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Flug MH17: Wo sind die 196 geborgenen Leichen?

Verwirrung um MH17-Opfer  

Wohin werden die 196 Leichen gebracht?

20.07.2014, 13:47 Uhr | t-online.de, dpa, AP

Flug MH17: Wo sind die 196 geborgenen Leichen?. In diesen Kühlwaggons auf dem Bahnhof in Torez sollen die Leichen der Opfer von Flug MH17 liegen. (Quelle: Reuters)

In diesen Kühlwaggons auf dem Bahnhof in Torez sollen die Leichen der Opfer von Flug MH17 liegen. (Quelle: Reuters)

Tage nach dem Absturz der Passagiermaschine im Osten der Ukraine entspinnt sich ein Drama um den Umgang mit den Opfern und die Aufklärung der Katastrophe.

Pro-russische Separatisten sollen nach Darstellung der ukrainischen Behörden alle 196 geborgenen Leichen vom Absturzort der Malaysia-Airlines-Maschine MH17 an einen unbekannten Ort gebracht haben. Dies teilte die ukrainische Katastrophenschutzbehörde mit.

Abtransport auf Lastwagen und Zügen

Ukrainische Rettungskräfte seien gezwungen worden, die Leichen zu übergeben, sagte Behörden-Sprecherin Natalia Bystro. Der Helfer Alexander Piljuschni bestätigte der Nachrichtenagentur AP, seine Kollegen und er hätten keine Wahl gehabt und die Leichen an die Separatisten übergeben. "Sie sind bewaffnet und wir sind es nicht", sagte er. "Die Rebellen kamen, luden die Körper auf Lastwagen und brachten sie irgendwo hin", schilderte er.

Eine Sprecherin der internationalen Beobachter, Iryna Gudyma, teilte mit, einige der Leichen seien auf Zügen in der 15 Kilometer entfernten Stadt Tores gesehen worden. Eine Mitarbeiterin am Bahnhof in Tores bestätigte, die Leichen seien auf gekühlte Waggons geladen worden und sollten nach Ilowajsk 35 Kilometer weiter östlich gebracht werden. Die Separatisten waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Kurz zuvor hatte es noch geheißen, die Regierung habe sich mit den Rebellen darauf geeinigt, die Todesopfer unter internationaler Beobachtung an einen sicheren Ort zu bringen. Möglicherweise war damit die etwa 300 Kilometer entfernte Großstadt Charkow gemeint. Dort sei eine Untersuchungskommission eingerichtet worden. In Charkow seien zudem Hunderte Hotelzimmer für Angehörige und Hinterbliebene der Opfer reserviert.

Rebellen behindern Bergungsarbeiten

Am Absturzort selbst war der Verwesungsgeruch noch am Samstag unverkennbar. Dutzende Leichen lagen in Säcken am Rande einer Straße in der brütenden Sommerhitze. Am Sonntag sahen AP-Reporter keine Leichen mehr, Helfer suchten nach Körperteilen.

Die Arbeiten der Hilfskräfte würden jedoch von bewaffneten Rebellen überwacht und erheblich behindert, sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums in Kiew. Der ukrainische Vize-Regierungschef Wladimir Groisman sprach von bis zu 900 Aufständischen rund um die Absturzstelle in der Nähe der Ortschaft Grabowo.

Die USA zeigten sich besorgt über die mangelnde Kooperation der Rebellen. Das Außenministerium kritisierte laut Sprecherin Jen Psaki , dass den mit der Untersuchung der Katastrophe betrauten Fachleuten am Freitag nur 75 Minuten und am Samstag weniger als drei Stunden zur Begutachtung der Trümmer gewährt wurden.

An den Arbeiten beteiligen sich nach Angaben der ukrainischen Regierung etwa 380 Mitarbeiter des ukrainischen Bergungsdienstes. Darunter sind auch Taucher, die einen nahen See absuchen. Der Bereich der Bergungsarbeiten sei von 25 auf 34 Quadratkilometer ausgeweitet worden, hieß es.

Granatenangriff aus Russland?

Zudem behauptet die Regierung in Kiew, dass ukrainische Stellungen in der Nacht zum Sonntag zwei Mal von Russland aus mit Mörsergranaten beschossen worden sein. Die Angriffe seien kurz nach Mitternacht (Ortszeit) verzeichnet worden und dann noch einmal etwa zwei Stunden später, hieß es auf einer von der Regierung eingerichteten Facebook-Seite.

Die Maschine der Malaysia Airlines war am Donnerstag über dem zwischen Rebellen und der ukrainischen Regierung umkämpften Gebiet an der russischen Grenze abgestürzt. Nach ukrainischen und amerikanischen Erkenntnissen wurde sie mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Die Ukraine und die Separatisten beschuldigen sich gegenseitig, dafür verantwortlich zu sein.

Die Ukraine kämpft im Osten des Landes gegen pro-russische Separatisten. Sie wirft Russland vor, die Rebellen zu unterstützen. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

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