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Proteste in Kiew: Ultranationalisten mischen die Ukraine auf

Gewalteskalation in der Ukraine  

Ultranationalisten mischen Kiew auf

24.01.2014, 09:51 Uhr | Von Dmytro Gorshkov, AFP

Proteste in Kiew: Ultranationalisten mischen die Ukraine auf. Ultranationalisten in der Ukraine (Quelle: Reuters)

Sie wollen die "Volksherrschaft" statt EU-Annäherung und Revolution statt Verhandlungen: die ukrainischen Ultranationalisten (Quelle: Reuters)

Vitali Klitschko und die anderen gemäßigten Oppositionsführer geben sich alle Mühe, die Proteste in der Ukraine friedlich zu halten. Wenn sie dennoch eskalieren, ist daran nicht nur die unnachgiebige Staatsmacht schuld. Die Ultranationalisten stehen auf der Seite der Opposition - und schüren die Gewalt.

"Wir Nationalisten müssen das Regime der internationalen Okkupation stürzen - mit einer Revolution. Es gibt keinen anderen Weg", sagt Andrij Tarasenko. Der Anführer der ultranationalistischen Gruppe Prawi Sektor (Rechter Sektor) ist nicht an Verhandlungen mit Präsident Viktor Janukowitsch interessiert. Punkt.

"Das ist Krieg. Janukowitsch muss zurücktreten. Das ist das Ziel", sagt Tarasenko. Regierung und Sicherheitskräfte sind in seinen Augen Kriminelle, die auf Demonstranten schießen. "Kompromisse mit der Bande sind nicht möglich. Entweder wir gewinnen, oder sie werden uns zerstören."

Mit der etablierten nationalistischen Partei Swoboda (Freiheit) hat der Rechte Sektor nichts zu tun. Es handelt sich um eine Absplitterung der Gruppe Trident. Diese wiederum sieht sich in der Tradition der Ukrainischen Armee der Aufständischen (UPA), die unter dem Banner der nationalen Selbstbestimmung im Zweiten Weltkrieg und bis in die 1950er Jahre gegen die Vertreter der Sowjetunion kämpften.

Fußball und Facebook

In Kiew gebe es mindestens 500 Aktivisten, die zum Rechten Sektor oder ähnlichen Gruppen gehörten, schätzt das Innenministerium. Zu den Anhängern des Rechten Sektors zählen gewaltbereite Fußballfans. Die Organisation der Proteste erfolgt über Facebook oder andere Sozialnetzwerke.

Dass sie seit dem Wochenende in den Straßenkampf gegen die Sicherheitskräfte ziehen, hat Klitschko und seine Mitstreiter auf dem kalten Fuß erwischt. Bei der Massenkundgebung am vergangenen Wochenende wurden der Boxweltmeister, Arseni Jazenjuk von der Partei Vaterland und Oleg Tiagnibok von der Freiheitspartei ausgepfiffen, als sie auf die Bühne stiegen.

"Volksherrschaft" statt Europa

Der Rechte Sektor teilt auch nicht den EU-Enthusiasmus der westlich orientierten Regierungsgegner. Er strebt eine "ukrainische Volksherrschaft" ohne ausländische Einmischung an. Dass Klitschko und Co. mit ihren seit zwei Monaten dauernden friedlichen Massenprotesten Präsident Janukowitsch bislang keinerlei Zugeständnisse abringen konnten, spielt den radikalen Demonstranten nun in die Hände.

Dass auch seit der Gewalteskalation seit dem Wochenende weiterhin zehntausende Menschen auf den Unabhängigkeitsplatz strömen, wertet Tarasenko jedenfalls als Rückendeckung für den radikalen Kurs des Rechten Sektors. Das "unglaubliche Wachstum" der Zahl der Protestierenden sei "ein unglaublicher Anstieg an Unterstützung". Die Menschen, die auf den Maidan strömten, verlangten den Sturz der Regierung. "Alle anderen Forderungen sind uninteressant."

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