Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Krise in der Ukraine >

Russland in der Ukraine-Krise: Pokert Putin mit dem Westen?

Russland in der Ukraine-Krise  

Putins Poker mit dem Westen

29.08.2014, 19:59 Uhr | rtr, dpa

Russland in der Ukraine-Krise: Pokert Putin mit dem Westen?. Ist der Einsatz russischer Soldaten im Osten der Ukraine nur der Anfang eines neuen Ost-West-Konflikts? (Quelle: Reuters)

Ein selbstbewusster Kremlchef mit klaren Ansagen. Was führt Präsident Putin im Schilde? (Quelle: Reuters)

Sieht so die Zeitenwende aus, die niemand im Westen mehr für möglich gehalten hat? Ist der Einsatz russischer Soldaten in der Ukraine der Anfang eines neuen Ost-West-Konflikts? Ist die Zeit der Diplomatie vorbei - oder ist alles nur ein großes Missverständnis? Die EU und die Nato rätseln, was Wladimir Putins "Endziel" ist.

Der Präsident Russlands hatte sich nur wenige Stunden vor den Gipfeltreffen auf EU- und Nato-Ebene zur Krise in der Ukraine gemeldet. Für seine Zuhörer klang es wie eine Botschaft aus einer längst überwunden geglaubten Zeit.

Botschaft aus Moskau

Putin fand lobende Worte für die pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine und kritisierte die pro-westliche Regierung in Kiew. Zu den Vorwürfen einer russischen Militärpräsenz im Nachbarland nahm er nicht Stellung. Stattdessen richtete er seinen Appell an die "Volkswehr in Neurussland", wie die Aufständischen sich selbst nennen.

Dass Russland mit den Kämpfen der Separatisten in den Gebieten um Donezk und Lugansk nichts zu tun hat, dass sich russische Soldaten in die Ukraine "verlaufen" haben oder dort in Gesellschaft der Separatisten "Urlaub machen", wie ein Separatistenführer behauptete - das mag weder in Kiew noch bei der EU und der Nato irgendjemand glauben.

Putin wolle "Neurussland" stärken

Auch der Moskauer Militärexperte Pawel Felgenhauer geht fest von der Anwesenheit russischer Soldaten in der Ukraine aus. "Russland will eine Niederlage von 'Neurussland' verhindern und hat seine Präsenz in der Ukraine erhöht".

Moskau suche aber nicht die völlige Eskalation. "Die Volkswehr spricht von etwa 4000 Russen in ihren Reihen. Das ist zwar eine ganze Menge - aber nicht die 30.000, die es sein könnten", so Felgenhauer.

Der Westen steht vor einem Rätsel

Westliche Diplomaten räumen ein, dass Putin ihnen Rätsel aufgibt. Dass er sich mit einer demokratischen, pro-westlichen und prosperierenden Ukraine nicht anfreunden kann, ist ihnen klar.

Unklar sei aber das "Endziel" Putins: Will er wirklich eine Rückkehr in die Zeiten des Kalten Krieges? Geht es ihm vielleicht nur um Popularitätsgewinne? Versucht er nur, Europa und die USA auszutesten - wie in einem großen Pokerspiel? "Wir sind an die Grenzen der üblichen Diplomatie gestoßen", formuliert es der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn.

"Früher wollte Russland nur Friedensverhandlungen erzwingen", sagt der russische Armeeexperte Alexej Arbatow. "Jetzt sieht es aber so aus, als wollten die Separatisten mit Hilfe Moskaus nach der Krim auch den Osten von der Ukraine abspalten." Das ist auch eine bei der Nato vorherrschende Deutung. Dort ist man sich sicher, dass Russland mit mindestens 1000 Soldaten in der Ukraine im Einsatz ist.

Aber genau dies mag die internationale Gemeinschaft nicht akzeptieren. "Wir verdammen in schärfster Weise, dass Russland fortgesetzt seine internationalen Verpflichtungen missachtet", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach einer Sondersitzung des Nato-Rates.

Militärische Lösung ausgeschlossen

Im Kreis der EU- und Nato-Außenminister herrscht Einigkeit, dass eine "militärische Lösung des Konfliktes" ausgeschlossen sei. Hauptthema des Nato-Gipfels in Wales wird die Frage sein, wie sich das Bündnis angesichts des russischen Säbelrasselns aufstellen muss.

Es dürfte vor allen DIngen diskutiert werden, ob die Nato weiter an dem Versprechen von 1997 festhalten will, keine "substanziellen" Truppen "dauerhaft" in jenen Nato-Staaten zu stationieren, die einst Teil des Warschauer Paktes waren. Genau dadurch fühlt sich Russland bedroht - und kann nahezu jede politische Handlung und jede militärische Bewegung als Verteidigung rechtfertigen.

Zwei andere heikle Fragen sind Lieferung von Waffen an Kiew und eine Nato-Mitgliedschaft des auseinanderbrechenden Landes. Die Regierung in Kiew hofft auf beides, erwarte aber keine Entsendung von Nato-Truppen. Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte sich zuvor für eine Mitgliedschaft seines Landes in der Nato ausgesprochen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: