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Hungerkrise im Südsudan: Warum Adut verlernte, zu spielen (Anzeige)

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Hungerkrise im Südsudan  

Warum Adut verlernte, zu spielen

Von Anna Meran

12.11.2019, 09:16 Uhr
Hungerkrise im Südsudan: Wie die schwerkranke Adut wieder spielen lernte

Die kleine Adut aus dem Südsudan war akut mangelernährt. Sie hatte Glück. Denn das Kinderhilfswerk Unicef nahm sie in ihr Ernährungsprogramm auf. (Quelle: unicef)

So retten Spendengelder Kinderleben: Die große Erfolgsgeschichte der kleinen Adut. (Quelle: UNICEF)


Auf dem kleinen Platz in der südsudanesischen Stadt Aweil ist viel los: kreischende Kinder, kochende Mütter, Menschen, die sich in Gruppen unterhalten. Alle sind beschäftigt. Alle, außer ein kleines Mädchen in einem rosa Kleid, das unbeteiligt an ihrer Mutter hängt.
Apathisch und schwach: Die kleine Adut leidet neben Mangelernährung auch an Malaria. (Quelle: UNICEF/UN0344910/Wilson)Apathisch und schwach: Die kleine Adut leidet neben Mangelernährung auch an Malaria. (Quelle: UNICEF/UN0344910/Wilson)


„Als ich Adut das erste Mal sah, fiel mir auf, dass sie nicht mit den anderen Kindern spielte. Sie wirkte mit ihren 14 Monaten so unnatürlich abwesend“, sagt die Ernährungsexpertin des Kinderhilfswerks UNICEF, Jesca Wude Murye, die seit vielen Jahren mangelernährte Kinder im Südsudan betreut. Adut hat sie vor einem Jahr das erste Mal gesehen und spricht fast mütterlich von ihr.Ein kleiner Trost: Die noch schwerkranke Adut auf dem Arm ihrer zwölfjährigen Schwester Lydia und Mutter Angelina  (Quelle: UNICEF/UN0344869/Wilson)Ein kleiner Trost: Die noch schwerkranke Adut auf dem Arm ihrer zwölfjährigen Schwester Lydia und Mutter Angelina (Quelle: UNICEF/UN0344869/Wilson)

Das südsudanesische Mädchen ist eines von 50 Millionen Kindern, die unter akuter Mangelernährung leiden. Mangelernährung ist für fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren mitverantwortlich.

Adut hatte großes Glück mit ihrer Betreuerin Jesca, die genau hinsieht: „Sie war sehr krank, als ich ihr das erste Mal begegnete. Sie hatte Malaria, Grippe und ihre Augen waren entzündet.“  Ihre Eltern Angelina und William sind sehr besorgt. Jesca findet in langen Gesprächen heraus, dass Adut eine schlechte Esserin ist. „Auch wenn es zu Hause Essen gab, aß Adut oft tagelang nichts. Aduts Eltern sind tagsüber immer sehr beschäftigt. Sie müssen für ihre zehnköpfige Familie sorgen.“ Keiner bemerkt, dass Adut oft tagelang kaum etwas oder nichts zu sich nimmt.

Nach eingehender Untersuchung von UNICEF, wird bekannt: Eine Malaria-Infektion hatte ihren schon geringen Hunger auf null reduziert. Dazu kam Durchfall. Das Resultat: Akute Mangelernährung. Die Ernährungsexpertin erzählt: „Es gab kein Strahlen in ihren Augen. Das ist sehr ungewöhnlich bei gesunden Kleinkindern.“Unbeteiligt: Adut ist so schwach, dass sie nur noch auf dem Schoß ihrer Mutter sitzen kann. (Quelle: UNICEF/UN0344856/Wilson)Unbeteiligt: Adut ist so schwach, dass sie nur noch auf dem Schoß ihrer Mutter sitzen kann. (Quelle: UNICEF/UN0344856/Wilson)

Als akut mangelernährt gelten Kinder, die 80 Prozent weniger wiegen als für ihr Alter normal ist. Adut wiegt mit 14 Monaten nur 6,5 Kilogramm. Normal wären für ihr Alter 10. „Während ihre jüngeren Geschwister bereits herumliefen, konnte Adut nur mit Mühe stehen und vom Laufen war sie weit entfernt“, erklärt die Ernährungsexpertin.

Hungerlexikon

Hunger ≠ Mangelernährung
Oft ist es so, dass Kinder zu einseitig ernährt werden, weil ihre Eltern keine Möglichkeiten haben, abwechslungsreiche Nahrungsmittel zu beschaffen. Wer nur Reis oder Maisbrei isst, wird krank. Vitamine und Spurenelemente spielen die entscheidende Rolle.

Wer ist betroffen?
Jedes vierte Kind ist chronisch mangelernährt. Fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren haben damit zu tun.

Wann ist ein Kind mangelernährt?
Wenn das Gewicht eines Kindes weniger als 80 Prozent des für sein Alter angemessenen Gewichts beträgt, gilt es als akut mangelernährt.

Was ist die Ursache?
Armut, Dürre, Überschwemmungen, Flucht, Vertreibung, Krieg und Gewalt bringen Kinder in lebensbedrohliche Hungersituationen.

Was sind die Folgen?
Ein Teufelskreis: Der mangelernährte Körper schafft es nicht mehr, normale Nahrung zu verdauen. Er wird schwächer und anfälliger für Krankheiten wie Durchfall oder Lungenentzündung. Das zehrt den Körper weiter aus und führt nicht selten zum Tod.

Was ist zu tun?
Schon kleine Spenden beim Kinderhilfswerk UNICEF helfen, Kinderleben zu retten! Babys und Kinder, die so geschwächt sind, dass sie keine feste Nahrung zu sich nehmen können, werden mit einer Spezialmilch über einen Nasenschlauch behandelt. Kinder bekommen eine Paste aus Erdnüssen, Öl, Milchpulver, Zucker, Vitaminen und Spurenelementen. Dazu helfen ein Pulver mit Mikronährstoffen und Vitamin-A-Tabletten dabei, schnell wieder auf die Beine zu kommen. Schon nach ein paar Tagen fühlen sich die Kinder sichtbar besser!

Adut wird in das ambulante Therapieprogramm von UNICEF aufgenommen (OTP) und bekommt eine Spezialnahrung, die hauptsächlich aus einer mit Vitaminen und Spurenelementen angereicherten Erdnusspaste besteht. Nach nur acht Wochen geht es Adut sichtbar besser: „Adut fing plötzlich an zu krabbeln und sich zu bewegen. Da wusste ich: Wir haben es geschafft“, sagt die Betreuerin erleichtert.
Auf einem guten Weg: Jesca Wude Murye, UNICEF-Ernährungsexpertin im Südsudan besucht ihrer kleine Freundin Adut in Aweil  (Quelle: UNICEF/UN0344939/Wilson)Auf einem guten Weg: Jesca Wude Murye, UNICEF-Ernährungsexpertin im Südsudan besucht ihrer kleine Freundin Adut in Aweil (Quelle: UNICEF/UN0344939/Wilson)

Als Jesca nach einem Jahr wieder zu Adut kommt, braucht sie einen Moment, um das Mädchen zu entdecken. Wieder tummeln sich etliche Kinder auf dem kleinen Platz in Aweil. Diesmal aber sticht kein Kind durch Passivität heraus. Diesmal ist es ein Kind in einem rosa Kleid. Es sitzt ein wenig eng an ihrem Körper. Und es kommt der Betreuerin bekannt vor.  Jesca muss grinsen: Es ist das Kleid, das Adut noch vor einem Jahr – krank und schutzbedürftig – trug, als sie auf dem Schoß ihrer Mutter saß. Damals war es viel zu groß. Auch heute sticht Adut unter all den Kindern wieder hervor: diesmal durch ihr großes Lachen und eine Ausstrahlung, die Jesca zu Tränen rührt. „Aber das Schönste von allem ist für mich: Adut kann wieder spielen. Und wie sie spielt!“

Die kleine Adut wurde gerettet. Doch Tausende von Kinder kämpfen noch um ihr Leben. Helfen Sie, bevor es zu spät ist! Jede Spende zählt!



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