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Syrien: So sieht Deutschlands "militärischer" Werkzeugkasten aus

Einsatz gegen Syrien?  

So sieht Deutschlands "militärischer" Werkzeugkasten aus

28.08.2013, 07:17 Uhr | dpa, rtr, t-online.de

Syrien: So sieht Deutschlands "militärischer" Werkzeugkasten aus. Tornado-Kampfjets stellen das aggressivste Element dar, das Deutschland für einen Einsatz gegen Syrien beisteuern könnte  (Quelle: dpa)

Tornado-Kampfjets stellen das aggressivste Element dar, das Deutschland für einen Einsatz gegen Syrien beisteuern könnte (Quelle: dpa)

Während sich die USA und Großbritannien auf einen Angriff gegen Syriens Regime vorbereiten, ist nun auch Deutschland zu "Konsequenzen" bereit, falls die Giftgasvorwürfe gegen Machthaber Baschar al-Assad bewiesen werden. Das Weiße Haus hat das Regime inzwischen für "verantwortlich" erklärt. Das Bundesverteidigungsministerium verweist für Fälle wie die Syrien-Frage auf einen "militärischen Werkzeugkasten"

Was könnte in diesem Kasten stecken? Die Antwort ist nicht einfach, weil sich im Moment noch alles sehr im Bereich der Spekulation bewegt. Nach Informationen der "Washington Post" erwägt US-Präsident Barack Obama eine begrenzte Aktion von wenigen Tagen. Demzufolge würden die USA Marschflugkörper von Kriegsschiffen abfeuern, die jetzt schon im Mittelmeer kreuzen, oder Langstreckenbomber einsetzen.

Solidarität beweisen

Auf deutsche Hilfe wären die Amerikaner dann nicht unbedingt angewiesen. Die Bundesregierung hätte aber möglicherweise ein eigenes Interesse daran, dabei zu sein, damit der Vorwurf der fehlenden Bündnissolidarität - wie beim Libyen-Einsatz - nicht wieder aufkommt.

Damals richteten sich die Begehrlichkeiten vor allem auf die deutschen ECR-Tornado-Kampfjets, die darauf spezialisiert sind, die Radarstellungen der feindlichen Luftabwehr auszuschalten. Weltweit gibt es nur wenige Flugzeuge mit dieser Fähigkeit. Zum Einsatz kamen die deutschen Spezial-Tornados 1999 im Kosovo-Krieg gegen die serbische Luftverteidigung. Der Einsatz unter dem Dach der NATO könnte ein Vorbild für eine internationale Mission in Syrien sein, da es auch damals wegen des russischen Widerstands kein UN-Mandat gab. Nun blockiert Moskau wieder.

Bundeswehr ist schon im Grenzgebiet eingesetzt

Heute schon sind an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei annähernd 300 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz. Gemeinsam mit Einheiten aus den USA und den Niederlanden überwachen sie mit der "Patriot"-Raketenabwehr den syrischen Luftraum. Bislang hat die Zuspitzung des Konflikts keine Folgen. Sicherheitslage und Auftrag hätten sich nicht geändert, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam.

Eine direkte Beteiligung der Bundeswehr gilt bisher zwar als unwahrscheinlich, wäre aber wie bei den Luftangriffen im Kosovo immerhin denkbar. Sollten es die USA nicht bei einem auf wenige Tage beschränkten Bombardement syrischer Ziele mit Marschflugkörpern belassen, sondern einen umfassenderen Angriff starten, könnten die Türkei und die dort stationierten deutschen Truppen in den Konflikt hineingezogen werden.

Aufklärungsflugzeuge und -boote

Falls es zu einem Einsatz unter NATO-Kommando kommt, könnten zur Aufklärung auch die Awacs-Flugzeuge benutzt werden, deren Besatzung zu einem Drittel aus deutschen Soldaten besteht. Die Maschinen sind im deutschen Geilenkirchen stationiert. Sie dienen als fliegende Radarstationen und erfassen alle Luftfahrzeuge in einem Umkreis von mehr als 400 Kilometern.

Außerdem betreibt die Bundeswehr Flottendienstboote mit ausgefeilter Abhörtechnik, die den Funk- und Handyverkehr weit bis in das Festland abhören können. Die Boote dürften ihre Antennen ohnehin auf die Syrer gerichtet haben: Sie waren zuletzt im "östlichen Mittelmeer" im Einsatz, heißt es von Seiten der Bundeswehr. Zudem verfügt die Bundeswehr über Tankflugzeuge, die Kampfjets und Bomber im Flug betanken können. Auch Start- und Überfluggenehmigungen für US-Flugzeuge könnten Thema werden.

Spekuliert wird ferner über die Entsendung von ABC-Fahrzeugen zum Einsatz gegen atomare, biologische und chemische Kampfmittel in Nachbarländern. Allerdings gibt es im Moment kein Szenario, das dies erforderlich machen würde. Die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien schließt nicht nur Deutschland kategorisch aus. Frankreichs Präsident François Hollande kündigte an, sein Land sei bereit jene zu "bestrafen", die für die Chemiewaffenangriffe vergangene Woche verantwortlich seien, wird aber nicht konkret.

Krieg passt nicht in den Wahlkampf

In der durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs eher pazifistisch geprägten Bundesrepublik ist die Lage vor jedem denkbaren Einsatz speziell. Aktuell kommt hinzu, dass die Bundestagswahl bevorsteht. So kommt der Nahost-Experte Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik zu dem Schluss: "Militärisch werden wir im Moment nicht sehr viel beitragen können und müssen. Wir haben Wahlkampf. Das ist keine gute Zeit, um in den Krieg zu ziehen. Das verstehen auch andere."

Konsequenzen wie bereits im Irak-Krieg 2003 dürften so oder so in Deutschland zu spüren sein. Damals schützten deutsche Soldaten US-Einrichtungen im Land. Die US-Armee betreibt mit dem Fliegerhorst Ramstein in der Pfalz ein wichtiges militärisches Drehkreuz, über das ein Großteil der Logistik beim Einmarsch in den Irak oder in Afghanistan abgewickelt wurde. Gleich nebenan betreibt das US-Militär in Landstuhl das größte Lazarett außerhalb der USA. Zudem dürfte die Furcht vor Anschlägen die Sicherheitslage in Deutschland verschärfen.

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