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Ukraine: Separatisten in Donezk warnen vor neuem "Stalingrad"

Donezk komplett "eingekesselt"  

Separatisten warnen vor neuem "Stalingrad"

10.08.2014, 09:11 Uhr | dpa, AP, rtr

Ukraine: Separatisten in Donezk warnen vor neuem "Stalingrad". Ukrainische Panzer in der Nähe von Donezk (Quelle: dpa)

Ukrainische Panzer in der Nähe von Donezk (Quelle: dpa)

Die ost-ukrainische Stadt Donezk steht unter Dauerfeuer: Eine Reporterin hörte am Sonntagmorgen vom Stadtzentrum aus mehr als 20 Explosionen. Donezk sei "eingekesselt" und drohe, ein neues "Stalingrad" zu werden, erklärte der Regierungschef der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko. Der Westen warnt Russland indes eindringlich vor einer Intervention in der Ukraine unter dem Vorwand humanitärer Hilfe.

In Donezk waren am Samstag den ganzen Tag über Explosionen zu hören. "Wir sind zu einem Waffenstillstand bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden", erklärte Sachartschenko. Zugleich betonte er, dass die Aufständischen bereit seien, die Stadt unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen, wenn die ukrainische Armee dort einmarschiere. "Der Kampf wird um jede Straße, um jedes Haus, um jeden Meter unseres Landes geführt", warnte Sachartschenko.

"Die Lage bleibt kritisch"

Die Regierungstruppen sind nach eigenen Angaben bereit, in die Industriestadt einzumarschieren. Vor den Kämpfen lebten dort eine Million Menschen, inzwischen sind viele geflohen. Während der vergangenen Tage hatte die Armee die Stadt zunehmend unter Beschuss genommen. Die Armee versucht auch, andere Rebellenhochburgen - darunter die Großstadt Lugansk - zurück zu erobern. Granaten beschädigten in der Stadt erneut zahlreiche Wohnhäuser. Hunderttausende sind ohne Strom und Wasser. "Die Lage bleibt kritisch", teilte ein Stadtrat mit.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist bereit, einen Hilfskonvoi nach Lugansk zu lassen. Bedingung dafür sei jedoch, dass die Mission von einem internationalen Team ohne militärische Begleitung geführt werde, sagte Poroschenko nach Angaben seines Büros in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Warnung aus dem Westen

In einem Telefongespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow machte auch US-Außenminister John Kerry deutlich, dass internationale Organisationen für humanitäre Hilfe dafür am besten geeignet seien. Russland solle davon absehen, "unter dem Vorwand der Friedenssicherung zu intervenieren", sagte Kerry.

Zuvor hatten sich US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Beide hätten darin übereingestimmt, "dass jede russische Intervention, auch zu angeblichem humanitären Zweck, ohne die förmliche, ausdrückliche Zustimmung und Genehmigung der Regierung der Ukraine inakzeptabel ist (...) und zu zusätzlichen Konsequenzen führen würde."

Russland wies den Vorwurf einer als Hilfsmission getarnten Invasion in der Ost-Ukraine zurück und warnte nach dem russischen Einfuhrverbot für Lebensmittel den Westen vor einer weiteren Zuspitzung der Krise. Sollten die EU und die USA im Ukraine-Konflikt neue Sanktionen gegen Russland verhängen, werde Moskau reagieren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Zugleich wies Peskow wies ukrainische Vorwürfe einer militärischen Provokation an der Grenze zurück. "Es gab keine Versuche russischer Truppen, auf ukrainisches Territorium zu gelangen."

Flug MH17: Arbeiten ruhen

Wegen der Kämpfe ruht auch die Arbeit am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17. "Die Front führt direkt über das Trümmerfeld. Die Situation ist wie Treibsand - die Lage ändert sich stündlich", sagte der Vizechef des OSZE-Einsatzes, Alexander Hug.

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