Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Krise in der Ukraine >

Ukraines Ex-Präsident Janukowitsch schimpft über Steinmeier-Falle

"Tragödie" Krim  

Janukowitsch sieht sich von Steinmeier in eine Falle gelockt

02.04.2014, 17:58 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Ukraines Ex-Präsident Janukowitsch schimpft über Steinmeier-Falle. Außenminister Steinmeier (links) und Ukraines Ex-Präsident Janukowitsch hatten sich auf eine Übergangslösung geeinigt  (Quelle: dpa)

Außenminister Steinmeier (links) und Ukraines Ex-Präsident Janukowitsch hatten sich auf eine Übergangslösung geeinigt (Quelle: dpa)

Der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat unter anderem Frank-Walter Steinmeier vorgeworfen, ihn in eine Falle gelockt zu haben. Der am 21. Februar mit dem Bundesaußenminister und dessen Kollegen aus Frankreich und Polen ausgehandelte Plan für eine Lösung der ukrainischen Krise sei nicht eingehalten worden.

In einem Interview mit dem russischen Fernsehsender NTV bezeichnete Kreml-Freund Janukowitsch die Abspaltung der Krim als Tragödie und erklärte: "Ich hätte nie gedacht und nie vorhergesehen, dass dies eine Falle für die Führung und den Präsidenten der Ukraine sein würde. Aber schon in der kommenden Nacht bin ich von Banditen angegriffen worden."

Hals über Kopf floh Janukowitsch zunächst an einen unbekannten Ort in der Moskau mehrheitlich wohlgesonnenen Ost-Ukraine. Inzwischen hält er sich in Russland auf und betrachtet sich ebenso wie seine Unterstützer in der Ukraine nach wie vor als legitimen Präsidenten.

Riskante Eigendynamik

Auch der Westen wurde von der Eigendynamik überrascht, die das Parlament in Kiew eigenmächtig in Gang gesetzt hat. Nachdem 100 Protestler auf dem Maidan getötet worden waren, reiste Steinmeier kurzfristig nach Kiew. Verträge wurden unterzeichnet, eine einvernehmliche Lösung schien gefunden.

Doch dann erklärte das ukrainische Parlament auch die Regierung für abgesetzt. Der vorherige Parlamentspräsident Alexander Turstschinow fungiert als Übergangspräsident. Sein Nachfolger soll am 25. Mai gewählt werden.

Umstrittene Timoschenko

Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko, der an der Übergangslösung mitgewirkt und Janukowitsch die Hand gereicht hatte, hat seine Kandidatur zurückgezogen. Die nach einem umstrittenen Prozess inhaftierte Ex-Premierministerin Julia Timoschenko wurde gleich nach der Entmachtung ihres Erzfeindes freigelassen. Sie will Präsidentin werden, was nicht allen gefällt.

Gegner sehen einen Neuanfang gefährdet. Sie vermuten, dass Timoschenko auf persönliche Macht und Rache sinnt. Auch in Brüssel und Berlin ist nie nicht unumstritten, obwohl dort immer wieder ihre Freilassung gefordert worden war.

Poroschenko gilt als Favorit

Präsidentschaftskandidat Petro Poroschenko hat die frühere Regierungschefin zum Verzicht auf ihre Bewerbung um das höchste Staatsamt aufgefordert. Das Land könne "jetzt keinen schmutzigen Wahlkampf gebrauchen, der am Ende möglicherweise von Russland ausgenutzt wird und eine neue Invasion provoziert", sagte Poroschenko der "Bild", die bislang vor allem als Klitschkos Stimme agierte.

Poroschenko gilt als Favorit der Präsidentschaftswahlen. Für die prorussische Partei der Regionen, der Janukowitsch vorstand, kandidiert der ehemalige Gouverneur der Region Charkiw, Michajlo Dobkin.

Russische Truppen bleiben in Grenzregion

Klitschko unterstützt Poroschenko. Dieser betonte, Timoschenko müsse "verstehen, dass wir nach den vielen Toten am Maidan in einem neuen Land aufgewacht sind, das neue Mentalitäten und neue Politiker verdient hat": An Moskau gewandt warnte der Oligarch eindringlich vor einem Militäreinsatz im Osten der Ukraine. Die Nato schätzt, dass sich bis zu 40.000 russische Soldaten an der Grenze zur ehemaligen Sowjetrepublik aufhalten.

Es wird vermutet, dass Russland einen Landkorridor zur Krim schaffen könnte, nachdem die Schwarzmeer-Halbinsel nun faktisch wieder russisch ist. Möglicherweise geht es auch um mehr. Russland könnte erneut mit Hilferufen seiner Landsleute argumentieren. So gibt es unter anderem im ukrainischen Don-Becken Forderungen, sich Russland anzuschließen.

"Große Verteidigungsbereitschaft"

Poroschenko erklärte: "Wenn Russland die Ostukraine angreift, dann werden wir uns mit allen militärischen Mitteln verteidigen, die uns zur Verfügung stehen." Es gebe "eine große Bereitschaft, unser Land zu verteidigen". Die Annexion der Krim werde Kiew niemals anerkennen.

Timoschenko hatte zuletzt noch schärfere Töne angeschnitten. Notfalls werde sie zur Kalaschnikow greifen und Russlands Präsident Wladimir Putin eine Kugel in den Kopf jagen, hieß es in einem veröffentlichten Mitschnitt.

Die USA erwägen die Entsendung eines Kriegsschiffs in das Schwarze Meer. Viele osteuropäische Staaten fürchten sich vor Moskaus offensiver Außenpolitik und davor, dass Putins Hunger noch nicht gestillt sein könnte. Die Nato verstärkt darum ihre Präsenz und legte die Zusammenarbeit mit Russland auf Eis.

Warnung vor "historischem Fehler"

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen warnte Moskau vor einem "historischen Fehler" für den Fall, dass "Russland in der Ukraine weiter einzugreifen versucht". Er sei "ernsthaft besorgt" über die unverminderte russische Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine.

Der ukrainische Konflikt war an einem Richtungsstreit darüber entbrannt, ob das Land sich enger an die EU oder Russland anlehnen sollte. Mit der amtierenden Übergangsregierung hat Brüssel das durch Janukowitsch abgelehnte Assoziierungsabkommen wieder aufgegriffen. Unterdessen hat auch der georgische Präsident Georgi Margwelaschwili den Wunsch nach einem Nato-Beitritt und einer weiteren europäischen Integration Georgiens bekräftigt.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2019