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Offensive in Kiew: Angriff gegen pro-russische Aktivisten

Offensive in Slawjansk  

Zwei ukrainische Hubschrauber abgeschossen

02.05.2014, 11:47 Uhr | dpa, rtr, AFP

Offensive in Kiew: Angriff gegen pro-russische Aktivisten. Offensive in Slawjansk (Quelle: AFP)

Ein ukrainischer Hubschrauber über Slawjansk: Bei einer Offensive ukrainischer Truppen haben Separatisten zwei Militärhubschrauber abgeschossen. (Quelle: AFP)

Ukrainische Regierungstruppen sind mit Hubschraubern und Militärfahrzeugen gegen pro-russische Separatisten im Osten des Landes in die Offensive gegangen. Innenminister Arsen Awakow bestätigte bei Facebook, dass Truppen der Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums bei den Städten Slawjansk und Kramatorsk eine "aktive Phase der Anti-Terror-Operation" begonnen hätten. Angeblich haben die Ukrainer den Bahnhof, neun Kontrollposten und einen Fernsehsender erobert.

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Kiew bestätigt Tod von zwei Hubschrauberpiloten

Das ukrainische Verteidigungsministerium bestätigte den Tod von zwei Hubschrauber-Piloten. Zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 seien von Separatisten mit tragbaren Flugabwehrgeschützen abgeschossen worden. Mehrere Besatzungsmitglieder seien verletzt worden.

Zudem sei auf einen Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 geschossen worden. Dabei habe es keine Verletzten gegeben, hieß es. Dies beweise, dass es sich bei den moskautreuen Kräften nicht um friedliche Demonstranten handele, sondern um gut ausgerüstete Terrorgruppen, betonte die Behörde in Kiew.

Sirenen und Kirchenglocken warnen Einwohner

Wie Ria Nowosti meldete, kreisten am frühen Morgen mehrere Hubschrauber über der Stadt, die von gut ausgerüsteten Regierungstruppen umstellt sei. Die moskautreuen Separatisten hätten die mehr als 100.000 Einwohner mit Sirenen und Kirchenglocken vor dem Sturm gewarnt. Das Mobilfunknetz funktioniere, meldete die russische Staatsagentur Itar-Tass.

Mehrere Mitglieder der moskautreuen "Selbstverteidiger" seien bei Schusswechseln am Stadtrand von Slawjansk verletzt worden, sagte der selbsternannte Bürgermeister und Separatistenführers Wjatscheslaw Ponomarjow der russischen Staatsagentur Ria Nowosti.

Auf Fotos in russischen Medien waren brennende Barrikaden aus Autoreifen zu sehen.

Ponomarjow räumte nach Angaben von Ria Nowosti ein, dass ukrainische Regierungstruppen den örtlichen Fernsehsender erobert hätten. Zu "bild.de" sagte er, die Truppen hätten auch den Bahnhof eingenommen. Innenminister Awakow berichtete von neun übernommenen Kontrollposten. Die Operation laufe wie geplant, behauptete er. Awakow rief die Anwohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen und von den Fenstern fernzubleiben.

Putin: Ukraine zerstört letzte Hoffnung auf friedliche Lösung

Kremlchef Wladimir Putin warf unterdessen der ukrainischen Regierung vor, mit dem Einsatz gegen moskautreue Aktivisten die "letzte Hoffnung" auf die Umsetzung des Genfer Abkommens zu zerstören. Die Führung in Kiew habe in den Kampfmodus geschaltet und greife friedliche Siedlungen an, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Agenturen. Er sprach von einer "Strafaktion" der Regierungstruppen.

Putin habe gewarnt, bei einer solchen Operation handle es sich um ein Verbrechen. "Leider bestärkt die Entwicklung seine Einschätzung völlig", sagte Peskow. Währenddessen bemühe sich Russland um eine Deeskalation und eine Entschärfung des Konflikts. Putin habe am Vorabend den früheren Menschenrechtsbeauftragten Wladimir Lukin als Sonderbeauftragten in die Region geschickt. Seit Beginn der ukrainischen Offensive sei der Kontakt zu Lukin aber abgebrochen.

Die russische Regierung wandte sich wegen der Gefechte auch an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die OSZE solle Maßnahmen zu ergreifen, "um diesen Vergeltungsangriff zu beenden", sagte der russische OSZE-Botschafter Andrej Kelin der Nachrichtenagentur ITAR TASS.

Geiseln offenbar an sichererem Ort

Ponomarjows Kämpfer halten seit einer Woche mehrere Militärbeobachter der OSZE in Slawjansk fest, darunter drei Bundeswehr-Soldaten und einen deutschen Dolmetscher. Die Geiseln seien an einen "sicheren Ort außerhalb der Kampfzone gebracht" worden, sagte Ponomarjow der '"Bild"-Zeitung.

Die ukrainische Führung forderte die pro-russischen Aktivisten erneut zur Freilassung der Geiseln auf. Die moskautreuen Milizen müssten zudem ihre Waffen niederlegen und besetzte Verwaltungsgebäude räumen, schrieb Awakow bei Facebook.

Referendum am 11. Mai geplant

In der Ost-Ukraine werden mittlerweile mehr als ein Dutzend Städte von pro-russischen Kräften kontrolliert. Diese lehnen die nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch gebildete ukrainische Regierung ab und fordern eine föderative Lösung für das Land.

Ihr Ziel ist mehr Autonomie für die überwiegend russischsprachigen Gebiete bis hin zu einer Eingliederung in die Russische Föderation - wie mit der Schwarzmeerhalbinsel Krim geschehen.

Die Aktivisten wollen am 11. Mai mit einem Referendum über eine Abspaltung des ostukrainischen Gebiets Donezk von der Ex-Sowjetrepublik entscheiden lassen.

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