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Ukraine-Krise: Petro Poroschenko beklagt Materialverluste

Ukraine-Konflikt  

Über die Hälfte der ukrainischen Militärtechnik zerstört

22.09.2014, 12:05 Uhr | dpa, AP

Ukraine-Krise: Petro Poroschenko beklagt Materialverluste. Bis zu 65 Prozent des militärischen Materials sind verloren: ukrainischer Präsident Petro Poroschenko (Quelle: Reuters)

Bis zu 65 Prozent des militärischen Materials sind verloren: ukrainischer Präsident Petro Poroschenko (Quelle: Reuters)

Die ukrainische Armee hat bei ihren Einsätzen gegen die Separatisten im Osten des Landes schwere Verluste an Waffen erlitten. "Es wurde zwischen 60 und 65 Prozent der Militärtechnik zerstört", beschrieb Präsident Petro Poroschenko im ukrainischen Fernsehen die Verluste an Panzern und schwerem Gerät. Das Land müsse "bereit sein, sich zu verteidigen, wenn der Friedensplan nicht funktioniert", forderte der 48-Jährige.

Die Armee müsse gestärkt werden, sagte Poroschenko. Er verwies auf die Zusagen über die Lieferung von militärischer Ausrüstung, die er bei seinen Besuchen in den USA und Kanada erhalten hatte.

Poroschenko: Militärisch ist der Konflikt nicht zu lösen

Der ukrainische Präsident betonte zugleich, dass der Konflikt mit den prorussischen Rebellen im Osten des Landes nicht militärisch gelöst werden könne. Je mehr ukrainische Streitkräfte dort stationiert würden, "desto mehr russische Truppen wird es dort geben", sagte er.

Pufferzone soll die Lage entspannen

Die ukrainische Regierung und die Rebellen hatten am 5. September einen Waffenstillstand vereinbart. Am Samstag wurde das Abkommen durch einen Neun-Punkte-Plan ergänzt, der unter anderem die Einrichtung einer entmilitarisierten Pufferzone von 30 Kilometern vorsieht. Poroschenko sagte, die Vereinbarungen seien nur dank seiner Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin möglich gewesen.

Der partiellen Rückzug der Kampftruppen beider Konfliktparteien und die Pufferzonen geben der Ukraine die Gelegenheit, die Einheiten aufzufrischen. In einer dieser Einheiten hat mein Sohn gekämpft", zitierte die russische Agentur Ria Nowosti den ukrainischen Staatschef.

Wacklige Waffenruhe

Die Regierungstruppen zogen erste Einheiten aus dem Gebiet Donezk ab. Die Truppen hätten einige Ortschaften verlassen, um die Lage von neuen Stellungen aus besser kontrollieren zu können, teilte Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew mit. Die Sicherheitszone könne nur im Fall einer kompletten Waffenruhe und bei einem synchronen Rückzug der Kampfverbände auf beiden Seiten umgesetzt werden.

Die Regierungstruppen hielten sich an die Feuerpause, wehrten sich aber weiter auch mit Waffen gegen Angriffe, sagte er. Mehrere Stellungen der "Anti-Terror-Operation" seien auch am Wochenende beschossen worden. Lyssenko sprach von zwei getöteten Soldaten. Den Teilrückzug von Einheiten begründete er mit der Gefahr für Truppen, von den Kampfverbänden der Separatisten eingekesselt zu werden.

Die seit zwei Wochen offiziell geltende Waffenruhe in den nicht anerkannten "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk hält im Großen und Ganzen, wie Medien berichten. Allerdings kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, für die sich die Konfliktseiten gegenseitig die Schuld geben. Die Aufständischen in Donezk teilten mit, dass immer wieder Schüsse und Explosionen zu hören seien. Demnach hielten die ukrainischen Regierungstruppen weiter viele Stellungen mit Hilfe schwerer Artillerie unter Kontrolle.

EU: "bedeutender Rückgang der Gewalt"

Die EU begrüßte die in der weißrussischen Hauptstadt Minsk unter OSZE-Vermittlung vereinbarten neuen Schritte für eine Lösung der Krise. Die Waffenruhe sowie der Austausch von Gefangenen hätten zu einem "bedeutenden Rückgang" der Gewalt geführt, hieß es in einer in Brüssel veröffentlichten Mitteilung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Ein dauerhafter Waffenstillstand sei der Schlüssel für eine politische Lösung der Krise.

Separatisten spekulieren auf weiterhin unabhängige Regionen

Die Separatisten hatten die jüngsten Zugeständnisse der ukrainischen Regierung als Schritte auf ihrem Weg zur Unabhängigkeit begrüßt. Die heikle Frage des künftigen Status der Ostukraine - einer der wichtigsten Streitpunkte zwischen Kiew und den Separatisten - war aber kein Thema bei den Verhandlungen in Minsk. Darüber werde später gesprochen, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko.

Poroschenko hatte der Ostukraine per Gesetz einen Sonderstatus für drei Jahre zugebilligt. Der Status sieht weitgehende Selbstverwaltungsrechte vor. Eine Abspaltung der ostukrainischen Gebiete lehnt die Regierung in Kiew aber weiter vehement ab.

Russen protestieren gegen Putins Ukraine-Politik

Unter dem Motto "Nein zum Krieg!" protestierten in Moskau Zehntausende Menschen bei einem großen Friedensmarsch gegen die Ukraine-Politik von Kremlchef Wladimir Putin. Unter einem extremen Sicherheitsaufgebot der Polizei trugen die Demonstranten auch Schilder mit den Bildern und Namen von russischen Soldaten, die bei den Kämpfen in der Ostukraine getötet wurden.

Gemäß dem in Minsk unterzeichneten Memorandum müssen ausländische Kämpfer die Ukraine verlassen. Das russische Außenministerium wies Vorwürfe des Westens zurück, in der Ostukraine würden russische Soldaten eingesetzt. Zur Bekämpfung der humanitären Krise schickte Moskau nach dem Treffen in Minsk einen dritten Hilfskonvoi ins Konfliktgebiet. Rund 200 Lastwagen mit 2000 Tonnen brachten Nahrungsmittel und Medikamente ins Krisengebiet.

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