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Sudan: Merowe-Staudamm setzt Dörfer und Kulturschätze bald unter Wasser

Umstrittener Merowe-Staudamm  

Dörfer und Kulturschätze bald unter Wasser

30.03.2007, 14:00 Uhr | AFP

Es ist ein grünes, fruchtbares Nil-Tal mit vielen kleinen Dörfern - doch in wenigen Monaten wird es am Grund eines gigantischen Stausees liegen. Der von einem chinesischen Konsortium errichtete Merowe-Staudamm im Norden des Sudan soll die Energieproduktion des afrikanischen Landes verdoppeln. Zugleich wird er traditionelles Siedlungsgebiet und unzählige archäologische Schätze für immer unter Wasser setzen.

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60.000 Menschen werden umgesiedelt
Sechs Jahre lang wird das Wasser sich stauen, bis der See seinen endgültigen Umfang von 175 Kilometer Länge und vier Kilometer Breite erreicht hat. 60.000 Menschen müssen ihre Dörfer und ihr Ackerland verlassen. Einer von ihnen ist Chalifa Omar Ali aus dem Dorf Amri. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das Land, das mein Großvater gekauft hat, und das Haus, in dem ich vor 38 Jahren geboren wurde, am Grund eines Sees enden sollen." Doch ein paar Kilometer entfernt zeigt das Dorf Argu, dass es den Behörden ernst ist mit der Umsiedlung. Eine erste Flutwelle fegte im August über das Dorf, seither haben Bulldozer die Häuser dem Erdboden gleich gemacht. Nur ein Minarett und einige Gebäude ragen noch aus dem Schutt.

Neues Land ist nicht so fruchtbar
Ein paar hundert Familien sind schon umgezogen - entweder in provisorische Zeltlager oder in die vier neuen Dörfer, die die Behörde bislang Dutzende von Kilometern von den alten Siedlungen entfernt errichtet hat. Doch von fruchtbarem Land wie in ihrem angestammten Tal kann dort keine Rede sein. "Wir bauen doch hier Tomaten und Bohnen an. In dem neuen Dorf Amri al-Gedida ist das unmöglich", sagt Mohammed Ibrahim, dessen 13-köpfige Familie bis August weichen muss.


Keine Einheimischen am Bau beteiligt
Ansätze zum Widerstand gibt es bislang nur beim Stamm der Manasir, der seit Jahrhunderten in der Merowe-Region lebt. Völker wie Hamdab oder Amri sind auch in anderen Gebieten vertreten. Aber die Kultur der Manasir gibt es nur hier - und sie wird mit dem Stausee weggespült. Ali Askuri, ein Manasir und Chef eines für die Betroffenen eingerichteten Büros, beklagt vor allem, dass es zwischen den Behörden und den am Projekt beteiligten Firmen keinerlei Absprache gibt. Das chinesische Konsortium beschäftigt Schätzungen zufolge rund 5000 Arbeiter an dem gut bewachten Bauprojekt, jedoch laut Askuri keinen Einheimischen.

See hat Lebensdauer von 150 Jahren
Obendrein sind die Folgen des Projekts für die Umwelt umstritten. Der Merowe-Damm wird Sudans Energieproduktion verdoppeln. Er bleibt dabei mit seinem Stauvolumen innerhalb der 18,5 Milliarden Kubikmeter, die dem Land in einem Vertrag über die Nutzung des Nils mit Ägypten im Jahre 1959 zugesprochen wurden. Die für den Merowe-See errechnete Lebensdauer von 150 Jahren wird von Experten als zu niedrig kritisiert.

Archäologisches Rettungsprogramm
Für die Archäologie bedeutet der Bau des Stausees, dass umfangreiche, unerforschte Ausgrabungsstätten für immer unter dem Wasser verschwinden. Immerhin hat die sudanesische Regierung kurz vor dem Startschuss für den Bau des Dammes ein archäologisches Rettungsprojekt in Gang gesetzt, bei dem jetzt erstmals Teams aus aller Welt in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

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