur Rauch, Feuer und Trümmer künden von einem der ehemaligen Protest-Camp der Muslimbrüder in Kairo

Gibt es noch eine Steigerung der Gewalt? Seit Mittwoch, dem Beginn der Räumung der Camps der Muslimbruderschaft, kamen in Ägypten mehr als 530 Menschen ums Leben. Nun steht der "Freitag der Wut" an, zu dem die Islamisten am Nil aufgerufen haben.

Zu friedlichen Protesten unter diesem Motto haben sowohl die Anhänger der radikalen Islamisten-Vereinigung Dschihad aufgerufen als auch die Muslimbrüder, die den abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi unterstützen. Es könne aber niemand garantieren, dass es dabei nicht zu Gewalt und Brandanschlägen kommen kann, sagte der Generalsekretär der von der Vereinigung gegründeten Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra, dem Nachrichtenportal der Kairoer Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm". Er hoffe immer noch "auf die Verwirklichung der großen islamischen Revolution".

Am Donnerstag hatten sich die Auseinandersetzungen der verfeindeten Lager in einer Attacke auf ein Regierungsgebäude entladen: Hunderte islamistische Demonstranten stürmten den Dienstsitz des Gouverneurs der zum Großraum Kairo gehörenden Provinz Gizeh und steckten ihn in Brand.

Das berichteten Augenzeugen und das staatliche Fernsehen. Sicherheitskreise vermeldeten zudem, dass zwei Polizisten bei Angriffen auf Polizeigebäude in den Städten Al-Arisch und Assiut getötet worden seien.

Bedrohliche Ruhe am Roten Meer

Die meisten der bislang 530 Todesopfer und die meisten der fast 4000 Verletzten hatte es allerdings am Mittwoch gegeben. Nachdem die ägyptische Übergangsregierung für einen Monat den Notstand erklärt und damit eine nächtlichen Ausgangssperre verhängt hatte, war es im Vergleich dazu am Donnerstag zwar eher ruhig geblieben, gleichwohl gab es weiter tödliche Auseinsandersetzungen. Am Freitag ist nach den Ankündigungen der Muslimbruderschaft und der Islamisten jedoch wieder mit massiven Protesten und vermehrter Gewalt zu rechnen.

Deutschland zeigte sich tief bestürzt. "Mit Blick auf den muslimischen Freitag und weiteren Demonstrationen von Anhängern der Moslembrüder wird nochmals zu erhöhter Vorsicht geraten", hieß es am Donnerstag auf der Internetseite des Auswärtigen Amts. US-Präsident Barack Obama hat ein traditionelles Manöver der Streitkräfte beider Länder abgesagt. Ägypten sei auf einem "gefährlichen Weg".

Die Ferienorte an der Küste des Roten Meeres blieben von Gewalt zwar bislang verschont. Im Badeort Hurghada starb allerdings ein Anhänger der Muslimbruderschaft bei Zusammenstößen. Dem Reisekonzern Tui zufolge müssen Urlauber bisher zwar kaum mit Einschränkungen rechnen, dennoch sinkt die Nachfrage nach Reisen in das Land nach Branchenangaben spürbar.

Richter verlängert Mursis Haft

Anhänger des am 3. Juli gestürzten Präsidenten Mursi, aus ihrer Sicht das Opfer eines Militärputsch, fordern die Wiedereinsetzung des umstrittenen Führers. Der wurde geschasst, weil er eine radikale Islamisierung forciert haben soll.

Ein Untersuchungsrichter hat Mursis Untersuchungshaft inzwischen um 30 Tage verlängert. Dies berichtete die ägyptische Nachrichtenagentur Middle East News Agency. Mursi wird an einem geheimen Ort festgehalten.

Das ägyptische Nachrichtenportal youm7 berichtete nun, die Sicherheitskräfte befürchteten "eine neue Welle der Gewalt". Irene Weipert-Fenner von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung beurteilte die Lage im Gespräch mit t-online ähnlich. "Ich denke, dass wir leider noch öfter Straßenkämpfe sehen werden."

Angriffe auf Kirchen

Am Mittwoch hatte die Polizei bei der gewaltsamen Räumung der beiden Kairoer Protestlager zunächst Tränengas eingesetzt. Die Islamisten gingen mit Steinen und Flaschen auf Sicherheitskräfte los, später wurde von beiden Seiten scharf geschossen.

Die Gewalt griff rasch auf andere Teile des Landes über. Mursi-Anhänger sollen landesweit 21 Polizeistationen gestürmt haben. Zudem sollen sieben christliche Kirchen beschädigt oder in Brand gesetzt worden sein. Die Muslimbrüder distanzierten sich von diesen Angriffen.

Keine Alternative zur Räumung?

Nicht überall wurde die nächtliche Ausgangssperre beachtet. In Alexandria hätten Mursi-Anhänger mehrere Straßen blockiert und Straßenbahnwaggons angezündet, hieß es. Auch am Donnerstag gab es dort wieder Protestmärsche.

Übergangs-Ministerpräsident Hasem al-Beblawi sagte am Abend im Staatsfernsehen, es habe keine Alternative zu der Räumung der Camps gegeben. Der Staat sei zum Handeln gezwungen gewesen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Unabhängige Experten bezweifeln indes, dass die Räumung alternativlos war. "Man wusste, dass das auf eine Eskalation hinausläuft. Und es wurde relativ schnell scharf geschossen. also man kann nicht vom Versuch der friedlichen Auflösung der Proteste sprechen. ", sagte Irene Weipert-Fenner.

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