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Wie die Kindernothilfe Schicksale arbeitender Kinder verändert (Anzeige)

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Kindern eine Stimme geben  

Wie die Kindernothilfe Schicksale arbeitender Kinder nachhaltig verändert

14.10.2019, 18:21 Uhr | Kindernothilfe e. V.

Wie die Kindernothilfe Schicksale arbeitender Kinder verändert. Weltweites Projekt: Kindernothilfe verschafft arbeitenden Kindern Gehör. (Quelle: Jakob Studnar)

Weltweites Projekt: Kindernothilfe verschafft arbeitenden Kindern Gehör. (Quelle: Jakob Studnar)

Sie schuften in Ziegeleien oder Minen, auf Feldern oder Märkten, damit ihre Familien überleben können: Millionen Kinder weltweit teilen dasselbe Schicksal. Mädchen und Jungen, die oft noch im Grundschulalter sind. Die Kindernothilfe gibt ihnen eine Stimme, um gemeinsam mit Politik und Gesetzgebung gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu kämpfen. Anne Jacob ist Kinderrechtsexpertin bei der Kindernothilfe und erklärt im Interview, wie man die Lebensbedingungen dieser Mädchen und Jungen nachhaltig verbessern kann – schon durch Zuhören.

Wie viele Mädchen und Jungen sind von Kinderarbeit betroffen?

In den vergangenen 15 Jahren haben Kinderrechtsorganisationen und Institutionen der Vereinten Nationen große Erfolge erzielt: Wir sprechen heute von "nur" noch 152 Millionen Kindern, die in ausbeuterischen Verhältnissen arbeiten. Im Vergleich zu Werten aus den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen fast halbiert. Trotzdem: Es bleiben 152 Millionen Kinder, für die wir Lösungen finden müssen.

Eine der größten Herausforderungen dabei lautet: Es gibt nicht nur eine richtige Lösung, und der Abbau von Kinderarbeit stagniert sehr. So erklärt sich der Ansatz der Kindernothilfe, Veränderungen immer mit den Kindern vor Ort gemeinsam zu erarbeiten. Der persönliche Kontakt, die jeweilige Kultur, die Infrastruktur und die vorhandene Gesetzgebung im Land sind so wichtig für die Lösungsfindung, dass wir Kinderarbeit stets im Kontext sehen müssen – nicht aus der Distanz oder von oben herab.

Anne Jacob, Kinderrechtsexpertin bei der Kindernothilfe. (Quelle: Jakob Studnar)Anne Jacob, Kinderrechtsexpertin bei der Kindernothilfe. (Quelle: Jakob Studnar)

Wie alt sind diese Kinder?

Kinderarbeit fängt meist bei Mädchen und Jungen im Alter von etwa fünf oder sechs Jahren an, aber geht eben auch bis zum 18. Lebensjahr. Zu den schlimmsten Formen von Kinderarbeit gehören zum Beispiel Sechsjährige, die in Minen arbeiten müssen. Aber es gibt natürlich auch Jugendliche, die unter ausbeuterischen und schweren Bedingungen arbeiten.

Was können wir dagegen tun?

Es ist höchste Zeit, dass die betroffenen Kinder mitreden und die Entscheidungsträger in Familien, Schulen, an Arbeitsplätzen, auf nationaler und internationaler Ebene zuhören. Bei der 4. Weltkonferenz zum Thema Kinderarbeit 2017 in Argentinien ist es uns gemeinsam mit "terre des hommes" gelungen, die Sicht arbeitender Kinder einzubringen. Mit Hilfe eines Reports wurden Perspektiven und Forderungen von arbeitenden Kindern aus 36 Ländern eingebracht und mit Politikern aus der ganzen Welt diskutiert.

Wir sind uns sicher: Wenn wir Kinder aktiv einbinden, sie an dem beteiligen, was sie betrifft, dann verbessert das auch unmittelbar den Schutz des Kindes. Denn wenn Kinder lernen, über ihre Belange zu sprechen, stärkt es sie enorm dabei, eigene Forderungen zu stellen und ihre Lebensbedingungen selbstbestimmt zu verbessern.

Wie konnten sich die Kinder Gehör verschaffen?

Mit der Kampagne "It’s Time To Talk! – Die Sicht der Kinder auf Kinderarbeit". Das ist ein gemeinschaftliches Projekt von Kindernothilfe und "terre des hommes" unter Beteiligung des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und der Karl Kübel Stiftung. Mehr als 1.822 arbeitende Kinder zwischen fünf und 18 Jahren haben weltweit an diesem Projekt teilgenommen und ihre Erfahrungen zum Thema Kinderarbeit eingebracht. Die Kinder arbeiteten mit oder ohne Bezahlung, auf dem Land und in der Stadt, in Haushalten oder in der Landwirtschaft. Sie hatten teilweise kleine Geschäfte, arbeiteten zum Beispiel in Gold- und Steinminen, als Bauarbeiter, Müllsammler, in Webereien oder in der Gastronomie. Manche bettelten auch oder litten sogar unter kommerzieller sexueller Ausbeutung. Im Projekt "Time To Talk!" ("Zeit, zu reden!") haben wir die betroffenen Kinder befragt: Was braucht ihr? Was sind die größten Probleme? Welche Wünsche habt ihr? Und wer kann uns dabei helfen, euren Schutz zu verbessern?

Und lautete ihre Forderung, Kinderarbeit abzuschaffen?

Für uns hier in Deutschland ist es selbstverständlich, dass Kinder nicht hart arbeiten sollten. Und so scheint die Lage klar zu sein: Kinderarbeit gehört verboten. Aber als wir arbeitende Kinder und Jugendliche befragt haben, lautete die häufigste Antwort: "Ausbeuterische Arbeit muss abgeschafft werden!" Sie verurteilten ausbeuterische, gefährliche und gesundheitsgefährdende Beschäftigungen aufs Schärfste und verlangten ein rigoroses Einschreiten von Gesetzgebung, Wirtschaft und Politik.

Genauso fordern die Kinder aber auch ihren Zugang zu Bildung, soziale Absicherung, faire Bezahlung und Arbeitssicherheit. Wenn all das vorhanden ist, konnten sich vor allem Jugendliche sehr wohl vorstellen, zu arbeiten. Wichtig ist aber, dass es körperlich leichte und fair bezahlte Tätigkeiten sind und sie respektvoll behandelt werden. Außerdem verlangten die Kinder und Jugendlichen ausreichend Zeit zum Lernen und für die Freizeit. Das bedeutet, dass die Forderung, Kinderarbeit allgemein abzuschaffen, zu kurz gefasst ist. Wir müssen hier von "Ausbeutung" sprechen, denn diese Form von Kinderarbeit muss tatsächlich bekämpft und abgeschafft werden.

Kinderrechtsexpertin Anne Jacob über ihre Erfahrung mit Kinderarbeit:

Haben die Befragten auch positive Aspekte gesehen?

Ja, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, konnten Kinder und Jugendliche sogar Positives erkennen: Die meisten wollten ihre Eltern unterstützen, etwas zum Familieneinkommen beitragen oder selbst dafür Sorge tragen, dass sie sich ihre Ausbildung ermöglichen können – denn Bildung ist ihr persönlicher Schlüssel, der Armut zu entkommen. Viele Kinder gaben auch an, stolz auf den eigenen Verdienst zu sein und Lebenskompetenzen zu erlernen, die ihnen im Alltag sehr helfen.

Wichtig bei der Bewertung ist, dass wir in vielen Ländern von ganz anderen Lebensbedingungen als hier bei uns in Deutschland ausgehen. Viele Eltern sind auf einen Zuverdienst ihrer Kinder angewiesen, um die Familie irgendwie über Wasser halten zu können.

Lässt sich die Situation weiter verbessern?

Unbedingt! Viele Kinderrechtsverletzungen entstehen, wenn Gesetze nicht beachtet werden – wir machen konsequent auf diese Fälle aufmerksam. Die Kindernothilfe versteht sich als Sprachrohr der Kinder in die Politik: Wir verstärken das, was Mädchen und Jungen sagen und schaffen dadurch veränderte Rahmenbedingungen. Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit nationalen und internationalen Politikern und bemühen uns, Entscheidungen – etwa in den Vereinten Nationen – so zu beeinflussen, dass sie Kindern weltweit zu Gute kommen.

Gemeinsam mit internationalen Wissenschaftlern versorgen wir die Politik mit fundierten Argumenten, Dinge zum Wohl der Kinder zu verändern. Wir sind da übrigens Überzeugungstäter: Wir glauben, dass die vor 30 Jahren von den Vereinten Nationen verabschiedete Kinderrechtskonvention auch heute noch nicht ausreichend umgesetzt ist. Da ist noch Luft nach oben!

Weltweit arbeiten Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen – oft ohne Chance auf Bildung, um dem Teufelskreis der Armut nachhaltig zu entkommen. Mit Ihrer Spende helfen Sie, diesen Mädchen und Jungen einen Ausweg zu bieten.

Setzen Sie ein ! gegen ausbeuterische Kinderarbeit.

 


Info
Seit 60 Jahren unterstützt die Kindernothilfe als christliche Kinderrechtsorganisation weltweit Kinder in Not und setzt sich für ihre Rechte ein. Mehr als 2,1 Millionen Mädchen und Jungen stärkt, schützt und beteiligt der Verein derzeit in 32 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Für den seriösen Umgang mit Spendengeldern erhält die Kindernothilfe seit 1992 jährlich das DZI-Spendensiegel.

Kindernothilfe e. V.




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