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Millionen Internetnutzer suchen: Mit Crowdsourcing auf den Spuren des verschwundenen Fluges MH370

 (Quelle: dpa)

Millionen Internetnutzer suchen  

Mit Crowdsourcing auf den Spuren des verschwundenen Fluges MH370

18.03.2014, 20:42 Uhr | t-online.de , AFP

 Millionen Internetnutzer suchen: Mit Crowdsourcing auf den Spuren des verschwundenen Fluges MH370. Auch mittels Crowdsourcing im Internet wird nach dem verschollenen Flug MH370 gefahndet. (Quelle: AP/dpa)

Auch mittels Crowdsourcing im Internet wird nach dem verschollenen Flug MH370 gefahndet. (Quelle: AP/dpa)

Funkpeilung, dutzende Suchflugzeuge und Schiffe aus 26 Staaten haben bisher bei der Suche nach dem vermissten Flug MH370 versagt. Jetzt sollen es Millionen von Internetnutzern richten und per Crowdsourcing nach der verschwundenen Boeing 777 suchen. Das in Frage kommende Gebiet ist immerhin etwas größer als Australien.

Bisher schien fast die ganze Welt Anteil an dem Schicksal der Insassen des verschollenen Fluges der Malaysian Airlines zu nehmen. Jetzt soll sie sogar bei der Suche helfen, nachdem der enorme Aufwand von Menschen und Technik noch keine Erfolge brachte und selbst die Raumstation ISS eingebunden wurde.

Über drei Millionen Nutzer suchen

Die Fahnder suchen die Hilfe von Millionen Internetnutzern, die von zu Hause aus Satellitenbilder auswerten. Mehr als drei Millionen Nutzer beteiligten sich seit vergangener Woche bereits, wie die US-Satellitenfirma Digital Globe mitteilte. Auf deren Internetseite können die Satellitenbilder des Suchgebiets betrachtet und mutmaßliche Objekte markiert werden.

"Es gab zwar Projekte mit so vielen Teilnehmern wie jetzt, aber eher nicht in so einem kurzen Zeitraum", sagt Lea Shanley, die beim Woodrow Wilson International Center for Scholars das Phänomen Crowdsourcing erforscht.

Zur Bewältigung großer Datenmengen

Beim Crowdsourcing übernimmt die crowd, also eine große Masse von Menschen, bestimmte Tätigkeiten. Gerade wenn es groß Datenmengen auszuwerten gilt, gelingt das auf diese Weise schneller und effizienter. Bei der Suche nach dem Flugzeug können die Nutzer in den Satellitenbildern Markierungen setzen, wenn sie beispielsweise einen Ölteppich oder ein Wrackteil zu erkennen glauben.

Foto-Serie mit 4 Bildern

Sammeln sich entsprechende Hinweise, kann das Suchgebiet eingegrenzt werden. Eines der ältesten und bekanntesten Crowdsourcing-Projekte ist "Seti at home", bei dem Nutzer Rechnerkapazitäten auf ihren Computern zur Suche von Signalen aus dem All zur Verfügung stellen.

Zuletzt bei "Haiyan" angewandt

Digital Globe stellt immer wieder seine Satellitenbilder für Such- und Rettungsaktionen zur Verfügung, zuletzt etwa nach dem Taifun "Haiyan", der im November auf den Philippinen wütete. Die Beteiligung an der Suche nach dem Flugzeug der Malaysia Airlines war seit der Aktivierung der Online-Plattform Tonmod am 11. März so groß, dass zeitweilig der Server zusammenbrach.

"Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass das Flugzeug durch dieses Crowdsourcing gefunden wird, so hilft es dabei herauszufinden, wo es nicht ist", so Shanley. Dadurch werde den professionellen Auswertern der Bilder wichtige Zeit geschenkt, denn die können sich dann auf kleinere Suchbereiche konzentrieren.

Intelligente Filter übernehmen Vorsortierung

Mit einem Programm namens "CrowdRank" filtert Digital Globe die vielversprechendsten Hinweise aus, etwa, wenn es an einem Ort mehrere Markierungen gibt. Die Kommunikation zwischen den Hobby-Forschern ist indes rege. Einige meinten auch bereits, ein Flugzeug gefunden zu haben: "Sieht wie die Form eines Flugzeugs aus, aber ich habe Zweifel. Ähnliche Form auf Kartenausschnitt 112075, auch in der Nähe eines Flusses... denke, es sind gesunkene Bäume", schreibt ein Nutzer mit den Namen "Rasande Tyskar Youness Mikou".

"Youness, es sieht ein bisschen klein aus, aber es hat definitiv die Form eines Flugzeugs", antwortet jemand mit dem User-Namen "Alice von Malice". Manche Nutzer markierten Stellen, an denen sie im Meer schwimmende Flugzeugsitze oder Wrackteile, ein Boot oder sogar "eine Jesus-Statue" entdeckt haben wollen. Andere meinten, Ölflecken auf dem Wasser gesehen zu haben.

Einige Besucher der Seite verwiesen darauf, dass Satellitenbilder lediglich Schnappschüsse seien, also anders als Überwachungskameras nur einen kurzen Moment einfingen – es müsse also großer Zufall sein, das Flugzeug zu finden.

Crowdsourcing wichtige Hilfe

Wissenschaftler halten das Crowdsourcing für eine wichtige Unterstützung in der Forschung: Laut einer vergangene Woche veröffentlichen Studie fanden Freiwillige bei der Auswertung von Mondbildern der NASA ebenso viele Krater wie die Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde. Das beweise, dass das Crowdsourcing dazu beitrage, zuverlässigere Daten zu erhalten, sagt der Leiter der Studie, Stuart Robbins von der Universität Colorado.

Das Crowdsourcing wird – wie nach dem Hurrikan "Sandy" an der US-Ostküste oder dem Sturm "Hayian" – zunehmend auch bei der Bewältigung von Naturkatastrophen eingesetzt. Es bedürfe aber auch guter Programme, die brauchbare von unbrauchbaren Informationen trennen könnten, sagt Forscherin Shanley. Das Crowdsourcing entwickle sich vom einfachen Datensammeln immer mehr zu einer Datenanalyse durch die crowd.

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