Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Die Syrien-Krise >

Syrien erwartet "jeden Moment" westlichen Angriff

Vor der Militärintervention  

Syrien erwartet "jeden Moment" westlichen Angriff

31.08.2013, 17:46 Uhr | dpa, rtr, AFP

Syrien erwartet "jeden Moment" westlichen Angriff. Syrien-Konflikt: Armee kämpft gegen Rebellen (Quelle: dpa)

Syrische Soldaten im Kampf gegen Rebellen in einem Vorort von Damaskus (Quelle: dpa)

Nach der Ausreise der Chemiewaffenexperten der Vereinten Nationen rechnet die syrische Führung mit einem baldigen Angriff westlicher Truppen auf das Land. Der russische Präsident Wladimir Putin warnte vor einem Militärschlag und forderte Beweise von den USA für einen Giftgasanschlag durch das Regime.

Der Beginn des Einsatzes werde "jeden Moment" erwartet, sagte ein Vertreter der syrischen Sicherheitskräfte. "Wir sind auch jederzeit zur Vergeltung bereit", fügte er hinzu.

Angst vor weiterem Giftgasanschlag

Die Bevölkerung bereitet sich derweil auf einen Militärschlag vor. In den Vororten von Damaskus übten Ärzte mit ihren Teams den Ernstfall. Sie versuchten zudem, sich von Hilfsorganisationen geschickte Medikamente und Sauerstoffflaschen zu sichern, um Giftgas-Opfer zu behandeln.

"Wir fürchten einen weiteren Chemiewaffen-Angriff als eine Art Rache auf einen Militärschlag des Auslands", sagte Abu Akram, Arzt in einem von Rebellen kontrollierten Vorort der Hauptstadt. Schon seit Tagen decken sich viele Einwohner von Damaskus mit dem Nötigsten ein, weil sie Versorgungsengpässe fürchten, oder sie versuchen, sich an militärisch weniger sensiblen Orten in Sicherheit zu bringen.

Anhänger Assads verlassen das Land

Am syrisch-libanesischen Grenzübergang Masnaa bildeten sich lange Schlangen. Zahlreiche Syrer wollten sich möglichst noch vor dem erwarteten Militärschlag in Sicherheit bringen. Unter ihnen sind auch Anhänger des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Sie wollen jedoch nur kurz im Ausland bleiben.

Die UN-Kontrolleure sind unterdessen im niederländischen Rotterdam angekommen, wie ein Vertreter des dortigen Flughafens bestätigte. Sie sollten ihrem Mandat zufolge herausfinden, ob im syrischen Bürgerkrieg Chemiewaffen eingesetzt wurden, nicht aber, durch wen. Nun sollen sie einen Bericht vorlegen.

Syrien weist Vorwürfe zurück

Mehrere westliche Staaten und die syrischen Aufständischen werfen dem Regime vor, Giftgas eingesetzt zu haben. Die USA und Frankreich erwägen deswegen einen Militärschlag gegen die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad. Die syrische Regierung weist die Vorwürfe zurück.

Putin forderte die USA eindringlich zum Verzicht auf einen Angriff gegen Syrien auf. Sollten die USA einseitig vorgehen, sei das "extrem bedauerlich", sagte Putin in Wladiwostok. Er drang darauf, dass die USA dem UN-Sicherheitsrat Beweise für den Einsatz von Giftgas durch die syrische Regierung vorlegen. Putin sagte, es wäre "absoluter Nonsens" für die syrische Regierung, Giftgas einzusetzen, während sie im Begriff sei, den Krieg zu gewinnen. Zuvor hatte bereits ein Sprecher des russischen Außenministeriums erklärt, die militärischen Drohungen der USA gegen Syrien seien "völlig inakzeptabel", da es keinerlei Beweise für die Giftgasvorwürfe gebe.

Putin will G-20-Treffen nutzen

Putin wandte sich direkt an US-Präsident Barack Obama: Als Friedensnobelpreisträger solle er die möglichen zivilen Opfer eines Angriffs bei seiner Entscheidung besonders berücksichtigen. Der russische Präsident regte an, das Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der kommenden Woche in St. Petersburg zu nutzen, um über die Syrien-Krise zu sprechen.

Diese Karte von Damaskus und Umland zeigt die Orte, an denen Giftgas eingesetzt worden sein soll. Der orangefarbene Bereich ist in der Hand der syrischen Regierung, die Rebellen halten die türkisfarbenen Areale. Die olivgrün-schraffierten Flächen zeigen umkämpfte Gebiete. (Quelle: US-Regierung)Diese Karte von Damaskus und Umland zeigt die Orte, an denen Giftgas eingesetzt worden sein soll. Der orangefarbene Bereich ist in der Hand der syrischen Regierung, die Rebellen halten die türkisfarbenen Areale. Die olivgrün-schraffierten Flächen zeigen umkämpfte Gebiete. (Quelle: US-Regierung)

Obama hatte am Freitagabend gesagt, er plane einen zeitlich begrenzten Militärschlag gegen Syrien. Eine abschließende Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Als reine "Vorsichtsmaßnahme" haben die USA nun auch ein sechstes Kriegsschiff im östlichen Mittelmeer, das wegen einer Mission von der arabischen Halbinsel in der Region war. An Bord sind mehrere Hundert Marines.

"Man wird natürlich schon an Irak erinnert"

Der ehemalige deutsche UN-Botschafter Pleuger findet die Darlegungen der USA zum Giftgaseinsatz in Syrien nicht überzeugend. "Es sind ja keine Beweise vorgelegt worden. Es ist nur gesagt worden, dass es überzeugende Beweise gibt. Aber welche, das wissen wir nicht", sagte Pleuger im Deutschlandfunk. "Man wird natürlich schon an Irak erinnert, wo solche angeblichen Beweise vorgelegt wurden, und alle nicht stimmten."

Die USA sollten abwarten, ob die UN-Inspekteure Beweise für einen Giftgaseinsatz durch die Regierungsseite von Präsident Baschar al-Assad gefunden haben und welche. Pleuger hatte Deutschland von 2002 bis 2006 bei den Vereinten Nationen vertreten.

US-Außenminister John Kerry hatte zuvor von klaren und schlüssigen Beweisen gegen das Regime in Damaskus gesprochen. Bei der Attacke am 21. August seien mindestens 1429 Menschen getötet worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte dazu der "Welt am Sonntag", Kerrys Argumente wögen schwer. "Sie weisen klar in Richtung des Assad-Regimes. Sie sind plausibel. Jeder sollte sie ernst nehmen."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal