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Ukrainischer Süden will Moskau statt Brüssel

Parolen gegen die "Faschisten" in Kiew  

Ukrainischer Süden will Moskau statt Brüssel

24.02.2014, 18:42 Uhr | AFP

Ukrainischer Süden will Moskau statt Brüssel. In Sewastopol auf der Krim schwenken 10.000 Menschen russische Flaggen. Die Mehrheit dort tendiert stärker zu Moskau als zu Brüssel. (Quelle: AFP)

In Sewastopol auf der Krim schwenken 10.000 Menschen russische Flaggen. Die Mehrheit dort tendiert stärker zu Moskau als zu Brüssel. (Quelle: AFP)

"In Kiew haben die Faschisten die Macht übernommen", schallt es in Sewastopol aus einem Lautsprecher auf dem Dach eines Autos. Der Wagen fährt in der Stadt auf der südukrainischen Halbinsel Krim umher, wo am Sonntag zahlreiche Menschen auf den Straßen sind, um ihren Unmut über die Ereignisse in der Hauptstadt kundzutun. Im Stadtzentrum protestieren etwa 10.000 Menschen gegen die neue Übergangsregierung. Rückhalt für den gestürzten Staatschef Viktor Janukowitsch ist allerdings kaum noch zu spüren. Viele Menschen rufen nach einem Eingreifen Moskaus.

"Die neue Macht will die Russen ihrer Rechte und ihrer Staatsbürgerschaft berauben", befürchten die russischsprachigen Organisatoren der Proteste. Die Demonstranten schwenken russische Flaggen sowie Fahnen der Moskauer Schwarzmeerflotte, deren Heimathafen - abgesichert per Staatsvertrag - Sewastopol ist.

"Mutter Russland, rette Deine zurückgelassenen Kinder vor dem Faschismus", ist auf Protestplakaten zu lesen. Deutlich ist zu spüren, dass die traditionell russlandfreundlich eingestellten Einwohner Sewastopols eine Ausrichtung in Richtung der Europäischen Union ablehnen.

"In Kiew haben Banditen die Macht übernommen"

"In Kiew haben Banditen die Macht übernommen, ich bin hier, um meine Stadt zu schützen", sagt der Demonstrant Stanislaw Bolotnikowski in Sewastopol. Janukowitsch will er aber auch nicht mehr zurück. "Er hat Schwäche bewiesen, als er Polizisten ungeschützt gegen bewaffnete Banditen ausrücken ließ", führt der 53-Jährige aus.

"Janukowitsch hat seine Partei und seine Regierung im Stich gelassen", beklagt der 39-jährige Unternehmer Jewgeni und fügt hinzu: "In Kiew hat es einen Staatsstreich gegeben, ich will nicht, dass meine Kinder in einem Land leben, das von Faschisten regiert wird".

Auch die Rentnerin Tatjana Sergejewna sagt im Gespräch mit zwei anderen Frauen, Janukowitsch sei "nicht mehr der Präsident". "Die Krim sollte sich Russland anschließen, damit wieder Stabilität einkehrt", ist sie überzeugt.

Wackelige Treue zu Kiew

Bis zum Jahr 1954 gehörte die Halbinsel im Schwarzen Meer offiziell zu Russland, dann wurde sie der ukrainischen Sowjetrepublik übertragen. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine erhielt die Krim ihrerseits den Status einer autonomen Republik innerhalb des Landes.

Anfang Februar zogen die örtlichen Verantwortlichen in Erwägung, die Verfassung durch einen Passus zu ergänzen, der Russland als "Garanten" der Selbstständigkeit hätte nennen sollen. Die Initiative schürte Ängste vor separatistischen Tendenzen. Am Sonntag versicherte der Regierungschef der Krim, Anatoli Mogilew, jedoch dem Parlament in Kiew die Treue.

Krimtataren fürchten "separatistische Tendenzen"

Klar gegen die Avancen in Richtung Moskau stellt sich auf der Halbinsel die Minderheit der Krimtataren. Sie stellen etwa zwölf Prozent der etwa zwei Millionen Bewohner der Krim und mussten in der Geschichte durch den Kreml viel Leid ertragen. Unter dem Diktator Josef Stalin wurden die Angehörigen des Turkvolks nach Sibirien und Zentralasien deportiert, wo viele von ihnen starben.

Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnten sie auf die Krim zurückkehren. Ihr Anführer Refat Tschubarow beklagte jüngst "von Russland angezettelte separatistische Tendenzen".

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