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Geschichte: Als der Papst nach der Weltmacht griff

Als der Papst nach der Weltmacht griff

22.09.2011, 09:09 Uhr | Von Ruppert Mayr, dpa, dpa

Geschichte: Als der Papst nach der Weltmacht griff . Zeitgenössische Darstellung des berühmten Gang zu Canossa (Quelle: dpa)

Zeitgenössische Darstellung des berühmten Gang zu Canossa (Quelle: dpa)

Kein anderes Kirchenoberhaupt hat so viel weltliche Macht wie der Papst. Warum ist das so? Ein Blick in die Geschichte erklärt: Vor knapp 1000 Jahren wurden die Grundlagen für das heutige Papsttum gelegt. Vieles, was am katholischen Oberhirten kritisiert wird, reicht in die Zeit der Salier-Dynastie zurück.

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Im April des Jahres 1062 lockten Entführer einen Jungen auf ein prächtig geschmücktes Schiff und machten dann zur völligen Überraschung der Mutter und der anderen Umstehenden die Leinen los. Der Elfjährige versuchte noch zu fliehen und stürzte sich in die Fluten des Rheins. Bevor der Nichtschwimmer aber unterging, wurde er von einem der Schiffsinsassen aus dem Wasser gezogen. Heinrich IV., so vermutet man, war durch diese Aktion, den "Staatsstreich von Kaiserswerth" bei Düsseldorf, zumindest geschockt, wenn nicht traumatisiert.

Entführt wurde der unmündige Salier-König vor den Augen seiner Mutter Agnes vom Kölner Erzbischof Anno. Heinrichs Vater, Kaiser Heinrich III., starb, als sein Nachfolger fünf Jahre alt war. Die Königs-Mutter übernahm zunächst für den unmündigen Sohn die Regierungsgeschäfte. Dann aber sicherte sich der Kölner Erzbischof durch die Verfügungsgewalt über den minderjährigen König Einfluss auf die Reichsgeschäfte.

Papst erhebt sich zur Führungsmacht

Während der Minderjährigkeit Heinrichs IV. kam es zur Entfremdung zwischen der Reichsregierung und dem Papsttum in Rom. Sein Vater, Heinrich III., hatte eine Reform von Kirche und Papsttum intensiv vorangetrieben. In diese Zeit fallen Änderungen, die heute noch bestehen. So wurde 1059 erstmals ein Vorwahlrecht der Kardinäle festgelegt. Die Päpste begannen, sich "nicht mehr nur als Bischöfe von Rom" zu verstehen, "sondern als Spitze der Kirche mit Führungsanspruch über die ganze Christenheit. Die Kirche wurde zur Papstkirche", schreibt der Regensburger Historiker Martin Clauss.

Der neu formulierte Machtanspruch der Päpste schlug Heinrich IV. bei der Übernahme der Regierungsgeschäfte ab etwa 1065 mit voller Wucht entgegen. Von 1073 an ist Gregor VII. sein Gegenspieler, ein Papst, der dieses Amt maßgeblich prägte. Gregors Leitsätze lauteten unter anderem: "Dass alle Fürsten allein des Papstes Füße küssen sollen" oder "Dass die römische Kirche niemals geirrt hat und nach dem Zeugnis der Schrift auch fürderhin niemals irren wird".

Exkommunikation von Heinrich IV.

Der Machtkampf zwischen Papst und König eskalierte. 1076 exkommunizierte Gregor den König, der auch innenpolitisch unter Druck stand. Dies traf Heinrich nicht nur als Christ, sondern gefährdete ihn auch als Machthaber. Ihm wurde die Königsherrschaft abgesprochen und alle seine Untertanen wurden ihrer Treuepflichten entbunden.

Es war das erste Mal, dass ein Papst einen deutschen König mit dem Bann belegte. Das ist auch insofern bemerkenswert, als es dem Papst mit einem abstrakten theologischen Instrument gelingt, sich über die tagesaktuelle Machtpolitik zu erheben. Damit hält er in der politischen Auseinandersetzung eine zumindest zu diesem Zeitpunkt (noch) sehr scharfe Waffe in Händen. Was folgt, ist jener berühmte Gang Heinrichs IV. nach Canossa im Winter 1077.

Die Nachwelt sah in der Büßergeste des Saliers einerseits eine enorme päpstliche Demütigung des Königtums, andererseits aber einen geschickten Schachzug Heinrichs, um den Papst zu zwingen, ihn wieder in die Kirche aufzunehmen. Nur so konnte er seiner Absetzung durch Papst und deutschen Adel zuvorkommen. Es gab wohl auf beiden Seiten Blessuren. Entscheidend aber ist, dass das Papsttum in der Auseinandersetzung mit den Saliern einen universalen Anspruch etablieren konnte und gleichzeitig den König auf ein bloß nationales Maß stutzen wollte. Dies hätte den deutschen Herrscherhäusern für die Zukunft quasi den Weg zur Kaiserwürde versperrt.

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