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Bruch mit dem Westen: Russland sucht die Nähe der Schwellenländer

Bruch mit dem Westen  

Russland sucht die Nähe der Schwellenländer

12.04.2014, 18:36 Uhr | Gernot Hellers, rtr

Bruch mit dem Westen: Russland sucht die Nähe der Schwellenländer. Neue Freunde: Der russische Präsident Wladimir Putin sucht die Nähe zu Indiens Premierminister Manmohan Singh (hier bei einem Treffen in Moskau im Oktober 2013).    (Quelle: Reuters)

Neue Freunde: Der russische Präsident Wladimir Putin sucht die Nähe zu Indiens Premierminister Manmohan Singh (hier bei einem Treffen in Moskau im Oktober 2013). (Quelle: Reuters)

Die Krim-Krise zieht weiter ihre Kreise: Russland sucht sich neue Freunde. Somit könnte eine Annährung zwischen der Regionalmacht im Osten und seinen westlichen Partnern, die seit mehr als zwei Jahrzehnten auf dem Wege ist aber stets durch Konflikte geprägt war, innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht werden. Gewinner des neuen Ost-West-Konfliktes könnten die aufstrebenden Regionalmächte sein.

"Sie (die Russen) sind ein bisschen links liegengelassen worden", schildert ein Delegierter den Umgang der westlichen Staaten mit ihrem schwierigen Partner im Kreis der 20 führenden Industrie-und Schwellenländer (G20) am Rande der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfond (IWF) und Weltbank in Washington. Daher habe Russland auffällig die Nähe der großen Schwellenländer Brasilien, Indien und China gesucht.

Dieses Werben sei nicht umsonst gewesen, sagt der G20-Insider. Gerade die Welt-Wachstums-Lokomotive China, die Präsident Wladimir Putin kürzlich noch in den Vereinten Nationen im Regen stehen ließ, als es um die Eingliederung der Krim ging, habe auf die russischen Avancen offen reagiert.

Ende des russischen Sowohl-als-auch

Damit könnte für Russland das Ende seines Zwitter-Daseins in den obersten Gremien der Weltwirtschaftspolitik näher rücken. Seit gut 15 Jahren gehört das Land der westlich geprägten Gruppe der Industrieländer G8 an, in der die USA und deren engste Verbündete aus Europa, Asien und Nordamerika mit am Tisch sitzen.

Dass Russland rein ökonomisch nicht in dieser Liga spielt, bestritt von Anfang an keiner. Doch das politische Gewicht des Landes überdeckte das. Ein vollwertiges G8-Mitglied aber wurde Russland nie. Wenn unter den Finanzministern globale finanzpolitischen Fragen anstanden, dann blieb der vermeintliche Partner aus Moskau regelmäßig außen vor.

Konzentration auf die G20 als BRICS-Block

Andererseits bildet Russland seit Jahren zusammen mit Brasilien, Indien, China und Südafrika die wohl wichtigste Schwellenländer-Gruppe BRICS. Die macht zwar immer mal wieder mit Kritik am Dominanzstreben der "alten" Wirtschaftsmächte, allen voran den USA, von sich reden.

Zwar haben es die BRICS bisher selten geschafft, ihre unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen und nach außen geschlossen aufzutreten. Die inzwischen zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, China, vermittelte bislang zumeist den Eindruck, willens und in der Lage zu sein, ihre Anliegen auch alleine durchzufechten.

Doch hier scheint sich nun etwas zu ändern. Gleich zwei Tage haben die stellvertretenden Finanzminister der BRICS-Staaten Anfang der Woche ihre Positionen für das IWF-Treffen abgestimmt. Danach trafen sich dann auch noch die Finanzminister. Vieles, was sie bislang nicht auf den Weg gebracht haben, wollen sie jetzt vorantreiben: eine gemeinsame Entwicklungsbank, eine IWF-Reform, die ihnen mehr Einfluss gibt, und vieles mehr.

Weitere Folge des Krim-Konflikts: Europa und USA räumen Differenzen aus

Auch in einer anderen Richtung scheint der Krim-Konflikt etwas zu verändern und für klare Verhältnisse zu sorgen. "Ich bin zuversichtlich, dass die Ukraine-Krise uns helfen wird, die transatlantischen Bindungen zu verstärken und unsere gemeinsamen Interessen wiederzuentdecken", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor dem Rat für außenpolitische Beziehungen in Washington.

Da müsse ganz viel passieren, denn die USA und Europa hätten sich auseinandergelebt. Der Skandal über Ausspähungen des US-Geheimdienstes NSA bei Partnern ist für ihn nur ein Beleg dafür. Schäuble wirft den USA zu viel Dominanzstreben und zu wenig kooperatives Denken vor und mahnt die "Wiedergeburt" der transatlantischen Partnerschaft an.

Das hindert Schäuble aber nicht, in Washington zugleich heftig dafür zu werben, Russland nicht den Stuhl vor die Tür zum Westen zu setzen. Man sollte es Russland nicht zu schwer machen und immer wieder einladen, mahnt der Deutsche.

Doch ob das hilft, weiß er nicht. "Man kann nicht ausschließen, dass die Dinge eskalieren", räumt er ein. Und dann ist Russland endgültig kein Partner mehr, sondern ein Gegner - und der neue Ost-West-Konflikt zementiert.


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