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Flug MH370: Verzweifelte Angehörige erkennen Absturz nicht an

 (Quelle: dpa)

"Mein Kind lebt noch!"  

Verzweifelte Angehörige erkennen MH370-Nachweis nicht an

06.08.2015, 13:34 Uhr | t-online.de , dpa

Flug MH370: Verzweifelte Angehörige erkennen Absturz nicht an. Erst Verzweiflung, jetzt Wut: chinesische MH370-Angehörige vor Malaysias Botschaft in Peking. (Quelle: dpa)

Erst Verzweiflung, jetzt Wut: chinesische MH370-Angehörige vor Malaysias Botschaft in Peking. (Quelle: dpa)

"Mein Kind lebt noch! Mein Kind lebt noch!" - immer wieder schreit Zhang Meiling diesen Satz heraus. Sie demonstriert mit anderen Angehörigen der Passagiere von Flug MH370 vor einem Büro von Malaysia Airlines in Peking.

Die Situation wirkt paradox: Gerade scheint sich das Rätsel um das verschwundene Flugzeug und die 239 Menschen an Bord langsam zu enthüllen. Die Flügelkappe, die vergangene Woche auf Réunion angeschwemmt wurde, stammt wohl von MH370 - dass das Flugzeug abgestürzt ist, gilt praktisch als bewiesen.

"Mama wird immer auf dich warten"

Die Reaktion vieler Angehöriger: Leugnung. 17 Monate haben sie die Hölle durchgemacht, vernachlässigt von Airline und Malaysias Behörden. Jetzt scheint es ihnen unmöglich, die brutale Gewissheit zu akzeptieren: "Mama wird immer auf dich warten, ich gebe nicht auf", steht auf einem Schild, an dem sich die weinende Meiling festhält.

Die 62-Jährige, deren Tochter an Bord von MH370 war, ist empört: Die Art und Weise, wie in der Nacht zuvor die Untersuchungsergebnisse zu dem ersten Wrackteil verkündet wurden. Es war in der vergangenen Woche vor der Küste Ostafrikas angeschwemmt worden. Die Aussagen des malaysischen Premiers, lassen in ihr den Verdacht aufkeimen, sie würde betrogen.

"Malaysia will Fakten schaffen"

"Was dort berichtet wird, passt von hinten bis vorne nicht. Die Regierung in Malaysia will Fakten schaffen, wo es keine Fakten gibt", sagt Zhang Meiling.

Malaysias Premierminister Najib Razak hatte in der Nacht zuvor auf einer Pressekonferenz gesagt, dass die gefundene Flügelklappe zu der vermissten Boeing 777 gehört, die am 8. März 2014 mit den 239 Menschen an Bord verschwand - unter ihnen sind 153 Chinesen. Am Donnerstagmorgen teilt Malaysias Verkehrsminister Kiow Toing Lai nach Angaben Zeitung "The Star" mit, auf der angeschwemmten Flügelklappe sei ein Wartungssiegel von Malaysia Airlines gefunden worden.

Der Verdacht: Malaysia will die Sache aus der Welt schaffen

Die Staatsanwaltschaft in Frankreich spricht bislang nur von einer "sehr starken Vermutung" und will sie mit weiteren Analysen untermauern. Wann deren Ergebnisse vorliegen, ist unklar. Echte Zweifel scheint es aber auch hier nicht zu geben.

Die lange vernachlässigten chinesischen Angehörigen dagegen fühlen sich in einem bösen Verdacht bestätigt: Malaysias Regierung will den Vorfall so schnell wie möglich aus der Welt schaffen.

"Uns wurden schon vor Monaten Entschädigungszahlungen angeboten. 50.000 Dollar, wenn wir den Tod unserer Familienmitglieder anerkennen. Wir wollen aber kein Geld, wir wollen Aufklärung", sagt Zhang Yonghui, der zwei kleine chinesische Nationalfahnen in der Hand hält. Auf dem Rücken des 64-Jährigen, dessen 32-Jährige Tochter in der Maschine saß, klebt ein Schild mit der Aufschrift: "Alle werden sicher zurückkommen."

Angehörige wollen klagen

Der 64-Jährige Hu Xiufang fordert mehr Beweise, damit wirklich Klarheit herrschen könne. Er und andere Angehörige hätten Malaysia Airlines deshalb bereits am Vortag aufgefordert, eine Reise für sie auf die Insel La Réunion zu organisieren, wo vergangene Woche das erste Wrackteil gefunden wurde.

"Wir können nur dort herausfinden, was mit unseren Familien wirklich passiert ist." Dai Shuqin, die fünf Familienmitglieder vermisst, hat derweil genug vom Vorgehen der Fluggesellschaft. "Wir bereiten jetzt eine Klage vor", sagt die 56-Jährige. "Nicht mal die Überwachungsvideos vom Flughafen, auf die wir seit über einem Jahr warten, will man uns zeigen."

Vor Gericht ziehen will auch der 51-Jährige Zhao Shuguo, der schon lange in Frankreich lebt und dessen 19-Jährige Tochter an Bord der Maschine war. Die Ermittler in Frankreich würden zwar gute Arbeit leisten, von den Behörden und der Fluggesellschaft in Malaysia könne man das allerdings nicht behaupten. "Es wird nur verschleiert."

Am Donnerstag wurden weitere Wrackteile auf La Réunion angeschwemmt: ein Flugzeugfenster und Sitzkissen. Dass sie von Flug MH370 stammen, halten viele für wahrscheinlich.

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