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Proteste in der Ukraine: 25 Menschen sterben bei Ausschreitungen in Kiew

25 Tote, Hunderte Verletzte in der Ukraine  

"Wie ein Krieg gegen das eigene Volk"

19.02.2014, 10:38 Uhr | dpa , AP

Proteste in der Ukraine: 25 Menschen sterben bei Ausschreitungen in Kiew. Mindestens 25 Tote und mehr als 240 Verletzte forderten die jüngsten Ausschreitungen auf dem Maidan in Kiew. (Quelle: AFP)

Mindestens 25 Tote und mehr als 240 Verletzte forderten die jüngsten Ausschreitungen auf dem Maidan in Kiew. (Quelle: AFP)

Brennende Reifen, Tränengasschwaden und tödliche Schüsse: Bei den schwersten Ausschreitungen in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion sind in Kiew 25 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Menschen - Demonstranten wie Sicherheitskräfte - wurden verletzt. "Hier sieht es aus wie in einem Krieg gegen das eigene Volk", sagte Dmitro Schulko, einer der Demonstranten. Der 35-Jährige trug eine Brandbombe in den Händen, bereit, sie zu werfen. "Wir werden uns selbst verteidigen", sagte er.

Tausende Polizisten stürmten am Dienstagabend ein Protestlager der Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan. Rund 20.000 Regierungsgegner setzten sich mit Steinen, Knüppeln und Brandbomben zur Wehr und sangen dabei die Nationalhymne.

Mehrere Erschossene und hunderte Verletzte

Nach Angaben der Behörden vom frühen Mittwochmorgen wurden elf Zivilisten und sieben Polizisten getötet - anschließend wurde die Zahl der Todesopfer auf 25 korrigiert. Bei den Opfern auf beiden Seiten gebe es mehrere tödliche Schussverletzungen, sagte ein Polizeisprecherin. 241 weitere Menschen wurden laut Gesundheitsministerium in Krankenhäuser gebracht, unter ihnen 79 Polizisten und fünf Journalisten. Zuvor war von bis zu 1000 Verletzten die Rede.

Zahlreiche Zelte auf dem Platz im Zentrum der Stadt gingen in Flammen auf, als die Polizei einschritt. Die Sicherheitskräfte kamen mit Wasserwerfern und Blendgranaten. Oppositionsführer und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko trieb die Menschen auf dem Maidan zum Widerstand an. "Wir werden nirgendwo hingehen", rief er. "Dies ist eine Insel der Freiheit und wir werden sie verteidigen."

Kein Ergebnis bei Gespräch mit Janukowitsch

Ein Krisengespräch zwischen dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und Klitschko brachte in der Nacht kein Ergebnis. Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtet, machte Klitschko nach dem Treffen klar, die Verhandlungen über eine Normalisierung der Lage im Lande seien gescheitert.

Klitschko warf Janukowitsch vor, die Situation falsch einzuschätzen. Der Präsident habe die Opposition bei der Begegnung aufgerufen, die Auseinandersetzungen zu beenden und die Waffen niederzulegen.

Proteste breiten sich auf weitere Städte aus

Auch in anderen ukrainischen Städten gibt es Proteste und Berichte über Angriffe auf Regierungsgebäude. In Lemberg (Lwiw) im Westen des Landes stürmten Demonstranten den Sitz der Regionalregierung und das Polizeipräsidium. Rund 5000 Demonstranten besetzten ein Waffenlager der Sicherheitskräfte.

Die Entwicklung löst international Besorgnis aus. Bereits im Vormonat waren bei Ausschreitungen mehrere Menschen in Kiew ums Leben gekommen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief die ukrainischen Behörden dazu auf, für ein Ende des blutigen Konflikts zu sorgen. "Es hat Gewalt und Gegengewalt gegeben im Laufe des Tages. Aber es obliegt den Sicherheitskräften, jetzt dafür zu sorgen, dass eine Deeskalation stattfindet und dass die Gewaltanwendung nicht noch ausgeweitet wird", sagte Steinmeier. Die US-Regierung zeigte sich entsetzt und forderte Präsident Viktor Janukowitsch auf, den Konflikt umgehend zu entschärfen. 

Die Ukraine wird seit etwa drei Monaten von einem Machtkampf gelähmt. Die Opposition protestiert gegen Janukowitsch, seit der Präsident auf Druck Russlands ein weitreichendes Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hatte. Die Opposition verlangt Neuwahlen und eine neue Verfassung, die die Vollmachten des Präsidenten erheblich zugunsten des Parlaments beschneidet.

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