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Spur in Kindermord führt zu NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt

Staatsanwalt ermittelt  

Neue Spur in Kindermord führt zur NSU

17.06.2014, 18:32 Uhr | dpa

Spur in Kindermord führt zu NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt. Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos - die neue Spur eines alten Falles führt wieder in das NSU-Umfeld. (Quelle: dpa)

Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos - die neue Spur eines alten Falles führt wieder in das NSU-Umfeld. (Quelle: dpa)

Am 6. Juli 1993 wurde die Leiche eines neun Jahre alten Jungen am Saale-Ufer in Jena gefunden. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft neu. Unter Verdacht: Der inzwischen tote NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt und einer seiner Jugendfreunde.

Vor fast 21 Jahren verschwand der neun Jahre alte Schüler Bernd Beckmann aus Jena. Zwölf Tage später wurde seine Leiche in einem Gebüsch am Ufer der Saale gefunden. Bis heute ist ungeklärt, wer das Kind ermordet hat. Aber seit wenigen Monaten wird in dem Fall wieder ermittelt, wie jetzt bekannt wurde. Die Staatsanwaltschaft verfolgt eine alte Spur neu. Sie führt zu dem mutmaßlichen NSU-Mörder Uwe Böhnhardt und zu dem mutmaßlichen Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds", Enrico T..

Er "steht auf kleine Kinder"

Anlass des neuen Verfahrens seien "verbesserte Möglichkeiten, Spuren auszuwerten", sagt Staatsanwalt Jens Wörmann. Was er damit im Detail meint, will er nicht verraten. Als Geheimnis hüten die Ermittler auch die Umstände des Todes von Bernd Beckmann, ebenso die Frage, ob der Junge sexuell missbraucht worden war. Diese Details zählten zum "Täterwissen" und könnten für die Fahnder noch wertvoll sein, erläutert Wörmann.

Die neuen Ermittlungen brachten aber nicht nur verbesserte Auswertungsmethoden ins Rollen, sondern auch die zahlreichen Vernehmungen zu den Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Wenige Monate nach dem Auffliegen des NSU-Trios und dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten die Fahnder einen Aussteiger aus der Jenaer Szene ausfindig gemacht. Dieser Mann behauptete, Enrico T. "steht auf kleine Kinder".

Der verdächtige Außenborder

T. war aus einem weiteren Grund schon kurz nach dem Auffinden der Kinderleiche unter Verdacht geraten. Nur wenige Meter von dem Toten entfernt lag ein weißer Außenbordmotor. Wie sich herausstellte, gehörte er Enrico T.

T. bestritt in einem Verhör im Jahr 2012 aber vehement, mit dem Kindermord etwas zu tun zu haben. Sein Boot mitsamt Außenbordmotor sei ihm gestohlen worden. Er habe es vor dem Verschwinden des Jungen eine Woche lang vergeblich gesucht.

Mitglieder in derselben Jugendbande

Der einzige, der gewusst habe, wo es lag, sei Böhnhardt gewesen. Beide seien häufig zusammen auf der Saale herumgefahren. Dann sei die Freundschaft zu ihm aber zerbrochen. Als er von den Morden des NSU-Trios gelesen habe, habe er vermutet, Böhnhardt könne Bernd Beckmann ermordet und versucht haben, ihm die Tat "in die Schuhe zu schieben".

Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der 90er Jahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell. Böhnhardt wurde im Februar 1993 wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im Juni 1993, wenige Wochen vor dem Verschwinden Bernd Beckmanns, kam er frei. Im August darauf, nur wenige Tage, nachdem Beckmanns Leiche am Saale-Ufer gefunden wurde, stand er erneut vor Gericht. Enrico T. fiel 1993 ebenfalls mit seiner ersten schweren Straftat auf. Er soll versucht haben, mit einem gestohlenen Radlader die Front einer Bank zu durchbrechen.

T. spielt auch bei den Ermittlungen der NSU-Mordserie eine Rolle. Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass er daran beteiligt war, die Tatwaffe vom Typ "Ceska" zu beschaffen. Mit dieser Waffe begingen Böhnhardt und Mundlos nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft neun der zehn Morde, die ihnen bislang zugeschrieben werden.

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