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Neue Spur im Mordfall Kiesewetter: Hatte der NSU Unterstützer in Baden-Württemberg?

Hatte der NSU Unterstützer?  

Geheimnisvolle Spur im Mordfall Kiesewetter

15.03.2015, 16:36 Uhr | Tatjana Bojic, dpa

Neue Spur im Mordfall Kiesewetter: Hatte der NSU Unterstützer in Baden-Württemberg?. April 2007: Spurensicherer am Tatort des Kiesewetter-Mordes in Heilbronn

April 2007: Spurensicherer am Tatort des Kiesewetter-Mordes in Heilbronn

Brisante Erkenntnisse aus dem Stuttgarter NSU-Untersuchungsausschuss nähren die Hoffnung, dass der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn doch noch vollständig aufgeklärt wird. Die Tat passte nie ins Muster der fremdenfeindlichen Anschläge, die der rechtsextreme Nationalsozialistische Untergrund (NSU) verübte. Die 22-Jährige soll laut Bundesanwaltschaft Zufallsopfer gewesen sein.

"Ich habe nie an einen Zufallsmord geglaubt", sagte CDU-Landeschef Thomas Strobl. Jetzt neu ausgewertete Zeugenaussagen legen nahe, dass eine ähnlich wie der NSU im Geheimen agierende rechtsmilitante Truppe am Mord an der Polizistin beteiligt gewesen sein könnte - die "Neoschutzstaffel" (NSS).

Die Polizei hat sich offenbar geirrt

Die Aussagen wurden früher von der Polizei als nicht glaubwürdig eingestuft, doch im Zuge des Untersuchungsausschusses neu bewertet. Die Polizei hatte schon Anfang 2012 Hinweise auf die Gruppe erhalten, einem Aussteiger aus der rechten Szene aber nicht geglaubt. Nun wird deutlich, dass die Polizei sich wohl geirrt hat. Denn die Aussage von Florian H. war nach Ansicht des Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) keine Prahlerei.

Eine neue Chance, Florian H. zu befragen, bekommen die Ermittler nicht: Der 21-Jährige verbrannte Mitte 2013 in seinem Wagen in Stuttgart. Just am Tag seines Todes hätte er erneut von der Polizei befragt werden sollen. Die Ermittler legten den Fall mit der These Suizid aus Liebeskummer zu den Akten.

Florian H. soll zu früheren Mitschülerinnen im August 2011 gesagt haben, er könne Kiesewetters Mörder benennen. Er sprach zudem von einem Treffen zwischen NSU und einer "Neoschutzstaffel" im Februar 2010 in Öhringen bei Heilbronn. Zudem erzählte der 21-Jährige von einem "Matze". Er soll mit dem Mord an Kiesewetter zu tun gehabt haben und NSS-Mitglied sein. Die Polizei hat "Matze" vor kurzem identifiziert, wie ein Beamter am Freitag im Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags sagte.

Neuer Verdächtiger ist Soldat bei der Bundeswehr

Nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" kommt "Matze", also Matthias K., aus Neuenstein im Hohenlohekreis und ist Soldat der Bundeswehr. Matthias K. habe "NSS" auf seinem Körper tätowiert. Sein Vater, ein Sozialarbeiter, habe sein Büro im Untergeschoss im "Haus der Jugend" in Öhringen. Dort sollen laut Aussage von Florian H. Treffen der "Neoschutzstaffel" stattgefunden haben. Das NSU-Trio hatte enge Drähte nach Baden-Württemberg.

Für die Bundesanwaltschaft sind die früheren NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Kiesewetters Mörder. Die genauen Umstände und das Motiv der Tat im April 2007 sind aber ungeklärt.

Am 4. November 2011 hatte die Polizei in einem ausgebrannten Wohnmobil im thüringischen Eisenach Mundlos und Böhnhardt tot gefunden. Ihre Komplizin Beate Zschäpe stellte sich wenig später der Polizei. Es folgte die Aufdeckung einer beispiellosen Serie von Verbrechen und zehn Morden - sowie die Erkenntnis, dass die Sicherheitsbehörden in dem Fall kolossal versagten. Die Polizei fand im Brandschutt in Zwickau die Tatwaffen im Mordfall Kiesewetter.

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