Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Wasserknappheit (Anzeige) >

Anzeige: Wo Wasserknappheit zur menschlichen Katastrophe wird

Anzeige

Düstere Prognose  

Wo Wasserknappheit zur menschlichen Katastrophe wird

21.08.2019, 17:42 Uhr | t-online.de, ron

Anzeige: Wo Wasserknappheit zur menschlichen Katastrophe wird. Wassertanker sind oft die einzige Möglichkeit für syrische Flüchtlingsfamilien, Trinkwasser zu bekommen.  (Quelle: UNICEF/UN0318493/Watad)

Wassertanker sind oft die einzige Möglichkeit für syrische Flüchtlingsfamilien, Trinkwasser zu bekommen. (Quelle: UNICEF/UN0318493/Watad)

Der heiße und trockene Sommer gibt einen Vorgeschmack auf das, was Deutschland bei fortschreitender Klimaerwärmung erwartet. Die Folgen spüren andere Regionen in der Welt schon länger – und vor allem drastischer: Das Trinkwasser wird knapp. Die Leidtragenden sind vor allem Kinder.

In Deutschland jagt im Sommer 2019 ein Temperaturrekord den nächsten: So wurde am 25. Juli im niedersächsischen Lingen die Marke von 42 Grad geknackt. So heiß war es hierzulande noch nie.

Und die außergewöhnliche Hitze blieb nicht ohne Folgen: Dürre auf den Feldern. Steigende Ernteausfälle. Schrumpfende Stauseen. Sinkendes Grundwasser. Fallende Flusspegel.

Hitzewelle und Dürre: Die Sonne scheint über ausgetrocknetem Ackerboden bei Oberursel (Hessen). (Quelle: imago images/Jan Eifert)Hitzewelle und Dürre: Die Sonne scheint über ausgetrocknetem Ackerboden bei Oberursel (Hessen). (Quelle: Jan Eifert/imago images)

Schon warnten Wetterexperten, dass das Wasser in einigen Regionen Deutschlands knapp werden könnte. Brandenburg rief seine Bevölkerung im Juli schon einmal vorsorglich zum sensiblen Umgang mit Wasser auf. Kurzum: Die Konkurrenz um Wasser wird größer werden hierzulande.

Krieg, Dürre, kein Trinkwasser: Fatale Situation für Kinder in Syrien

Im Gegensatz zu Deutschland gehört Wassermangel in trockenen Regionen wie dem Nahen Osten und Nordafrika zum Alltag – und wird mehr und mehr zur tödlichen Bedrohung. Denn die sogenannten MENA-Länder (Middle East and North Africa) von Marokko bis zum Iran sind besonders häufig von starken Dürren betroffen.

So auch Syrien. Hier leben die Brüder Azam (9) und Hayder (11) in der ländlichen Region Hama. In den letzten Jahren hat es extrem wenig geregnet, viele Brunnen sind ausgetrocknet. Der Rest des ohnehin schlecht ausgebauten Wassersystems ihres Dorfes wurde im Krieg zerstört.

Jetzt helfen
Ohne Wasser kein Leben: Die Kinder brauchen dringend Trinkwasser. UNICEF hilft vor Ort. Spenden und helfen Sie mit!

"Ich bin jede Woche mit meinem Vater drei Stunden gelaufen, um Wasser zu holen", erzählt Hayder. So weit war der nächste Wasserverkäufer entfernt. Ein Privatmann, der der Familie das Wasser zu horrenden Preisen verkaufte. Und schlimmer noch: Es war teilweise verunreinigt, und Azam und Hayder wurden krank. 

Heute versorgt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF 25 Dörfer in Hama mit sauberem, frischen Trinkwasser. Zehn große Tanks wurden dafür installiert und regelmäßig kommen Laster, um sie aufzufüllen. Kinder wie Azam und Hayder bringen das Wasser dann in Kanistern nach Hause. Jeder UNICEF-Tanklaster versorgt rund 1.300 Menschen. Eine wichtige Sicherheit für die Familien vor Ort.

Hayder (11) und Azam (9) holen an einem Wassertanker Trinkwasser für ihre Familie. (Quelle: UNICEF/UN0248301/Aldroubi)Hayder (11) und Azam (9) holen an einem Wassertanker Trinkwasser für ihre Familie. (Quelle: UNICEF/UN0248301/Aldroubi)

Bevor UNICEF mit den Tanklastern kam, mussten die Menschen drei Stunden laufen, um Wasser zu holen. (Quelle: UNICEF/UN0248299/Aldroubi)Bevor UNICEF mit den Tanklastern kam, mussten die Menschen drei Stunden laufen, um Wasser zu holen. (Quelle: UNICEF/UN0248299/Aldroubi)

Einer nach dem anderen: Schulkinder trinken Wasser. (Quelle: UNICEF/UN0248294/Aldroubi)Einer nach dem anderen: Schulkinder trinken Wasser. (Quelle: UNICEF/UN0248294/Aldroubi)

Nordafrika und Naher Osten besonders wasserarm

Doch viele andere Menschen leiden weiter unter Wassermangel. Laut Weltbank liegt die jährlich verfügbare erneuerbare Wassermenge in der MENA-Region nur bei zirka 1.100 Kubikmetern pro Kopf. Was erst einmal viel klingt, ist erschreckend wenig. Zum Vergleich: Forscher definieren eine Region als wassergefährdet bei unter 1.700 Kubikmetern, als wasserarm gilt unter 1.000 Kubikmeter.

UNICEF warnt seit langem davor, dass besonders Kinder von der dramatischen Wasserknappheit betroffen sind. Unsauberes Trinkwasser und mangelnde Hygiene zählen zu den Hauptursachen für eine weiter sehr hohe Kindersterblichkeit. Der Grund: Wo sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen fehlen, verbreiten sich Krankheitserreger und Parasiten besonders schnell.

Es sieht weiter düster aus für die MENA-Region

Nach dem Weltwasserbericht 2019, den die UNESCO im Auftrag der Vereinten Nationen (UN) erstellt hat, bleiben die Perspektiven für den arabischen Raum auch in Zukunft düster: Die Pro-Kopf-Wasserknappheit wird wegen des Bevölkerungswachstums weiter steigen.

Dennoch wäre es falsch, die Wasserproblematik in Nordafrika und dem Nahen Osten allein als eine Frage der steigenden Bevölkerungszahlen anzusehen. Warum Wasserknappheit gerade für Familien mit Kindern lebensbedrohlich ist, lässt sich vor allem auf drei Gründe zurückführen.

Diese drei Faktoren führen in die Wasserkatastrophe

  • Konflikte
    Die MENA-Region ist Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen wie in Palästina, Syrien und im Jemen. Laut UNESCO ist die Wasserinfrastruktur dort oftmals beschädigt, zerstört oder gerät als Zerstörungsziel ins Visier der einzelnen Kriegsparteien.
  • Klimawandel
    Die Klimakrise verschärft den Wassermangel zusätzlich. Wetterextreme treten auf, zum Beispiel im Süden Marokkos: "Bodenerosion, steigende Temperaturen und ausbleibender Niederschlag fördern die Wüstenbildung und nehmen den dort ansässigen Menschen bereits heute Schritt für Schritt die Lebensgrundlage", sagt Franziska Fabritius von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).
  • Vertreibung
    Wegen kriegerischer Konflikte und klimatischer Veränderungen müssen Familien ihre Heimat verlassen und sind auf der Flucht. Laut UN-Wasserbericht 2019 leben im arabischen Raum Millionen Geflüchtete und Binnenvertriebene unter katastrophalen Umständen, darunter viele Kinder. Eine dauerhafte Wasser- und Sanitärversorgung in Flüchtlingslagern fehlt oftmals.

Kinder als schwächste Mitglieder der Gesellschaft leiden besonders unter den Auswirkungen der Wasserkatastrophe: So müssen sie oftmals mehrere Stunden täglich mit Wasserholen verbringen. Zeit, die den Kindern aber für den Schulbesuch, Hausaufgaben oder einfach zum Spielen fehlt. Und: Die Wasserkatastrophe wird schnell zur Hungerkatastrophe. Die Land- und Viehwirtschaft sind direkt von der Wasserversorgung abhängig.

So hilft UNICEF Kindern in der MENA-Region

Kinder wie Azam und Hayder aus Syrien brauchen dringend Trinkwasser. So hilft UNICEF:

  1. Schnelle Hilfe: Tanklaster bringen Trinkwasser in Konfliktgebiete
  2. Gezielte Hilfe: Helfer verteilen Tabletten zur Wasseraufbereitung sowie Hygieneartikel wie Seife oder Waschmittel
  3. Langfristige Hilfe: In Flüchtlingscamps werden moderne Trinkwassersysteme installiert, zum Beispiel auch im Za'atari-Camp in Jordanien

Jetzt helfen
Ohne Wasser kein Leben: Die Kinder brauchen dringend Trinkwasser. UNICEF hilft vor Ort. Spenden und helfen Sie mit!

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Weltbank
  • Heinrich-Böll-Stiftung
  • Unicef
  • Weltwasserbericht 2019
  • Franziska Fabritius: Umweltmigration – Eine sicherheitspolitische Herausforderung
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen



shopping-portal