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Drama um MH17: Washington hält Russland für mitschuldig an Abschuss

Drama um MH17  

Kerry: "Augenblick der Wahrheit für Putin"

20.07.2014, 18:13 Uhr | AFP

Drama um MH17: Washington hält Russland für mitschuldig an Abschuss. Der US-Außenminister ist überzeugt: Separatisten waren für den Absturz von MH17 verantwortlich - und Russland trägt dafür eine Mitverantwortung  (Quelle: Reuters)

Der US-Außenminister ist überzeugt: Separatisten waren für den Absturz von MH17 verantwortlich - und Russland trägt dafür eine Mitverantwortung (Quelle: Reuters)

Die US-Regierung hat Russland eine Mitverantwortung für den Absturz des malaysischen Verkehrsflugzeugs mit 298 Insassen in der Ost-Ukraine zugewiesen. Es sei "ziemlich klar", dass das gegen Flug MH17 eingesetzte Abschusssystem "von Russland in die Hände der Separatisten gelangte", sagte US-Außenminister John Kerry.

"Wir haben Bilder vom Raketenabschuss, wir wissen über die Flugbahn Bescheid", sagte Kerry dem Sender NBC. Ferner gebe es Aufnahmen von "prahlenden" Separatisten nach dem "Abschuss".

"Betrunkene Separatisten"

Das Verhalten der pro-russischen Rebellen am Absturzort der Boeing nannte Kerry "grotesk". Sie behinderten die Arbeit der Ermittler. "Betrunkene Separatisten" würden "ohne jede Zeremonie" Leichen aufeinanderstapeln und "Spuren verwischen".

Die US-Geheimdienste hätten vor gut einer Woche Hinweise darauf erhalten, dass die Boden-Luft-Raketen den pro-russischen Rebellen zur Verfügung gestellt worden seien. Das berichtete die "Washington Post". Der ukrainische Geheimdienstchef Witali Najda habe berichtet, dass eine Batterie des Systems Buk mit einer fehlenden Rakete am Freitag früh die Grenze nach Russland überquert habe.

Fakten belegen russische Unterstützung

"Das ist Augenblick der Wahrheit für Putin", sagte Kerry dem Sender CNN. Es sei an der Zeit, dass Russland "Teil der Lösung und nicht länger Teil des Problems" sei, fügte er hinzu.

Es gebe eine enorme Menge von Fakten, die die russische Verbindung zu den Separatisten belegten. Dazu gehörten die Ausbildung und die Versorgung der Rebellen mit Waffen.

Leichen lagern in Kühlzug

Trotz wiederholter Aufforderungen aus dem Ausland gewährten die Rebellen erneut internationalen Experten keinen freien Zugang zum Absturzort und zu den Leichen. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte, die pro-russischen Rebellen hätten sie darüber unterrichtet, dass 169 Leichen in einen Kühlzug gebracht worden seien.

Borodaj rechtfertigte das Verfrachten der Leichen in den Zug. Das sei aus "Respekt" für die Hinterbliebenen erforderlich gewesen, weil es in dem Absturzgebiet wilde Tiere gebe und weil die Leichen bei großer Hitze schnell verwesten.

Die Markierungsstöcke an den Stellen, wo die Leichen gefunden worden waren, sind nach Augenzeugenberichten jedoch verschwunden.

Merkel, Cameron und Hollande drohen Putin

Großbritannien, Frankreich und Deutschland verlangen gemeinsam einen freien Zugang zur Absturzstelle. Der russische Präsident Wladimir Putin müsse sich bei den Separatisten dafür einsetzen, dass unabhängige Experten der Zugang gewährt werde. Das fordern der britische Premierminister David Cameron, der französische Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Regierungschefs warnten: Falls Russland die "erforderlichen Maßnahmen" nicht "sofort" treffe, werde der Rat der EU-Außenminister am Dienstag "Konsequenzen" ziehen.

Poroschenko: Separatisten plündern Opfer

Unterdessen hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in einem Telefonat Bundeskanzlerin über den aktuellen Stand der Ermittlungen informiert. Dabei warf er den Separatisten die Plünderung der Absturzstelle in der Ostukraine vor. "Der Diebstahl von Kreditkarten und anderer persönlicher Gegenstände - das, was die Terroristen mit den Körpern der Opfer machen - ist außerhalb des Rahmens der menschlichen Moral", sagte Poroschenko.

Der pro-westliche Staatschef warf Russland erneut vor, die Aufständischen mit schweren Waffen zu versorgen.

Rebellen haben wohl die Black Box

Die pro-russischen Aufständischen fanden nach eigenen Angaben am Absturzort "Flugzeugteile, die Black Boxes ähneln". Die gefundenen Teile könnten sie nicht selbst untersuchen, weil sie dafür keine Spezialisten hätten, sagte Rebellenführer Alexander Borodaj in Donezk.

Ukrainischen Ermittlern brächten die Rebellen "kein Vertrauen" entgegen, das Material könne jedoch "internationalen" Ermittlern übergeben werden.

Deutsche Experten zum Unglücksort geschickt

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden bereits 219 Leichen und 28 "Fragmente" nahe der Ortschaft Grabowo gefunden. Die Fläche der Sucharbeiten wurde von 35 auf 50 Quadratkilometer erweitert. Rund 200 Helfer und etwa 800 Freiwillige waren im Einsatz.

Unterdessen entsandte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) deutsche Experten in die Ukraine, die die Untersuchungen zum Absturz von MH17 begleiten sollen. Nach Angaben des Ministeriums brachen der Direktor der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, Ulf Kramer, und ein weiterer Mitarbeiter der Behörde in Richtung der Absturzstelle auf.

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