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NSU-Prozess: Kölner Opfer berichten von ihren leiden

NSU-Opfer über Anschlag  

"Als hätte mir jemand die Beine weggeschossen"

20.01.2015, 16:51 Uhr | dpa

NSU-Prozess: Kölner Opfer berichten von ihren leiden. 4. Juni 2009, Keupstraße in Köln: Minuten nach dem Nagelbomben-Anschlag liegt ein schwer verletztes Opfer auf dem Gehweg. (Quelle: dpa)

4. Juni 2009, Keupstraße in Köln: Minuten nach dem Nagelbomben-Anschlag liegt ein schwer verletztes Opfer auf dem Gehweg. (Quelle: dpa)

Im Münchner NSU-Prozess haben die ersten Opfer des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße ausgesagt - und in eindringlichen Worten von ihren körperlichen und seelischen Leiden berichtet. Das sei damals so gewesen, als habe ihm jemand die Beine weggeschossen, sagte Sandro D. vor dem Oberlandesgericht. Der junge Mann stand im Juni 2004 mit einem Freund neben dem Fahrrad mit der Bombe, als diese explodierte.

Beide kamen mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus. In Notoperationen mussten ihnen mehrere Nägel entfernt werden. Bei Sandro D. steckte einer der zehn Zentimeter langen Nägel im rechten Oberschenkelknochen. Unter den Folgen der Verletzungen leiden die Freunde bis heute. Beide befinden sich weiter in Psychotherapie.

Sandro D. und Melih K. erhoben auch Vorwürfe gegen die Kölner Polizei - weil diese damals trotz ihrer schweren Verletzungen zunächst als Verdächtige betrachtet hätten.

700 Nägel in Sprengsatz

Melih K. bestätigte zudem, dass er schon damals bei einer Befragung den Verdacht geäußert habe, dass die Tat einen rassistischen Hintergrund gehabt habe und ein "Ausländerhasser" am Werk gewesen sein könnte. "Da braucht man kein Ermittler sein."

Der mit über 700 Zimmermannsnägeln bestückte Sprengsatz war vor einem Friseursalon in der von türkischen Migranten geprägten Straße explodiert. 22 Menschen wurden verletzt.

Bis zum Auffliegen des "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) im Herbst 2011 tappten die Ermittler im Dunkeln. Mittlerweile geht die Anklage davon aus, dass die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Sprengsatz dort deponiert haben.

Beate Zschäpe, einzige Überlebende des NSU-Trios, steht als Mittäterin vor Gericht.

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