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Flug MH17: Betrug mit den Kreditkarten der Absturzopfer

Verdacht des Bankenverbands  

Betrug mit den Kreditkarten der Absturzopfer

19.07.2014, 21:41 Uhr | dpa, AFP

Flug MH17: Betrug mit den Kreditkarten der Absturzopfer . Wurden an der Absturzstelle Kreditkarten der Verunglückten von MH17 entwendet? (Quelle: AP/dpa)

Wurden an der Absturzstelle Kreditkarten der Verunglückten von MH17 entwendet? (Quelle: AP/dpa)

Schrecklicher Verdacht: Der niederländische Bankenverband teilte mit, es gebe Berichte, wonach Kreditkarten von Absturz-Opfern vom Trümmerfeld "gestohlen" worden sein. Demnach hätten die Täter versucht, mit den Karten der verunglückten Passagiere Geschäfte zu machen. Mögliche illegale Abbuchungen würden den Angehörigen ersetzt, so die niederländischen Banken.

Mittlerweile sind Vorsichtsmaßnahmen gegen den möglichen Kreditkarten-Betrug eingeleitet worden. Unter den 298 Toten der abgeschossenen malaysischen Passagiermaschine waren 192 Niederländer.

Vernichten die Separatisten Beweismittel?

Unterdessen hat die ukrainische Regierung den pro-russischen Separatisten vorgeworfen, Beweise am Absturzort zu vernichten. Die Aufständischen wollten mit Lastwagen Wrackteile über die russische Grenze bringen. Zudem hätten die militanten Gruppen 38 Leichen von der Absturzstelle nach Donezk geschafft.

Die Separatisten wollten "Beweise ihrer Mitwirkung an dem Unglück vertuschen", hieß es in der Mitteilung. Bereits zuvor hatten die Aufständischen verhindert, dass sich die internationalen OSZE-Beobachter frei an der Absturzstelle bewegen können. Die Leichen wollten sie offenbar selbst obduzieren lassen, hieß es.

Separatisten bringen Leichen weg

Unterdessen haben die Separatisten den Abtransport sterblicher Überreste von der Absturzstelle bestätigt. "Einige Dutzend Leichen", die mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen hätten, seien "in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern" nach Donezk gebracht worden, sagte der Rebellensprecher Sergej Kawtaradse.

"Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen", sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben.

"Rebellen haben alles weggebracht"

Auch die malaysische Regierung beklagt mangelnde Schutzvorkehrungen am Absturzort: "Es gibt Hinweise, dass wichtiges Beweismaterial nicht am Ort gesichert wird", sagte Verkehrsminister Liow Tiong Lai in Kuala Lumpur.

Ukrainische Rettungskräfte haben nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine bislang 186 Leichen entdeckt. Ein Großteil der rund 25 Quadratkilometer großen Absturzfläche sei bereits abgesucht worden, teilte ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums mit. Die Aufständischen hätten den Rettungskräften zwar erlaubt, nach den Opfern zu suchen, aber: "Die Rebellen haben alles weggebracht, was sie gefunden haben."

OSZE untersucht erstmals vor Ort

Erstmals konnte eine OSZE-Expertengruppe über längere Zeit den Unfallort untersuchen. "Wir waren drei Stunden lang an der Absturzstelle und konnten uns freier bewegen als gestern", berichtete eine Sprecherin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa aus Donezk.

Zuvor hatten sich die Experten über massive Einschränkungen durch bewaffnete Kämpfer der pro-russischen Separatisten beschwert.

Eine Sprecherin der Organisation hatte zuvor gesagt, die Beobachter seien am Freitag zwar nahe an die Absturzstelle herangekommen und hätten auch Wrackteile gesehen. Frei bewegen können hätten sie sich aber nicht. Bewaffnete hielten sie demnach auf, ein den Beobachtern angekündigter Anführer sei nicht erschienen.

Keine tragbare Rakete

Die Boeing 777-200 kann nach Ansicht von US-Experten nur von einer hoch komplexen Waffe getroffen worden sein. Wie die Zeitung "Wall Street Journal" schrieb, reichten tragbare Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, nicht aus, ein Verkehrsflugzeug in 10.000 Metern Höhe zu treffen.

Das in den 1980er-Jahren entwickelte Lenkwaffen-System "Buk" (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. In Medienberichten hieß es, die Separatisten seien im Besitz der Waffe. Die pro-westliche Führung der Ukraine wies dies zurück. Aus Sicht Kiews führt die Spur deshalb nach Russland. Aus Moskau kam umgehend das Dementi. Russland habe weder das Flugabwehrsystem noch sonstiges Kriegsgerät in das Nachbarland geschafft, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Malaysias Transportminister hat unterdessen Medienberichte zurückgewiesen, das abgestürzte Flugzeug sei womöglich vom Kurs abgewichen. "Die Flugroute war so etwas wie eine Autobahn am Himmel", sagte Liow Toing Lai in Kuala Lumpur. "Es war eine Route, die die internationalen Luftfahrtbehörden festgelegt haben. ... Die Maschine ist nie in gesperrtem Luftraum geflogen", versicherte er. Alle Beteiligten hätten alle Regeln eingehalten.

Deutschland an Bergung beteiligt

Deutschland beteiligt sich an einem Einsatz zur Bergung und Identifizierung der Opfer. Das Bundeskriminalamt wird dazu zunächst zwei Experten entsenden. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol schickt nach eigenen Angaben ein Spezialteam.

Über dem umkämpften Osten der Ukraine war am Donnerstag eine Passagiermaschine mit etwa 300 Menschen an Bord abgestürzt. Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie etwa 40 Kilometer von der ukrainisch-russischen Grenze entfernt verunglückte.

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