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Auch Südostasiaten besiedelten einst Amerika

Sensationelle Entdeckung  

Auch Südostasiaten besiedelten einst Amerika

21.07.2015, 20:02 Uhr | dpa

Auch Südostasiaten besiedelten einst Amerika. Indios des Stammes Surui in Brasilien: Neuen Studien zufolge stammten ihre Vorfahren aus Südostasien. (Quelle: imago images/Fotoarena)

Indios des Stammes Surui in Brasilien: Neuen Studien zufolge stammten ihre Vorfahren aus Südostasien. (Quelle: Fotoarena/imago images)

Muss die Geschichte der Besiedlung Amerikas umgeschrieben werden? Untersuchungen zeigen überraschend, dass einige Amazonas-Gruppen eng mit Völkern aus Südostasien verwandt sind. Das wirft allerdings neue Rätsel auf.

Hauptsächlich eurasische Zuwanderer besiedelten einst Amerika. Sie kamen von Sibirien über die Beringstraße. Ihre Nachfahren verteilten sich dann über den Kontinent bis nach Feuerland. Jedoch sind diese Menschen kaum verwandt mit manchen Ureinwohnern im Amazonasgebiet. Das ergaben Erbgut-Vergleiche zwischen verschiedenen Gruppen.

Wissenschaftler glauben an zweite Gründerpopulation

Ein Forscherteam um David Reich von der Harvard Medical School in Boston spricht deshalb von einer zweiten Gründerpopulation in Amerika. Sie bezeichnen sie in der Zeitschrift "Nature" als Population Y, abgeleitet von "Ypykuera": Dabei handelt es sich um das Wort für "Ahne" in der Tupi-Sprache, die die Suruí und Karitiana sprechen - zwei Völker, denen die Wissenschaftler nun südostasiatische Ursprünge nachwiesen: Die Indios ähnelten stark den Menschen, die heute in Neuguinea, Australien oder auf den Andamanen im Golf von Bengalen leben.

"Offen bleibt die Frage, wann und wie die Vorfahren der Population Y Südamerika erreichten", schreibt die Experten. Die Einwanderung müsse schon vor vielen Jahrtausenden erfolgt sein, so die Autoren.

Anderes Forscherteam: Südostasiaten kamen deutlich später

Ein andere Forschergruppe um Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen bewertet die überraschende Erkenntnis im Magazin "Science" eher zurückhaltend. Das Team konzentriert sich auf die eurasische Einwanderung über die Beringstraße. Diese habe während der letzten Kaltzeit vor maximal 23.000 Jahren stattgefunden - in einer einzigen Wanderungswelle über die damalige Landbrücke.

Dabei seien die Zuwanderer möglicherweise bis zu 8000 Jahre auf der Beringstraße eingeschlossen worden. Später zogen sie dem Bericht zufolge entlang der Küsten weiter. Sie erreichten das südliche Südamerika bis spätestens vor 14.600 Jahren.

Erst später, vor etwa 13.000 Jahren, habe sich in Nordamerika eine Gruppe abgespalten. Sie drang gegen Ende der letzten Kaltzeit und dem Rückzug der Eismassen ins Innere des Kontinents vor. Von ihnen stammen etwa die Cree- oder Chippewyan-Indianer und andere Vertreter der athabaskischen Sprachgruppe ab.

Das Team um Willerslev geht davon aus, dass die Zuwanderung aus Südostasien erst nach der Migrationswelle aus Eurasien folgte.

"Ich konnte es zunächst kaum glauben"

Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena bezeichnet die genetische Ähnlichkeit zwischen Amazonas-Bewohnern und Gruppen in Südostasien als Sensation. "Ich konnte es zunächst kaum glauben", sagte der Archäogenetiker.

Die entscheidende Frage sei, welche der beiden Gruppen zuerst nach Amerika kam. Das müssten weitere genetische Studien klären. Der Experte verweist unter anderem auf die Ausgrabungsstätte Lagoa Santa im brasilianischen Staat Minas Gerais. Dort wurden bislang mehr als 30 Skelette entdeckt, die zwischen 8000 und 12.000 Jahre alt sind. Deren Analyse ist allerdings schwierig, weil die DNA durch das feuchtheiße Klima sehr schlecht erhalten ist.

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