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Libyen: Ministerpräsident Ali Seidan aus Hotel in Tripolis verschleppt

Bewaffnete dringen in Hotel ein  

Libyscher Ministerpräsident entführt

10.10.2013, 14:36 Uhr | rtr, dpa, AP, AFP, t-online.de

Libyen: Ministerpräsident Ali Seidan aus Hotel in Tripolis verschleppt. Libyen: Ministerpräsident Ali Seidan entführt (Quelle: dpa)

Ali Seidan ist aus einem Hotel verschleppt worden (Quelle: dpa)

Ein grotesker Akt, der wie aus einem Film anmutet: Der entführte libysche Ministerpräsident Ali Seidan ist nach Stunden der Ungewissheit wieder frei. Das verlautete aus Regierungs- und Sicherheitskreisen. Bewaffnete Milizionäre hatten ihn aus einem Hotel in der Hauptstadt Tripolis verschleppt.

Regierungssprecher Mohammed Kaabar sagte laut der amtlichen Nachrichtenagentur Lana, Seidan sei "befreit und nicht freigelassen" worden. Ob Gewalt eingesetzt wurde, blieb zunächst unklar. Der 62-Jährige sei "bei guter Gesundheit".

Eine formell dem Innenministerium zugehörige Einheit bekannte sich und sprach von einer "legitimen Festnahme" - ein Racheakt für die Gefangennahme eines mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen. Offenbar wurde der Premier auch im Innenministerium festgehalten.

Vergeltung gegen libysche Regierung

Ein Sprecher der "Operationszentrale der libyschen Revolutionäre" erklärte unter Berufung auf das US-Außenministerium: "Seine Festnahme erfolgt nach einer Stellungnahme des US-Außenministers John Kerry zur Festnahme von Abu Anas al-Libi, wonach die libysche Regierung von der Operation unterrichtet worden war."

Vergangenen Samstag war der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist in Tripolis von einem US-Spezialkommando in Tripolis gefangen und außer Landes gebracht worden.

Die Miliz "Brigade für den Kampf gegen die Kriminalität" bekannte sich ebenfalls zu der Tat. Beide Gruppen unterliegen formell der Kontrolle durch das Verteidigungs- und das
Innenministerium, handeln aber tatsächlich meist auf eigene Faust.

Unklare Rolle der Staatsanwaltschaft

Auf ihrer Facebook-Seite schrieben die früheren Rebellen, Seidan sei "auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen" worden, da ihm "Verbrechen gegen den Staat" und dessen Sicherheit vorgeworfen würden. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe keinen Haftbefehl gegen Seidan erlassen.

Ali Seidan ist der erste gewählte Regierungschef Libyens. Der ehemalige Oppositionelle hatte während der Herrschaft des 2011 gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi im Exil gelebt, unter anderem im Irak und in Deutschland. 

Proteste radikaler Islamisten

Nach dem Verschwinden von al-Libi hatte es in Bengasi eine Protestaktion radikaler Islamisten gegeben. Einige der Milizen, die sich während der Kämpfe gegen Gaddafis Truppen gebildet hatten, äußerten ihren Unmut darüber, dass Ausländer mitten in der Hauptstadt einen libyschen Staatsbürger verschleppen können. Selbst Libyer, die nicht mit dem islamistischen Terrornetz sympathisieren, hatten diese Verletzung der staatlichen Souveränität kritisiert.

Seidan hatte Angehörige der Familie von al-Libi nur Stunden vor seiner Verschleppung empfangen und ihnen versichert, seine Regierung werde alles unternehmen, was in ihrer Macht stehe, "um seine Rechte zu garantieren".

Seit dem Sturz und Tod Gaddafis als vermeintliche Befreiung kommt Libyen nicht zur Ruhe. Zahlreiche frühere Rebellengruppen und Stammesmilizen weigern sich, ihre
Waffen abzugeben und versuchen mit Gewalt, ihre Forderungen durchzusetzen.

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