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"Ein Monster, das Putin schuf"

Pressestimmen zum Ukraine-Absturz  

"Ein Monster, das Putin schuf"

18.07.2014, 14:46 Uhr | dpa, t-online.de

. Der Absturz der Passagiermaschine über der Ukraine beschäftig die Weltpresse. (Quelle: Reuters)

Der Absturz der Passagiermaschine über der Ukraine beschäftig die Weltpresse. (Quelle: Reuters)

Der Absturz der Passagiermaschine MH17 in der Ukraine rückt die Probleme des Landes mit einem lauten Knall wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Jede Menge Fragen sind unbeantwortet: Wurde die Maschine abgeschossen? Wenn ja, wer ist dafür verantwortlich?

Endgültige Antworten darauf hat auch die internationale Presse nicht. Doch fast überall wird die Katastrophe als Wendepunkt in der Ukraine-Krise angesehen. Der "Figaro" spricht von dem "einen Schuss zu viel", "de Volkskrant" befürchtet sogar die "Rückkehr in die dunkle Zeit des Kalten Krieges". Eine Schlüsselrolle fällt nach Meinung großer Teile der Presse dem russischen Präsident Wladimir Putin zu. Die "Süddeutsche Zeitung" sprich sogar von einem "Monster, das Putin schuf".

Deutsche Pressestimmen

"Frankfurter Rundschau": "Nun könnten russische Streitkräfte ukrainische Flugzeuge abgeschossen haben. Wenn das zutrifft, steht die Region vor einem Flächenbrand. Es ist keine Frage, wer für eine solche Katastrophe die Verantwortung trägt: Wladimir Putin. Russland rüstet die Separatisten auf und lässt es zu, dass immer mehr schießwütige Söldner und Kriminelle ins Nachbarland eindringen. In dieser Situation kommt der Politik des Westens eine entscheidende Bedeutung zu."

"Süddeutsche Zeitung": "Das Monster, das Putin schuf. [...] Wladimir Putin hat jetzt die vielleicht letzte Chance, diesem Krieg eine Wende zu geben, indem er den Separatisten die Unterstützung entzieht und den mutmaßlichen Abschuss zum Anlass nimmt, zur Politik zurückzukehren. Der Präsident hat einen Geist aus der Flasche gelassen, der sich in ein Monster verwandelt hat. Trägt er noch einen Funken Vernunft im Leib, dann muss er jetzt der Ukraine ihren Frieden geben."

"taz": "In den letzten Wochen hatte sich die internationale Aufmerksamkeit von den schweren Kämpfen zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den Separatisten im Osten des Landes abgewendet. Irak und Gaza beherrschten die Schlagzeilen, nicht mehr die Krim und Donezk. [...] All das geht jetzt nicht mehr. Es sterben im Krieg im Donbass nicht mehr nur ukrainische Bewaffnete, sondern zivile Flugpassagiere – aus den Niederlanden und Australien, aus den USA und Großbritannien und anderen Ländern. Die Regierungen, deren Bürger jetzt tot in der Ostukraine liegen, können nicht mehr wegschauen."

Internationale Pressestimmen

"Guardian" (Großbritannien): "Die Raketenattacke auf den malaysischen Passagierjet, die 298 Menschen getötet hat, beinhaltet den Typ weitreichender und schädlicher weltweiter Verwicklungen, den man von den schlimmsten der vergangenen Terror-Verbrechen kennt. [...] Kriege sind schon wegen weit, weit weniger ausgebrochen. Wie der australische Premierminister Tony Abbott zu der Nachricht sagte, dass 27 seiner Landsleute an Bord waren: 'Wenn dies ein Verbrechen ist und kein Unfall, nun, dann ist es ein unaussprechliches Verbrechen.'"

"De Volkskrant" (Niederlande): "Wenn sich erweist, dass tatsächlich die Aufständischen für den Abschuss des Flugzeugs verantwortlich sind, wird zweifellos ein diplomatischer Sturm gegen Moskau losbrechen. Der US-Senator John McCain forderte bereits, dass Moskau einen 'verdammt hohen Preis' zahlen müsse, sollte sich zeigen, dass seine Handlanger die Katastrophe verursacht haben. Der Kreml steht vor einer schwierigen Entscheidung. Er kann die Rebellen fallen lassen, die Grenze dicht machen für Waffenlieferungen und freiwillige Kämpfer, und dann zuschauen, wie die ukrainische Armee den Aufstand niederschlägt. Für Putin wäre das eine bittere Pille. Aber die Alternative ist auch unangenehm: die Rückkehr in die dunkle Zeit des Kalten Krieges."

"Le Figaro" (Frankreich): "Das ist ein Wendepunkt in der Ukraine-Krise. Wenn es sich als wahr herausstellt, dass die im Osten der Ukraine abgestürzte malaysische Boeing 777 von einer Rakete abgeschossen wurde, wird es ein vor dem 17. Juli und ein nach dem 17. Juli geben. Eine solche Tat wäre ein unverzeihliches Verbrechen und ein kapitaler Fehler. [...] Manchmal gibt es in Konflikten einen Schuss zu viel."

"Le Télégramme" (Frankreich): "Die wahrscheinlichste Annahme ist, dass die Explosion durch eine Rakete ausgelöst wurde, aber woher kam sie und wer hat sie abgeschossen? Das ist zu diesem Zeitpunkt ein Rätsel, während sich die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine und die Regierung in Kiew gegenseitig dieser verbrecherischen Operation beschuldigen. Es wird Zeit brauchen, um eine Antwort zu bekommen, aber es wird sie geben. Die westlichen Militärkräfte, genauso wie die Nato, überwachen nun die Gegend [...] Eine unabhängige internationale Untersuchung ist geboten."

"Sydsvenskan" (Schweden): "Wenn sich herausstellt, dass russische Separatisten hinter dem Crash der MH17 stecken, trägt Russland eine große Verantwortung. Die Waffen, die vermutlich verwendet wurden, waren teuer und anspruchsvoll. Der Konflikt hat nun Europa näher an die Krise gerückt, die seit fast vier Monaten auf der politischen Agenda ist. In den letzten Tagen begann der Boden unten den Füßen der pro-russischen Rebellen zu brennen, was Russland dazu bewegt hat, seine Truppenpräsenz an der russisch-ukrainischen Grenze zu erhöhen. Das Ergebnis davon ist wahrscheinlich das, was jetzt geschieht."

"Hospodarske noviny" (Tschechien): "Die grundlegende Frage, die sich nach der Tragödie in der Ukraine stellt, lautet nicht, wer war schuld, sondern: Wer hat den Schlüssel dazu, nach dem sinnlosen Tod von dreihundert Zivilisten diesen Krieg zu beenden? Die Nato kann nicht direkt in der Ukraine eingreifen. Doch so wie Wladimir Putin die ukrainischen Separatisten und den ganzen dortigen Konflikt militärisch, logistisch und propagandistisch unterstützt, so einfach und unmittelbar kann er die Aufständischen zu einer Waffenruhe und Friedensverhandlungen bewegen. Wenn der Westen nicht das Gesicht verlieren will, muss er Putin dazu zwingen."

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