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Archäologie: Stonehenge-Dorf war Steinzeit-Großstadt

Archäologie  

Stonehenge-Dorf war Steinzeit-Großstadt

09.11.2007, 13:25 Uhr | Spiegel Online


Von Angelika Franz

Gab es in der Nähe von Stonehenge eine Großstadt?  (Foto: dpa)Gab es in der Nähe von Stonehenge eine Großstadt? (Foto: dpa) Archäologen wühlen sich gerne durch Müllhaufen. Denn kaum etwas verrät mehr über das pulsierende Leben als Küchenabfälle und alltäglicher Zivilisationsdreck. "Hier", erklärt Parker Pearson von der Sheffield University anhand eines Ochsenschenkels, "hängen die Knochen noch zusammen. So etwas passiert nur bei großen Festgelagen. Wenn alle schon satt sind, landet auch mal ein noch essbares Stück Rinderbein auf dem Abfallhaufen." Wer Hunger hat oder seinen Fleischkonsum rationieren muss, lässt nur vereinzelte, gründlich abgenagte Knochen zurück.

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Steinzeitliche Megacity
Parker Pearson wühlt derzeit durch eine Menge Müll. Durch den Müll einer Großstadt, einer steinzeitlichen Megacity. Zunächst schien Durrington Walls, drei Kilometer vom berühmten Stonehenge entfernt, ein ganz normales Handwerkerdorf zu sein. Zeitlich fällt es mit der Errichtung des großen Steinkreises auf dem Salisbury Plain zusammen, in die Zeit um 2600 bis 2500 vor Christus. Schon lange haben Forscher vermutet, dass in Durrington Walls die Erbauer von Stonehenge gewohnt hatten.

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Mindestens 300 Häuser
Doch dann entdeckten Parker Pearson und sein Team vom Stonehenge Riverside Project ein Haus nach dem anderen. Inzwischen gehen die Archäologen von mindestens 300 Häusern aus, von denen allerdings erst zehn vollständig ausgegraben sind. "Zu erkennen, wie groß die Siedlung der Stonehenge-Erbauer wirklich war, ist wirklich aufregend", schwärmte selbst der gestandene Steinzeitexperte Parker Pearson gegenüber der britischen BBC.

Circa 1200 Bewohner
Parker Pearson rechnet gern. Bei vier Bewohnern pro Haus lebten in Durrington Walls 1200 Menschen. Aber vielleicht waren es auch doppelt so viele Gebäude. Dann hätte Stonehenge City 2400 Einwohner gehabt. "Es ist möglich, dass sich zum einen oder anderen Zeitpunkt sämtliche Bewohner Südenglands hier aufgehalten haben", sagte der Ausgräber. Er glaubt, dass Durrington Walls die größte steinzeitliche Siedlung Nordeuropas war. "Das war für uns völlig überraschend", sagte Pearson zu Spiegel Online.

Leben und Tod in Durrington und Stonehenge
Die Grabung liefert zahlreiche neue Erkenntnisse über die Bedeutung und Errichtung der Steinkreise im nahe gelegenen Stonehenge. Parker Pearson glaubt, dass beide Stätten aufs intimste miteinander verbunden waren. "In Durrington hat man das Leben gefeiert und die Toten verabschiedet, sie auf Booten in den Fluss Avon gesetzt und ins Jenseits geschickt", so der Forscher. "Stonehenge dagegen diente zur gleichen Zeit der Erinnerung an die Toten und als Begräbnisstätte einiger auserwählter Menschen. Die Mittelachse von Stonehenge orientiert sich am Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende. Die von Durrington am Sonnenuntergang des gleichen Tages."

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