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Stonehenge: Archäologen dürfen neuer Theorie auf den Grund gehen

Neue Ausgrabungen genehmigt  

Archäologen haben eine neue Stonehenge-Theorie

01.04.2008, 11:48 Uhr

Stonehenge: Erstmals seit 1964 gibt es wieder archäologische Grabungen and er Kultstätte (Quelle: Reuters)Stonehenge: Erstmals seit 1964 gibt es wieder archäologische Grabungen and er Kultstätte (Quelle: Reuters) Schon vor vier Jahrzehnten haben Archäologen das letzte Mal in Stonehenge gegraben. Nun erhielt eine britische Forschergruppe erstmals wieder die Erlaubnis, an der Kultstätte zu graben. In dem mysteriösen Steingebilde aus der Vorzeit suchen sie nun nach neuen Hinweisen auf die nie mit Sicherheit beantwortete Frage: Was ist Stonehenge eigentlich?

Viele Theorien und Legenden

Manche Forscher meinen, die Steinanlage bei Salisbury in der Grafschaft Wiltshire war ein Tempel, in dem steinzeitlichen Gottheiten gehuldigt wurde. Andere nehmen an, dass es eine Art prähistorisches Sternenobservatorium war. Wieder eine andere Theorie lautet, Stonehenge sei ein Grab für Personen mit hohem Ansehen gewesen. Und sogar in der Legende von König Arthur kommt die Stätte vor: in ihr heißt es, der Zauberer Merlin habe sie erbaut.

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"Schlüssel zum weiteren Verständnis"

Die neueste Ausgrabung beschäftigt sich mit dem inneren Kreis aus so genannten Blausteinen. "Die Blausteine sind der Schlüssel zum weiteren Verständnis, was Stonehenge ist," ist sich Simon Thurley von der historischen Gesellschaft "English Heritage" sicher. "Als sie dazukamen, war das ein Wendepunkt in der Geschichte von Stonehenge. Sie verwandelten ein gewöhnliches Steinmonument mit Balkenstrukturen und gelegentlicher Nutzung als Friedhof in das komplexe Steingebilde, dessen Überreste heute die Anlage hauptsächlich ausmachen."

Forscher rätseln seit dem Mittelalter

Die Stonehenge-Experten Geoffrey Wainwright und Timothy Darvill hoffen nun, unter den Blausteinen die Überreste der Steine zu finden, die dort zuerst standen und sie datieren zu können. "Diese Ausgrabung ist die erste Gelegenheit nach fast einem halben Jahrhundert, die Möglichkeiten der modernen Archäologie bei einem Problem anzuwenden, das Forscher seit dem Mittelalter beschäftigt," sagt Wainwright.1964 durften Archäologen zum letzten Mal in Stonehenge graben.

Steine kamen von weit her

Die aufrecht stehenden Steine bestehen aus weiß gesprenkeltem Dolerit, den es nur in in der walisischen Grafschaft Pembrokeshire gibt - also 260 Kilometer von Salisbury entfernt. Die Forscher stellen sich schon länger die Frage, warum die Erbauer der Anlage 80 dieser Steine einen so langen Weg bis zu der Stätte brachten, obwohl es auch an viel näheren Orten geeignetes Baumaterial gab.

Verbindung mit Wasser

Wainwright und Darvill hatten schon nachgewiesen, dass die 4500 Jahre alte Kultstätte zwischendurch ein Zentrum zeremonieller Bestattungen war. Nun suchen die beiden Wissenschaftler Hinweise darauf, dass Stonehenge ursprünglich als eine Heilstätte erbaut wurde. Sie nehmen an, dass die Anlage viel stärker mit Wasserquellen in der Nähe verbunden war, als bisher angenommen. Und Wasserquellen wird oftmals eine heilende Wirkung zugesprochen.

Quelle früher viel näher?

Bisher hatten die Forscher angenommen, dass die einzige Verbindung der Stätte zu Wasser ein drei Kilometer langer Pilgerweg zum Fluss Avon ist. Doch Wainwright und Darvill sehen Anhaltspunkte dafür, dass die ersten 500 Meter zu einer Quelle führten, die in dem Tal entsprang. Das würde erklären, warum der Weg zum Avon nicht ganz gerade verläuft.

Forschungen auch in Wales

Wainwright und Darvill hatten auch sechs Jahre lang in den Bergen von Pembrokeshire in Wales geforscht, wo die Doleriten herkommen. Dort fanden sie zahlreiche Felsquellen. Deswegen gehen sie nun davon aus, dass dort ein Zentrum für Heilstätten gewesen sein muss. Und darin wiederum sehen sie den Grund, dass die Stonehenge-Erbauer Steine von dort nach Salisbury brachten.

Bestattete auch ganz Europa

Unterstützt wird ihre Theorie unter anderem von der Tatsache, dass eine große Zahl der dort in Jungsteinzeit und Bronzezeit beerdigten Personen bestimmte Krankheitsmerkmale aufwiesen. Dazu kommt, dass viele dieser Menschen nicht nur aus Großbritannien, sondern auch vom europäischen Festland gekommen sein müssen. Darauf weisen zahlreiche Artefakte aus ganz Europa an der Stätte hin.

Trotzdem Tempel möglich

Dass Stonehenge trotzdem auch als Tempel genutzt wurde, schließen die Archäologen nicht aus. Sie glauben, dass die Anlage auch eine Stätte der Verehrung für den Sonnengott gewesen sein könnte - schließlich steht ihre Lage nachweislich mit Winter- und Sommersonnenwende in Verbindung. "Die Beweise, die wir gefunden haben, haben uns zu einer völlig neuen Interpretation davon gebracht, warum Stonehenge gebaut wurde und warum die Menschen dorthin gingen", sagt Darvill. "Das eröffnet uns komplett neue Forschungswege."

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