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In Syrien soll Nervengas Sarin eingesetzt worden sein

Blut- und Haarproben ausgewertet  

In Syrien soll Nervengas Sarin eingesetzt worden sein

02.09.2013, 10:19 Uhr | AP, dpa

In Syrien soll Nervengas Sarin eingesetzt worden sein. Bei dem vermeintlichen Giftgaseinsatz am 21. August kamen mehr als 1400 Menschen ums Leben (Quelle: dpa)

Bei dem vermeintlichen Giftgaseinsatz am 21. August kamen mehr als 1400 Menschen ums Leben (Quelle: dpa)

Bei dem Chemiewaffenangriff in Syrien wurde nach Angaben von US-Außenminister John Kerry das Giftgas Sarin eingesetzt. Dies ergebe sich aus Haar- und Blutproben, die Washington von Rettungskräften in Damaskus erhalten habe, sagte Kerry.

Der Außenminister betonte, dass die Ergebnisse nicht aus der Untersuchung der UN-Chemiewaffeninspekteure stammten. Deren Proben sollen ab dem heutigen Montag untersucht werden.

Russland fordert mehr Beweise

Russland fordert die USA unterdessen auf, ihre Giftgas-Vorwürfe an das Regime in Syrien mit detaillierten Beweisen zu belegen. "Washington hat uns Material übergeben, das aber nichts Konkretes dazu enthielt, wo die Proben von wem entnommen wurden", sagte Außenminister Sergej Lawrow.

"Als wir nach Details fragten, sagten unsere amerikanischen Partner, dass diese geheim seien", meinte Lawrow der Agentur Interfax zufolge. "Das überzeugt uns nicht. So ist keine Zusammenarbeit möglich", sagte er. Russland ist ein enger Verbündeter Syriens und blockiert zusammen mit China seit langem die scharfe Verurteilung des Assad-Regimes durch die Vereinten Nationen.

Auch der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow forderte konkrete Beweise von den USA. "Das von US-Außenminister John Kerry erwähnte Nervengift konnte auch von den Rebellen angewendet werden", teilte der Chef des Auswärtigen Duma-Ausschusses mit.

Schon ein Milligramm kann tödlich sein

Das Nervengas Sarin zählt zu den giftigsten Kampfstoffen überhaupt. Die Phosphorverbindung wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen. Schon ein Milligramm Sarin kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

Das Institut für Strategische Studien in London geht davon aus, dass Syrien seit den 1970er Jahren große Mengen Chemiewaffen produziert hat, darunter auch Sarin. Sein Arsenal gilt als das größte der Region und das viertgrößte weltweit.

Die USA werfen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad vor, am 21. August in der Nähe der syrischen Hauptstadt Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt und dabei mehr als 1400 Menschen getötet zu haben. Assad bestreitet dies.

Obama will Zustimmung des Parlaments

Obama hatte am Samstag angekündigt, nur mit Zustimmung des Parlaments einen Militärschlag gegen das syrische Regime führen zu wollen. Eine Abstimmung dürfte nicht vor dem 9. September erfolgen. Erst dann kehrten die Abgeordneten aus der Sommerpause zurück. Zudem sind die Mehrheitsverhältnisse in Washington alles andere als klar, so dass Obama um jede Stimme kämpfen muss.

Kerry zeigte sich zuversichtlich, dass der Kongress einen US-Vergeltungsschlag gegen Syrien - wie von Präsident Barack Obama erbeten - billigen werde. Sollte der Kongress nicht zustimmen, hätte der Präsident aber auch die Befugnis, alleine zu handeln, fügte er hinzu.

Die syrische Opposition reagierte enttäuscht auf die Verzögerung. Das Regime habe so Zeit, seine Soldaten und Waffensysteme in Sicherheit zu bringen. Das Oppositionsbündnis mit Sitz in Istanbul befürwortet deshalb einen möglichst raschen Militärschlag gegen das Regime. Assad reagierte mit demonstrativer Gelassenheit. "Syrien kann jede Aggression von außen abwehren, so wie es täglich die Aggression von innen und deren Hintermänner abwehrt", sagte er nach Angaben der Agentur Sana.

Frankreich weiter an Obamas Seite

Am Donnerstag hatte der britische Premierminister David Cameron ein Votum im Unterhaus über eine Beteiligung an einer US-Militäroperation verloren. Auf die Unterstützung Frankreichs und seines Präsidenten François Hollande kann der US-Präsident dagegen weiter zählen. Am Samstagabend telefonierten beide erneut miteinander, wie die Regierung in Paris mitteilte. Dort ist am Mittwoch eine Sondersitzung der Nationalversammlung zum Syrien-Konflikt geplant.

Deutschland wird sich weder unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch unter ihrem Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) an einem Angriff auf Syrien beteiligen, wie beide am Sonntag im TV-Duell betonten.

Bis zur Rede Obamas am Samstag war erwartet worden, dass die USA kurz nach der Abreise der letzten UN-Chemiewaffenexperten aus Damaskus einen ein- oder zweitägigen Militärschlag starten würden. Das UN-Team traf am Samstag in den Niederlanden ein. Ihr Untersuchungsbericht soll in spätestens drei Wochen vorliegen.

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