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Putin zur Ukraine-Krise: "Erinnert mich an Ereignisse im Zweiten Weltkrieg"

Putin zur Ukraine-Krise  

"Erinnert mich an Ereignisse im Zweiten Weltkrieg"

29.08.2014, 16:55 Uhr | rtr, t-online.de, dpa

Putin zur Ukraine-Krise: "Erinnert mich an Ereignisse im Zweiten Weltkrieg". Russlands Präsident Wladimir Putin wählt einen drastischen Vergleich. (Quelle: Reuters)

Russlands Präsident Wladimir Putin wählt einen drastischen Vergleich. (Quelle: Reuters)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Vorgehen der ukrainischen Streitkräfte im Osten des Landes mit der Belagerung von Leningrad durch Nazi-Truppen verglichen. Angesichts der schweren Kämpfe spricht die Bundesregierung unterdessen erstmals von einer "militärischen Intervention" Moskaus.

"Ihre Taktik erinnert mich an die der faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Großstädte wurden eingekesselt und durch gezielten Beschuss zerstört, samt Einwohner", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge in einem Jugendlager in der Nähe von Moskau. Die ukrainische Armee kessele nun Dörfer und Städte ein und greife Wohngebiete an. Sie habe dabei das Ziel, die Infrastruktur zu zerstören, beklagte Putin.

Die Wehrmacht belagerte Leningrad von September 1941 bis Januar 1944. Durch Hunger, Kälte und Kämpfe kamen Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen ums Leben. Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Wochen versucht, die von Rebellen beherrschten Städte Donezk und Lugansk einzunehmen.

Putin forderte erneut Verhandlungen zwischen der Regierung in Kiew und den pro-russischen Rebellen. Zugleich sagte er, Ukrainer und Russen seien "praktisch ein Volk".

Bundesregierung verschärft Ton

Die Bundesregierung verschärft unterdessen den Ton in Richtung Moskau: "Zu den Berichten über diese wiederholten Verletzungen der ukrainischen Grenzen, die sich zu einer militärischen Intervention addieren, erwarten wir von Russland Aufklärung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es handele sich um eine "sehr ernste und durch nichts zu rechtfertigende Entwicklung."

Auch die Nato hat das Vorgehen Russlands in einer Sondersitzung heftig kritisiert. Trotz der russischen Dementis sei klar, dass russische Truppen und Ausrüstung auf ukrainisches Gebiet gebracht worden sind, so die Nato in einer Mitteilung. Man wolle in der nächsten Woche auf dem Nato-Gipfeltreffen das weitere Vorgehen besprechen. Dazu wird der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erwartet.

Status als blockfreies Land aufgeben

In der Ukraine hatte sich die Situation in den vergangenen Tagen nochmals verschärft. Die Führung in Kiew warf Russlands Armee vor, einen wichtigen Grenzort und umliegende Dörfer eingenommen zu haben. Nach Angaben der Nato kämpfen mehr als tausend russische Soldaten in der Ukraine an der Seite der Separatisten.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hat sich unterdessen für eine Mitgliedschaft seines Landes in der Nato ausgesprochen. Er werde das Parlament ersuchen, die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen, sagte Jazenjuk in einer Kabinettssitzung.

So solle der Status der Ukraine als blockfreies Land aufgegeben werden. Grundlegendes Ziel der Außenpolitik bleibe eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. US-Präsident Barack Obama hatte ein militärisches Eingreifen mit der Begründung abgelehnt, dass die Ukraine kein Nato-Mitglied sei und damit nicht zu den Bündnispartnern gehöre.

Bundeswehr will Verletzte ausfliegen

Hilfe erhält das Land derweil von der Bundeswehr. Sie will die Ukraine bei der Versorgung Verwundeter unterstützen. Bis zu 20 Soldaten, die bei den Kämpfen mit pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine verletzt wurden, sollen mit einer Spezialmaschine nach Deutschland gebracht werden, wie der Sanitätsdienst der Bundeswehr mitteilte. Eingesetzt werden soll demnach eine Maschine des Typs Airbus A310 Stratairmedevac, die als "fliegende Intensivstation" bezeichnet wird.

Schwere Menschenrechtsverletzungen

Wie nötig das Land jede Unterstützung hat, zeigt ein von den Vereinten Nationen (UN) veröffentlichter Bericht. Demnach sind im Osten der Ukraine seit Beginn der Kämpfe im April mehr als 2600 Menschen getötet worden. Die UN beklagte zugleich eine dramatisch wachsende Zahl ziviler Opfer in dem Konflikt. Täglich kämen etwa 36 Menschen ums Leben. Den bewaffneten Milizen in der Ost-Ukraine warf die UN in einem weiteren Bericht schwere Menschenrechtsverletzungen vor, darunter Folter, willkürliche Verhaftungen und Ermordung fliehender Zivilisten.

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