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Ukraine-Krise: Russland verdoppelt Zahl der Soldaten an Grenze

Ukraine-Konflikt  

Russland verdoppelt Truppenstärke an Grenze

05.08.2014, 12:50 Uhr | dpa

Ukraine-Krise: Russland verdoppelt Zahl der Soldaten an Grenze. Ein massiver russischer Truppenaufmarsch befeuert die Spannungen in der Ukraine-Krise (Quelle: Reuters/Archivbild)

Ein massiver russischer Truppenaufmarsch befeuert die Spannungen in der Ukraine-Krise (Quelle: Archivbild/Reuters)

Russland hat die Zahl seiner Soldaten an der Grenze zur Ukraine fast verdoppelt. Das berichtete die "New York Times" unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter. Russische Einheiten könnten somit ohne weiteres und mit wenig Vorwarnung die Grenze überschreiten. Die Nato demonstriert unterdessen Verteidigungsbereitschaft.

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Die "New York Times" spricht wörtlich von einer "gefechtsbereiten Streitmacht" inklusive Infanterie, Artillerie und Luftabwehr. Den Angaben zufolge hat Russland in den vergangenen Wochen bis zu 17 Bataillone - schätzungsweise zwischen 19.000 und 21.000 Soldaten - im grenznahen Gebiet zusammengezogen.

Was bezweckt Putin?

Experten spekulieren über die Absichten des Kreml, die hinter der massiven Truppenverstärkung stecken: Einerseits könnte Russlands Präsident Wladimir Putin damit den Druck auf die ukrainische Führung und die USA erhöhen, um zu einer raschen politischen Einigung zu kommen, die den östlichen ukrainischen Provinzen eine weitgehende Autonomie zugestehe.

Andererseits bestehe aber die Möglichkeit, dass Putin sich die Option eines russischen Eingreifens offen halten will. Denkbar sei, dass Truppen unter dem Deckmantel einer Friedensmission in die Ukraine einmarschieren könnten, wurden US-Geheimdienstkreise zitiert.

Rasmussen: "Nato ist entschlossen"

Nachdem Russland bereits am Montag ein Großmanöver begonnen hatte, unterstrich Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Geschlossenheit des westlichen Verteidigungsbündnisses. "Die Nato ist entschlossen, alle Verbündeten gegen jederlei Bedrohung zu verteidigen", sagte Rasmussen im militärischen Hauptquartier der Nato im belgischen Mons.

"Der kriminelle Abschuss von Flug MH17 hat deutlich gemacht, dass ein Konflikt in einem Teil der Welt tragische Konsequenzen überall in der Welt haben kann", sagte Rasmussen. Zusammen mit dem britischen Premier David Cameron hatte er zuvor den Nato-Oberbefehlshaber, den US-General Philip Breedlove, getroffen.

An dem russischen Manöver beteiligen sich bis zum 8. August Kampfjets und Hubschrauber, sagte Luftwaffensprecher Igor Klimow. Erstmals finde ein solches Manöver gleich in drei Wehrbezirken statt. Auch in Nato-Staaten hatte es im Zuge der Ukrainekrise Manöver gegeben.

Die Bundesregierung forderte erneut "ganz klare Schritte zur Deeskalation" von Russland. "Wir beobachten das, was an der russisch-ukrainischen Grenze passiert, sehr genau", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Experten untersuchen weiter Absturzstelle von MH17

Trotz andauernder Gefechte in der Ostukraine haben internationale Experten ihre Arbeit am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 fortgesetzt. An dem riesigen Trümmerfeld bei Grabowo seien etwa 110 Helfer aus den Niederlanden, Australien und Malaysia eingetroffen, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit.

Die Experten suchen nach Leichenteilen und privaten Gegenständen der 298 Opfer. Die OSZE stellt für die Arbeiten 17 Spezialgeräte zur Verfügung. Wegen der Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten hätten die Experten aus Sicherheitsgründen am Montag nur 90 Minuten am Absturzort arbeiten können, hieß es.

In den ostukrainischen Großstädten Lugansk und Donezk spitzte sich die Lage unterdessen weiter zu. Nach wochenlangen Kämpfen seien in Lugansk etwa 250.000 Menschen ohne Wasser und Strom, teilten die örtlichen Behörden mit.

Sie sprachen von einer "humanitären Katastrophe" vor allem für Familien mit Kindern und ältere Menschen. Bei tagelanger Hitze habe die Müllabfuhr den Dienst eingestellt. Die Stadt stehe auch am Rande einer "ökologischen Katastrophe". Auch im benachbarten Donezk würden immer mehr Menschen die Millionenstadt nach einem dringenden Appell der Armee verlassen. Beobachter schießen eine Bombardierung nicht aus.

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