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Treffen mit Edward Snowden: One-Man-Show von Hans-Christian Ströbele

Details zum Treffen mit Snowden  

Die One-Ströbele-Show

02.11.2013, 08:16 Uhr | Veit Medick, Spiegel Online

Treffen mit Edward Snowden: One-Man-Show von Hans-Christian Ströbele. Hans-Christian Ströbele, Bundespressekonferenz zum Treffen mit Edward Snowden (Quelle: dpa)

Hans-Christian Ströbele bei seinem Auftritt vor der Bundespressekonferenz. (Quelle: dpa)

Der alte Fuchs und der Whistleblower: Zurück in Berlin genießt Hans-Christian Ströbele sichtlich den Wirbel um sein Treffen mit Edward Snowden. Er hofft, dass sein Coup die Debatte in Deutschland verändert - und gibt gleichzeitig den Geheimniskrämer.

Hans-Christian Ströbele spricht schon 45 Minuten, gerade ist er bei Angela Merkel und ihrem überwachten Handy angelangt, da klingelt plötzlich ein Telefon. "Oh, das ist wohl meins", sagt er und schaltet sein Gerät rasch auf stumm. "Kennt hier einer die Nummer der Kanzlerin?", fragt er in den Raum. Lacher. Es läuft prima, sogar für Späßchen ist er plötzlich zu haben.

Großer Coup für das grüne Urgestein

Ströbele genießt auf seine alten Tage noch mal die ganz große Bühne. Der 74-Jährige hat ja auch durchaus Bemerkenswertes zu berichten. Erst vor ein paar Stunden ist er aus Moskau zurückgekehrt, er hat sich dort mit Edward Snowden getroffen und einen Brief von diesem mitgebracht. Es ist ein kleiner - nein, man muss sagen: ein großer - Coup für das grüne Urgestein.

Nicht US-Beamte, nicht die Kanzlerin oder der Generalbundesanwalt reisen zur derzeit wohl schillerndsten Figur in der Weltöffentlichkeit, um ihn zu seinen Enthüllungen im Zusammenhang mit der NSA-Überwachung zu befragen. Nein, es ist der radfahrende Bundestagsabgeordnete aus Berlin-Kreuzberg. Der 74-jährige Bürgerrechtler trifft den 30-jährigen Computerexperten. Analog meets digital. Es ist eine hübsche Geschichte.

Auch zeitlich passt seine Reise natürlich gut in die Debatte, und so lässt Ströbele es sich nicht nehmen, vor der versammelten Hauptstadtpresse etwas zu den Hintergründen seines Treffens zu erzählen. Das Interesse ist gewaltig, die Fernsehsender übertragen live, sogar CNN ist da. Ströbele, der Stellvertreter Snowdens auf Erden. Es ist seine Show.

"Dann muss ich's halt selber machen"

Im Sommer schon, sagt Ströbele, habe er sich gefragt, warum man Snowden eigentlich nicht mal persönlich aufsucht, um ihn zu den Hintergründen der US-Überwachung zu befragen. Aber weil sich in Deutschland niemand darum zu reißen schien, habe er sich gesagt: "Dann muss ich's halt selber machen."

Seine Mitarbeiter, so schildert es Ströbele, nehmen im Juli Kontakt zum Umfeld von Snowden auf. Es besteht schnell grundsätzliche Bereitschaft zu einem Treffen. Er packt die Koffer, streicht seinen Sommerurlaub, doch es passiert - nichts. Der Kontakt nach Moskau reißt ab. Erst in der vergangenen Woche bekommt sein Büro wieder einen Anruf.

Treffen ohne Handy

Dann sei alles sehr schnell gegangen. Er habe am Mittwoch ein Flugzeug nach Moskau genommen - aber nicht alleine. "Mein Englisch ist nicht so, dass ich mich mit einem US-Amerikaner so locker unterhalten kann." Ex-"Spiegel"-Chef Georg Mascolo und der NDR-Reporter John Goetz seien mitgekommen. Ein Sicherheitsteam habe sie aus ihrem Hotel abgeholt und zu Snowden gebracht. Drei Stunden hätten sie an einem geheimen Ort zusammengesessen.

"Mit Handy?", fragt jemand. "Also, mein Handy", sagt Ströbele und fummelt es aus seiner Tasche. "Ich habe jetzt hier so ein Ei-irgendwas. Das habe ich in den entscheidenden Stunden in den Safe im Hotel eingeschlossen." Ströbele grinst. Er hat in seinem Leben schon viel erlebt. Er hat Andreas Baader verteidigt, ist mal aus der SPD geflogen und gegen so ziemlich jeden Krieg auf die Straße gegangen. Die Rolle des Privataufklärers aber hat ihm noch gefehlt.

Details bleiben geheim

Viel Konkretes, das darf bei allem Respekt für das vertraulich eingefädelte Treffen angemerkt werden, hat Ströbele nicht mitgebracht. Der Brief, der angeblich für die Bundeskanzlerin, den Bundesanwalt und den Bundestagspräsidenten bestimmt ist, wirkt wie ein Formschreiben. Er ist ohne Anrede, das Wort Deutschland findet sich in dem Schreiben nicht.

Auch zu vielen Details schweigt Ströbele. Snowdens Situation in Moskau? "Kann und will ich nichts erzählen." Gesprächsinhalt? "Da darf ich nichts sagen." Ströbele verrät nur so viel: "Ich habe ihn gefragt, ob er denn in Moskau auch einfach mal so shoppen gehen kann. Da hat er ja gesagt."

Ströbele will Schwung in die Snowden-Debatte bringen

Immerhin eine grundsätzliche Botschaft hat der Grüne zu verkünden: Snowden sei bereit, deutschen Stellen Auskunft zu erteilen. Eher nicht in Russland, sehr wohl aber hierzulande - "wenn gesichert ist, dass er danach in Deutschland oder einem anderen vergleichbaren Land bleiben kann und dort sicher ist", sagt Ströbele. Dass Snowden hier allerdings Asyl bekommt, ist mit Blick auf das transatlantische Verhältnis nicht sehr wahrscheinlich.

Sein Kalkül ist, dass der Besuch in Moskau wenigstens etwas Schwung in die Debatte bringt. Immerhin: Der Bundesinnenminister zeigt sich plötzlich offen für Informationen von Snowden. Am Montag will Ströbele vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium von seiner Reise erzählen. Inwieweit er dort etwas detaillierter über das Gespräch mit dem Ex-Geheimdienstmitarbeiter Bericht erstattet, ist fraglich. "Vielleicht ein ganz klein bisschen mehr", sagt er.

The show must go on.

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