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Absturz von MH 017: Blackbox offenbar in den Händen der Separatisten

Absturz von MH 017  

Blackbox offenbar in den Händen der Separatisten

18.07.2014, 07:17 Uhr | dpa, t-online.de

Absturz von MH 017: Blackbox offenbar in den Händen der Separatisten. Die Absturzstelle von MH017 in der Ostukraine: Pro-Russische Separatisten sind schon vor Ort (Quelle: AP/dpa)

Die Absturzstelle von MH017 in der Ostukraine: Pro-Russische Separatisten sind schon vor Ort (Quelle: AP/dpa)

Einen Tag nach dem mutmaßlichen Abschuss einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine mit fast 300 Toten behauptet der Sprecher der pro-russischen Separatisten. "Die Black Box wurde sichergestellt". Offenbar machen die USA und die Ukraine eben diese Aufständischen für die Flugzeugkatastrophe verantwortlich: Die Maschine sei "vom Himmel geholt worden", sagte Vizepräsident Joe Biden nach Angaben des TV-Senders MSNBC.

Das entspricht der Einschätzung des US-Geheimdienstes, der von einem Raketenbeschuss ausgeht. Die "Washington Post" zitierte einen namentlich nicht genannten Geheimdienstbeamten.

Bei der Rakete habe es sich um eine Boden-Luft-Rakete gehandelt, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Experten der US-Regierung. Das Flugzeug sei auf einer Höhe von 9100 Meter geflogen, hieß es unter Berufung auf Daten eines Spionagesatelliten der US-Streitkräfte.

Suche nach dem Abschussort

Der Satellit liefere aber keine Informationen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Experten von Militär und Geheimdienst seien aber dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Derweil sicherten zwar die Aufständischen den Einsatzkräften und Ermittlern freien Zugang zum Wrack zu, wie die "Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (OSZE) in Wien mitteilte. Die Separatisten boten am Abend eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten an.

Sorge um unabhängige Untersuchung

Dennoch forderte US-Präsident Barack Obama mit Nachdruck: Es müsse eine internationale Untersuchung der Ursache für den Absturz über der von Rebellen kontrollierten Region geben.

In einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Poroschenko sagte Obama, am Ort des Absturzes dürfe nichts verändert werden, bis internationale Experten "alle Aspekte der Tragödie" untersuchen können.

Zugleich sicherte der US-Präsident sofortige Hilfe von US-Experten zu, teilte das Weiße Haus weiter mit. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, die EU und die Nato verlangten eine internationale Untersuchung. Experten der OSZE machten sich auf den Weg zum Wrack.

In der Ostukraine erreichten Rettungskräfte am Donnerstagabend das Wrack des Flugzeugs in der Nähe der Ortschaft Grabowo. "Die Arbeiten werden davon erschwert, dass die Trümmer in großem Umkreis verstreut sind", sagte der Sprecher des ukrainischen Notfalldienstes, Sergej Botschkowski. Zudem seien bewaffnete Separatisten in der Nähe.

Vorwürfe von allen Seiten

Unterdessen machen sich Russland und die Ukraine gegenseitig für die Flugzeugkatastrophe verantwortlich: Der Ukrainische Präsident Petro Olexijowytsch Poroschenko sprach von einem "terroristischen Akt". Er warf den prorussischen Separatisten vor, die Boeing mit einer Rakete abgeschossen zu haben - wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge.

Russlands Präsident Wladimir Putin gab der Ukraine indirekt die Schuld: Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagte der Kremlchef.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es sei angesichts der schweren Gefechte in der Region für die ukrainische Führung unmöglich, in so kurzer Zeit den eigenen Einsatz von Raketen glaubhaft auszuschließen. Die ukrainische Luftwaffe hat nach den Worten Poroschenkos mit der Tragödie nichts zu tun.

Luftraum gesperrt

Der Luftraum über der Ostukraine wurde nach dem Absturz nahe Donezk gesperrt. Das hätten die ukrainischen Behörden kurz nach dem Absturz nahe Donezk beschlossen, teilte die europäische Organisation für die Luftverkehrskontrolle Eurocontrol mit. Die Maßnahme gelte vorerst unbefristet.

Der Vizepräsident der Malaysia Airlines Europe, Huib Gorter, sagte am Abend am Amsterdamer Flughafen Schiphol, dass vier deutsche Passagiere ums Leben gekommen seien. Vom Auswärtigen Amt in Berlin gab es dafür zunächst auf Anfrage keine Bestätigung.

Die Unglücksmaschine war am Donnerstag als Flug MH 017 um 12.15 Uhr von Amsterdam mit dem Ziel Kuala Lumpur gestartet. An Bord waren auch 27 Australier, 23 Malaysier, elf Indonesier, neun Briten, fünf Belgier, vier Deutsche, drei Philippiner und ein Kanadier. Von den anderen Passagieren stehe die Nationalität noch nicht fest, so der Manager.

Niemand der 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder überlebte den Absturz aus etwa 10.000 Meter Flughöhe. Unter ihnen befanden sich Aids-Aktivisten. Sie waren auf dem Weg zum Welt-Aids-Kongress im australischen Melbourne, wie die International Aids Society mitteilte.

Es ist der zweite schwere Schlag für Malaysia Airlines innerhalb von Monaten. Im März verschwand Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Wochenlange Suchen im Pazifik nach dem Wrack blieben erfolglos.

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