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"Herr von Morken" bekommt Gesicht: Berühmter Fund im Rhein-Erft-Kreis

Berühmter Fund  

"Herr von Morken" bekommt ein Gesicht

29.04.2015, 19:43 Uhr | dpa

"Herr von Morken" bekommt Gesicht: Berühmter Fund im Rhein-Erft-Kreis. So soll der "Herr von Morken" ausgesehen haben. (Quelle: dpa)

So soll der "Herr von Morken" ausgesehen haben. (Quelle: dpa)

Er aß viel Fleisch, hatte eine stattliche Erscheinung und im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung keine Karies: In aufwändiger Arbeit haben Wissenschaftler das Gesicht des "Herrn von Morken" rekonstruiert.

Er hatte noch alle Zähne, eine leichte Himmelfahrtsnase und eine Narbe über der Stirn: Der "Herr von Morken" war zu Lebzeiten offenbar ein recht stattlicher Mann. Vor etwa 1400 Jahren ist er gestorben. Jetzt haben Wissenschaftler in aufwendiger Kleinarbeit sein Gesicht rekonstruiert. Die Nachbildung ist im Museum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Bonn zu sehen. "Mit großer Wahrscheinlichkeit hat er so ausgesehen", sagt Constanze Niess vom Frankfurter Institut für Rechtsmedizin.

Möglicherweise war er Verwalter

1955 wurde das Grab bei Erdarbeiten für den Braunkohletagebau im Rhein-Erft-Kreis im Westen Nordrhein-Westfalens entdeckt. Der "Herr von Morken" war um das Jahr 600 im sogenannten Fürstengrab von Morken bestattet worden, einem fränkischen Gräberfeld oberhalb des Friedhofs der Ortsbevölkerung. Die kostbaren Beigaben, vor allem das Material der Waffen, ließen darauf schließen, dass der Mann eine Sonderstellung in der Bevölkerung genoss, erläutert Elke Nieveler, Referentin für Frühmittelalter im Rheinischen Landesmuseum. "Möglicherweise war er der Verwalter des Königsguts von Morken."

In einem interdisziplinären Forschungsprojekt untersuchten Wissenschaftler anhand der Gräber die Lebensumstände, Ernährungsweisen und wirtschaftlichen Ressourcen der merowingischen Bevölkerung im Rheinland. Der "Herr von Morken" solle den Museumsbesuchern nun eine Begegnung mit einem Individuum aus dieser Zeit ermöglichen, sagt Nieveler.

Zähne und Gesichtsknochen genügten

Woran der "Herr von Morken" mit etwa Mitte 40 starb, ist unklar. Eine schwere Kopfverletzung - wahrscheinlich ein Schwerthieb aus einem Kampf - sei jedenfalls nicht die Todesursache gewesen, meint Christian Meyer aus Halle, der die Knochenuntersuchungen vorgenommen hat. "Die Wunde ist gut verheilt." Aus der Verletzung und den Grabbeigaben lasse sich aber schließen, dass der Mann für den Kampf lebte. Darauf deutet nach Erkenntnissen der Experten auch seine betont eiweißreiche Ernährung hin: Er habe viel mehr Fleisch gegessen als der Großteil der damaligen Bevölkerung. Anders als die meisten Menschen seinerzeit habe "Herr von Morken" übrigens keine Karies gehabt.

Um das Gesicht zu rekonstruieren, nutzte Gerichtsmedizinerin Niess Methoden, die normalerweise bei der Identifizierung unbekannter Toter angewandt werden. "Die Gesichtsknochen des Herrn von Morken sind gut erhalten, die Zähne sind vorhanden - damit ist alles wichtige da, was ich für eine Rekonstruktion brauche", erzählt Niess. Ein 3-D-Druck aus Kunstharz bildete die Grundlage, die Knochen wurden exakt vermessen. So kristallisierte sich langsam ein schmales Gesicht heraus mit hohen Wangenknochen, kräftigen Augenbrauenwülsten und einer etwas hochstehenden Nase.

Nur die Frisur, das kleine Bärtchen und die Augenfarbe sind nicht wissenschaftlich belegt, sondern basieren auf Annahmen. Deshalb wurden sie farblich bewusst zurückhaltend gestaltet - denn schließlich soll nichts vom Gesicht ablenken.

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