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NSU-Prozess: Handy-Spuren verraten Terrorhelfer André E.

Codename für Zschäpe  

Handy-Daten verraten NSU-Helfer André E.

29.05.2014, 09:54 Uhr | dpa

NSU-Prozess: Handy-Spuren verraten Terrorhelfer André E.. NSU, NSU-Prozess (Quelle: dpa)

Der mitangeklagte André E. soll das NSU-Trio massiv unterstützt haben (Quelle: dpa)

Im NSU-Prozess ist der Mitangeklagte André E. erneut in den Fokus gerückt. Die Anklage wirft ihm vor, einer der treuesten Helfer des bis 2011 untergetauchten NSU-Trios zu sein. André E. soll bis zum Schluss den Kontakt mit den drei mutmaßlichen NSU-Terroristen gehalten und der Hauptangeklagten Beate Zschäpe bei der Flucht geholfen haben.

Kriminalbeamte sagten als Zeugen vor dem Oberlandesgericht München aus, sie könnten nach Auswertung tausender Handy-Verbindungsdaten viele Telefonate und SMS zwischen André E. und der Zschäpe nachweisen.

BKA hörte Handys ab

Die Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA) und der bayerischen Polizei hatten sich auf die letzten Monate vor dem Auffliegen des Trios am 4. November 2011 konzentriert. AN diesem Tag starben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in ihrem brennenden Wohnmobil in Eisenach und Beate Zschäpe setzte in Zwickau die konspirative Wohnung in Brand und floh.

Am Nachmittag dieses Tages habe André E. drei Anrufe von einem Handy bekommen, das mutmaßlich von Zschäpe verwendet worden sei, sagte ein BKA-Beamter. Zwei weitere Anrufe seien von ihm ausgegangen.

Die Anklage wirft E. vor, dass er Zschäpe bei der Flucht geholfen hat. Er soll sie in seinem Auto zum Bahnhof gefahren haben. Zschäpe war dann mehrere Tage scheinbar ziellos mit der Bahn in Deutschland unterwegs.

Codenamen für Zschäpe und Böhnhardt verwendet

Ein weiterer Ermittler berichtete, E. müsse anschließend nach Potsdam gefahren sein. Sein Handy sei in den Funkzellen entlang der Autobahn A9 eingelogged gewesen. In Potsdam habe er wohl einen Anwalt aufgesucht. Am nächsten Tag habe er einem Bekannten jedenfalls dessen Visitenkarte gezeigt.

Als Beleg für das enge Verhältnis zwischen E. und Zschäpe werten die Ermittler auch mehrere SMS, die E. an seine Ehefrau schickte. In einer heißt es: "Ich fahr' gerade Lisl und Geri wo hin, Mausi". Die Spitznamen "Lisl" und "Geri" stehen nach Erkenntnis der Strafverfolger für Zschäpe und Uwe Böhnhardt. Diese SMS verschickte E. am 25. Oktober 2011, also nur neun Tage vor dem Auffliegen des NSU-Trios.

Für die Auswertung standen den Spezialisten die Verbindungsdaten von 8900 Handy-Telefonaten und die teils aufwendig rekonstruierten Speicherdaten aus mehreren Handys zur Verfügung. Auffällig sei, dass sich ab dem 4. November keine SMS mehr auf den Handys von E. und seiner Frau gefunden hätten. Sonst hätten beide täglich viele Kurznachrichten verschickt und bekommen.

Verteidiger fordern U-Haftentlassung für Wohlleben

Das NSU-Trio soll aus Fremdenhass und Hass auf den Staat neun Menschen mit Migrationshintergrund und eine Polizistin ermordet haben.

Die Verteidiger des als Helfer mitangeklagten Ralf Wohlleben beantragten unterdessen die Entlassung ihres Mandanten aus der Untersuchungshaft. Seine Anwältin sagte, das Gericht lasse sich zu viel Zeit und habe wichtige Zeugen bis heute nicht vernommen. Die inzwischen zweieinhalb Jahre lange U-Haft-Dauer sei unverhältnismäßig.

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