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Fall Sebastian Edathy bei Markus Lanz: Spreng kritisiert "Putinisierung"

 (Quelle: dpa)

Abrechnung bei Lanz  

"Man wundert sich, dass der Friedrich nicht schon Bundeskanzler ist"

19.02.2014, 10:33 Uhr | Von Tobias Möllers, t-online.de

Fall Sebastian Edathy bei Markus Lanz: Spreng kritisiert "Putinisierung". Hans-Peter Friedrich im Bundestag - bei Lanz kam er nicht gut weg. (Quelle: dpa)

Hans-Peter Friedrich im Bundestag - bei Lanz kam er nicht gut weg. (Quelle: dpa)

Das "Edathy-Gate" bewegte auch Markus Lanz und seine Gäste. Während der Politikberater Michael Spreng markige Worte für den "Geisterfahrer Friedrich" und die anderen politisch Verantwortlichen fand, klärte die Psychologin Julia von Weiler anschaulich darüber auf, wo die Grenzen der Strafbarkeit bei Kinderpornografie liegen und was jetzt zu tun ist.

Nach Günther Jauch am Sonntag kam am Dienstagabend auch Lanz nicht umhin, die Affäre Edathy zum Thema zu machen. Der Fall des SPD-Politikers, gegen den wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird, hat eine veritable Regierungskrise der noch jungen Großen Koalition ausgelöst.

Lanz hatte sich vorgenommen, die beiden zentralen Aspekte des Skandals mit zwei ganz unterschiedlichen Gästen anzugehen: Der Journalist und Politikberater Michael Spreng versuchte, die politischen Folgen und die Auswirkungen des Falls auf das Koalitionsklima zu bewerten.

Und die Psychologin und Geschäftsführerin der Kinderhilfsorganisation "Innocence in danger e.V.", Julia von Weiler, war eingeladen, um zu erläutern, ab wann von Kinderpornografie gesprochen werden kann und was die Politik im Bereich Kinder- und Jugendschutz jetzt tun muss.

Spreng sieht "Putinisierung"

Einig waren sich Spreng und Weiler schnell in einem Punkt: Im Bereich Kinderpornografie sind die Täter - wie auch die Opfer - in allen sozialen Schichten zu finden. Spreng zeigte sich daher auch keineswegs überrascht, dass auch ein Bundestagsabgeordneter wie Sebastian Edathy derartiges oder ähnliches Material besessen haben soll.

Überrascht war der Politikberater dagegen von der "Durchstecherei" der Ermittlungen durch den zurückgetretenen Hans-Peter Friedrich an SPD-Chef Sigmar Gabriel. Für Spreng wurde der Fall Edathy an diesem Punkt zur Staatsaffäre, weil Koalitionsinteressen vor Staatsinteressen gestellt wurden. Die Vermischung der Instanzen Exekutive und Judikative bezeichnete Spreng gar als "Putinisierung".

"So viel gelogen wird ja selten"

Der ehemalige Agrar- und vorherige Innenminister Friedrich kam nicht gut weg bei Spreng. Der politische "Geisterfahrer" hätte Gabriel niemals informieren dürfen. Ein hypothetischer Staatssekretär Edathy wäre nach Ansicht des Politikberaters der wesentlich geringere Schaden gewesen.

Das nachträgliche Lob besonders aus den Reihen der SPD für Friedrich veranlasste Spreng zu dem lakonischen Kommentar "so viel gelogen wie jetzt wird ja selten", um dann nachzulegen: "Man wundert sich, dass der nicht schon längst Bundeskanzler ist."

"Der muss es ganz genau wissen"

Doch auch die Sozialdemokraten bekamen von Spreng ihr Fett weg. Dass die SPD Edathy in den Koalitionsverhandlungen außen vor ließ, sei bereits eine Vorverurteilung gewesen. Der "unselige" Anruf Oppermanns bei BKA-Chef Ziercke unzulässig. Das fand später auch der ebenfalls eingeladene Starkoch Christian Rach: "Der (Oppermann, d.Red.) war mal Richter. Der muss es ganz genau wissen."

Das einzig Positive, das Spreng der Affäre Edathy, dieser "Mischung aus Krimi, Tollhaus und Staatsaffäre", trotz eines großen Vertrauensverlusts in der Bevölkerung abgewinnen konnte: "So findet wenigstens ein demokratischer Reinigungsprozess statt, der dringend notwendig ist."

"Die Kanzlerin hat Glück gehabt"

Eine Gewinnerin sieht Spreng auch, nämlich Angela Merkel: "Die Kanzlerin hat ja Glück gehabt", weil Friedrich ihr nichts erzählt habe. Dabei war Merkel die Einzige, der Friedrich es hätte erzählen dürfen, ohne Geheimnisverrat zu begehen, wie Moderator Markus Lanz in einem seiner klügeren Einwürfe erkannte.

Deutlich nüchterner und weniger polternd kam anschließend Julia von Weiler zu Wort. Die Psychologin störte sich besonders daran, dass die ganze Plapperei womöglich weitere Ermittlungen gefährdet hat.

Abbildungen von Berlin bis Venedig

Weiler erklärte, dass Kauf und Verkauf von Bildern nackter Kinder "derzeit noch" legal ist. Zehn Kategorien würden unterschieden. In die erste Kategorie fielen beispielsweise nackte, spielende Kinder, in die letzte, zehnte Kategorie dagegen Vergewaltigungen.

Im digitalen Zeitalter entstünden kinderpornografische Bilder rasend schnell: "Nie war das so einfach wie heute." Bei den "Spade"-Ermittlungen, in deren Zuge auch Edathys Name auftauchte, habe es sich um die unglaubliche Datenmenge von 45 Terabyte gehandelt. "Wenn man die Missbrauchsabbildungen aneinanderreiht, kommt man auf die Strecke von Berlin nach Venedig", wählte Weiler einen so anschaulichen wie erschreckenden Vergleich.

Die Psychologin hatte abschließend auch noch einen Appell an die politisch Verantwortlichen: Alle ihr bekannten Strafverfolger seien chronisch unterbesetzt und könnten derartige Datenmengen kaum auch nur sichten. Hier müsse dringend gehandelt werden.

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