Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen > Archäologie >

Ist Nofretete nur eine Fälschung?

Archäologie  

Ist Nofretete nur eine Fälschung?

06.05.2009, 12:09 Uhr | AFP

Nofretete: Bloß eine Gipsfigur zu Demonstrationszwecken? (Foto: imago)Nofretete: Bloß eine Gipsfigur zu Demonstrationszwecken? (Foto: imago)

Die weltberühmte Büste der ägyptischen Königin Nofretete ist nach Ansicht eines Schweizer Forschers eine Fälschung. Die Büste sei gar nicht vor 3400 Jahren entstanden, sondern sei im Jahr 1912 zu Demonstrationszwecken während der Ausgrabungen in Ägypten gefertigt worden.

Nur durch ein Missverständnis sei die Gipsfigur schließlich für echt erklärt worden, behauptet der Kunsthistoriker Henri Stierlin. Das Ägyptische Museum in Berlin wies diese Behauptung "amüsiert", aber entschieden zurück.

Alexandria Kleopatras Grab könnte bald gefunden werden
Foto-Serie Forscher suchen Kleopatras Grab

Demonstrationsobjekt für echt gehalten

In seinem neuen Buch "Le Buste de Néfertiti, une imposture de l'égyptologie?" vertritt Kunsthistoriker die These, die Büste sei auf Anweisung des deutschen Ägyptologen Ludwig Borchardt gefertigt worden. Borchardt habe dabei jedoch keine Fälschungsabsicht gehabt. Er habe lediglich ein Bildnis der Königin mit einer Halskette zeigen wollen, die er gefunden habe. Bei einem Besuch im Dezember 1912 habe dann ein deutscher Fürst das Werk aber für echt gehalten, so Stierlin. Begeistert habe er sich von der Presse vor der Nofretete fotografieren lassen. Borchardt habe dann "nicht genug Mut gehabt, den Gast lächerlich zu machen".

Keine wissenschaftliche Altersbestimmung möglich

Dass die Nofretete bis heute als Prunkstück der Ägyptologie gelte, liege an den verwendeten Materialien, die teils aus der Ausgrabungsstätte stammten und tatsächlich alt seien, sagte Stierlin. Bei dem verwendeten Stein und Gips sei eine Altersbestimmung unmöglich, weil dies nur bei organischen Materialien funktioniere.

Viele Details seien untypisch für Ägypter

Auch Indizien an der Büste selbst weisen laut Stierlin darauf hin, das sie nicht echt sein könne. "Sie hat kein linkes Auge und war nie dazu geschaffen, eines zu erhalten. Das ist eine Beleidigung für die alten Ägypter, die glaubten, dass Statuen selbst Personen sind", erklärte der Schweizer, der ein Dutzend Bücher über Ägypten, den Nahen Osten und den alten Islam geschrieben hat. Die Schultern der Büste seien zudem vertikal abgeschnitten. Die Ägypter hätten bei Büsten damals aber immer horizontal angesetzt.

Wohnzimmerdekoration des Sponsors

Seinerzeit an der Ausgrabungsstätte arbeitende französische Forscher hätten die Büste zudem niemals erwähnt, erklärte Stierlin weiter. Borchardt selbst habe sie ohne Beschreibung nach Berlin geschickt, was für einen solchen Fund außergewöhnlich sei. "Er ließ das Stück für zehn Jahre im Wohnzimmer seines Sponsors", sagte Stierlin. Erst ab 1923 sei es ausgestellt worden.

Ägyptisches Museum weist These zurück

Stierlins Behauptungen seien "zweifellos nicht richtig", sagte der Leiter des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung. "Wir stellen doch für jährlich bis zu 700.000 Besucher nicht ein irgendwie fragwürdiges Objekt in die Vitrine. Computertomografie, Materialanalysen und eine lückenlose Fundgeschichte belegen die Echtheit." Er frage sich, ob Stierlin "neuere wissenschaftliche Untersuchungen" einbezogen habe, darunter die 1992 und 2006 erfolgten Tomografien, durch die sich der Herstellungsprozess rekonstruieren lasse.

Gute Werbung für die Ägyptologie

Wildung erinnerte sich, Anfang der 80er Jahre mit Stierlin länger über die Frage der Echtheit der Nofretete gesprochen zu haben: "Es überrascht mich, dass diese damalige Idee weiter in ihm gebrodelt hat." Es sei zwar richtig, dass "eine absolute Altersbestimmung bei nichtorganischen Materialien schwierig, wenn nicht unmöglich ist". Wenn die Büste aber 1912 "in einer so atemberaubend kurzen Periode hergestellt worden wäre, dann wären auch moderne Stoffe dabei." Dies sei nicht der Fall. Immerhin sei Stierlins Buch "wunderbare Propaganda für unser Fach", schmunzelte der Museumsdirektor.

Mehr aktuelle Nachrichten


Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal